• Fußballprofis boykottieren Social Media: Stiller Protest gegen Rassismus in England

Fußballprofis boykottieren Social Media : Stiller Protest gegen Rassismus in England

Die Social-Media-Kanäle zahlreicher Spieler aus der Premier League standen seit Freitag still. Sie wollen das erreichen, was die Uefa nicht schafft.

Christopher Stolz
Schockiert. Ashley Young wurde von den eigenen Fans rassistisch beleidigt.
Schockiert. Ashley Young wurde von den eigenen Fans rassistisch beleidigt.Foto: Albert Gea/Reuters

Zahlreiche Fußballer in England und Wales haben an Karfreitag ihre Social-Media-Kanäle ruhen lassen. Ihre Spielerorganisation PFA hatte sie dazu aufgerufen – um gegen Rassismus mobil zu machen. Superstars wie Antonio Rüdiger, Kevin de Bruyne und Marcus Rashford machten mit.

Es ist ein klares Signal dafür, dass die Spieler nicht mehr tatenlos zusehen wollen, wie die Sitten in den europäischen Fußballstadien verrohen. Die Anti-Rassismus-Kampagnen des europäischen Fußballverbandes Uefa fruchten offensichtlich nicht. Und so holen die Spieler die Öffentlichkeit und vor allem die Betroffenen da ab, wo sie ohnehin unterwegs sind: in den sozialen Netzwerken.

Auf Marcus Rashfords Twitter-Account prangerte auch am Samstag noch in großen Lettern „Enough“ – er ist nicht der einzige, der genug erlebt hat. "Wir wissen, dass wir mit unseren Accounts Verantwortung haben, und deshalb erheben wir unsere Stimme, um gegen Rassismus vorzugehen“, schrieb der Stürmer von Manchester United. „Zusammen rufen wir Social-Media-Plattformen und Fußball-Organisationen dazu auf, mehr zu tun.“

Hintergrund sind Vorfälle, die Rashford sogar hautnah miterlebt hat. Beim Qualifikationsspiel zur Fußball-Europameisterschaft wurden die dunkelhäutigen englischen Nationalspieler Raheem Sterling, Callum Hudson-Odoi und Danny Rose in Montenegro übel beleidigt und mit Affenlauten von den Rängen bedacht.

Verzweifelter Versuch der Spieler

Ashley Young wurde erst vergangene Woche von den eigenen Fans von Manchester United als "Affe" beleidigt. Nur, weil er beim Champions-League-Aus gegen den FC Barcelona nicht seinen besten Tag erwischt hatte.

Fälle wie diese zeigen, dass der europäische Fußballverband Uefa mit seiner Kampagne „Equal Game“ machtlos ist gegen die Diskriminierung. Der Premier League geht es offensichtlich nicht anders. Seit Ende März gibt es ihre Kampagne mit dem Namen "No Room for Racism". Und doch häuften sich die rassistischen Vorfälle auch auf Vereinsebene, wie das Beispiel Ashley Youngs zeigt.

Die Spielergewerkschaft PFA ruft deshalb zu Aktionen wie diesen auf, damit Verbände und Social-Media-Plattformen stärkere Strafen gegen Rassismus aussprechen. Und vor allem ist es der verzweifelte Versuch, das Fass nicht endgültig zum Überlaufen zu bringen.

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