Hertha BSC auf Trainersuche : Niko Kovac will nicht – und jetzt?

In der Trainerfrage bei Hertha BSC gibt es immer noch keine Entscheidung. Das liegt auch an der schwierigen Marktlage. Ein Überblick über mögliche Kandidaten.

Wenn der eine (Niko Kovac, links) nicht will, darf der andere (Ante Covic) dann doch erst einmal Trainer bei Hertha BSC bleiben? Eine Entscheidung steht weiterhin aus.
Wenn der eine (Niko Kovac, links) nicht will, darf der andere (Ante Covic) dann doch erst einmal Trainer bei Hertha BSC bleiben?...Foto: imago images/eu-images

Spätestens am Mittwoch, um 14.30 Uhr, wird es Klarheit in der Trainerfrage von Hertha BSC geben. Dann trainiert die Mannschaft des Berliner Fußball-Bundesligisten erstmals wieder nach der 0:4-Niederlage gegen den FC Augsburg. Wer diese Einheit leiten wird, ist immer noch nicht geklärt.

Vielleicht doch weiter Ante Covic, weil sich auf die Schnelle kein geeigneter Nachfolger hat finden lassen? Herthas Wunschkandidat Niko Kovac steht kurzfristig wohl nicht zur Verfügung. Oder gibt es eine Interimslösung? Eine Konstellation mit Co-Trainer Harald Gämperle ist ebenso ins Spiel gebracht worden wie eine Interimslösung mit Jürgen Klinsmann, der gerade erst von Herthas neuem Investor Lars Windhorst als Aufsichtsrat installiert worden ist.

All diese Spekulationen zeigen, dass die Situation auf dem Trainermarkt kompliziert ist. Geeignete Kandidaten gibt es wenige. Hinzu kommt, dass Hertha sich starker Konkurrenz erwehren muss. Die Bayern suchen zur neuen Saison, vielleicht sogar schon zur Rückrunde ebenfalls einen neuen Trainer. Und in Kürze könnte auch Borussia Dortmund, am Samstag nächster Gegner der Berliner, als Konkurrent dazu kommen. Hier ein Überblick über Kandidaten, die immer wieder genannt werden.

NIKO KOVAC
Niko Kovac, 48, ist nicht nur der Wunschkandidat von Herthas neuem Großinvestor Lars Windhorst. Auch die Berliner Fans favorisieren eine Rückkehr des Jungen aus dem Wedding, der schon als Spieler zweimal für Hertha tätig war. Noch wichtiger als die lokale Note ist die Tatsache, dass Kovac mit Eintracht Frankfurt (Pokalsieg) und Bayern München (Double) bewiesen hat: Er kann sogar Titel.

Aber bei aller Verbundenheit mit seinem alten Klub: Gerade nach seinem Engagement in München hat Kovac andere Ansprüche als Abstiegskampf. Von der Gehaltsdimension, die er durch seine Zeit bei den Bayern gewohnt war, ganz zu schweigen. Sieben Millionen Euro soll Kovac dort im Jahr verdient haben. Die Realisierung der Wunschlösung gestaltet sich für Hertha schwierig, obwohl Jürgen Klinsmann sich mächtig ins Zeug gelegt haben soll. Aus München hört man, dass Kovac, der inzwischen wieder bei seiner Familie in Salzburg lebt, dazu tendiert, erst einmal eine Pause einzulegen und Hertha deshalb auf die Schnelle nicht zur Verfügung steht.

BRUNO LABBADIA

Reibt sich die Hände. Bruno Labbadia ist bei Hertha im Gespräch.
Reibt sich die Hände. Bruno Labbadia ist bei Hertha im Gespräch.Foto: Peter Steffen/dpa

Bruno Labbadia, 53, wäre im Moment eigentlich genau der richtige Mann für Hertha BSC. Nach Covics teils erratischer Mannschaftsführung brächte er dank seiner Erfahrung die nötige Ruhe für den Abstiegskampf mit. Labbadia hat in ähnlichen oder sogar noch schwierigeren Situationen (Hamburger SV) gezeigt, dass er ein taumelndes Team stabilisieren und vor dem Absturz retten kann. Zuletzt war Labbadia als Trainer beim VfL Wolfsburg tätig, den er im Februar 2018 auf Platz 14 übernahm und innerhalb von nicht einmal anderthalb Jahren in den Europapokal führte.

Doch Labbadia steckt in der Schublade mit den eher traditionellen Trainern fest. Dieses Image, ob berechtigt oder nicht, ist derzeit nicht besonders hilfreich, da eigentlich alle Klubs Trainer suchen, die jung, modern und unkonventionell sind. Schon im Frühjahr, als Herthas Manager Michael Preetz einen Nachfolger für Pal Dardai suchte, spielte Labbadia daher – ebenso wie Dieter Hecking – in den Planungen keine große Rolle. Trotzdem soll Hertha nach Informationen des „Kickers“ nun bei Labbadias Berater vorgefühlt haben. Als er zuletzt vom 1. FC Köln gefragt worden war, ob er für ein Gespräch zur Verfügung stehe, hat Labbadia dieses Ansinnen abgelehnt.

ROGER SCHMIDT
Roger Schmidt, 52, war bis zum Sommer bei Guoan in Peking tätig. Abgesehen davon, dass seine Gehaltsvorstellungen aus der Zeit in China ziemlich überzogen sein dürften: Schmidt, der Bayer Leverkusen zweimal in die Champions League geführt hat, ist der vielleicht radikalste Vertreter der Gegenpressing-Schule. Für den Fußball, der ihm vorschwebt, wäre Herthas aktueller Kader nur bedingt gerüstet.

RALF RANGNICK

Einer nach dem anderen. Niko Kovac (r.) will nicht, dafür Ralf Rangnick?
Einer nach dem anderen. Niko Kovac (r.) will nicht, dafür Ralf Rangnick?Foto: Imago/opokupix

So richtig auf dem Markt ist Ralf Rangnick nicht. Der 61-Jährige verfügt noch über einen bis Mitte 2021 laufenden Vertrag mit der Red Bull GmbH, der er als Head of Sport and Development Soccer beratend zur Seite steht. Trotzdem wird Rangnick immer wieder ins Gespräch gebracht, wenn irgendwo ein spannender Trainerjob frei wird. Den Job bei Hertha dürfte er allerdings im Zweifel für nicht spannend genug erachten. Es ist bekannt, dass Rangnick ein Faible für England hegt und er sich diesen Lebenstraum gerne noch erfüllen möchte. Bei Hertha war Rangnick immerhin in ferner Vergangenheit schon einmal ein Kandidat für den Trainerposten. 2004 stand er auf der Shortlist des damaligen Managers Dieter Hoeneß, der sich am Ende aber für Falko Götz entschied.

GERARDO SEOANE
Der Schweizer Gerardo Seoane, 41, zählte bereits im Frühjahr zu den Kandidaten für die Nachfolge von Pal Dardai; eine Boulevardzeitung vermeldete sogar schon fälschlicherweise seine Verpflichtung. Für Hertha wäre es die Wiederholung des Modells Lucien Favre gewesen, der 2007 als Trainer des neuen Schweizer Meisters nach Berlin gekommen war. Auch Seoane hatte in seiner Heimat, mit Young Boys Bern, gerade den Titel geholt.

Doch angesichts der Aussicht, mit YB um die Qualifikation für die Champions League zu spielen, sagte er Hertha ab. „Ich bleibe hier“, verkündete Seoane. Die Bundesliga, so heißt es, soll er durchaus interessant gefunden haben – nur eben Hertha mit deren eingeschränkten Möglichkeiten nicht. Aber das hat sich durch den Einstieg von Investor Windhorst ja geringfügig geändert. Und statt der Champions League ist es für Bern auch nur die Europa League geworden.

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