Kolumne Tour de France : Croissants gibt es nur als Belohnung

Der Koch der deutschen Frauen-Nationalmannschaft hat, was das Essen angeht, nicht immer das letzte Wort. Dank der Bundestrainerin Voss-Tecklenburg.

Hungrig. Torhüterin Almuth Schult hält noch nicht den Titel in den Händen.
Hungrig. Torhüterin Almuth Schult hält noch nicht den Titel in den Händen.Foto: dpa

Das Problem mit dem Brot kennt wohl jeder. Klar, in anderen Ländern der Welt gibt es sicher besseres Essen als in der deutschen Küche. Aber nirgendwo ist das Brot so lecker, so sättigend, so kraftvoll wie in Deutschland. Und wenn Deutsche auf Reisen gehen, so fehlt ihnen, natürlich, das Brot. Genauso geht es jetzt den Nationalspielerinnen bei der WM in Frankreich. „Franzosen können das einfach nicht“, sagt Hannes Flade. Er ist der Koch der deutschen Nationalmannschaft. Deshalb schickt ihm ein Bäcker aus dem fränkischen Dachsbach einmal die Woche ein Paket mit dunklem Sauerteigbrot nach Frankreich – Maximalgewicht, 10 bis 15 Kilo.

Flade backt das Brot dann für die Spielerinnen auf. Der 29-jährige Koch und Ernährungsberater hat bereits in Restaurants in Australien und den USA gearbeitet und lebt nun in Mainz. Seit 2015 ist er für die deutsche Nationalmannschaft zuständig und war schon bei der vorherigen WM in Kanada dabei. Damit ist er, was Weltmeisterschaften betrifft, erfahrener als viele Spielerinnen im deutschen Kader.

Alleine für 23 Spielerinnen und den Betreuerstamm zu kochen, schafft Flade nicht. Daher reicht er Rezepte an die Küche des Hotels in Lille weiter, wo die deutschen Spielerinnen zurzeit wohnen. Und die Köche haben gut zu tun: Beim Mittagessen am Montag konnten die Spielerinnen zum Beispiel aus Ratatouille mit Gnocchi, Bachsaibling, Rinderfilet und Ofengemüse mit Kräuterquark wählen. Zum Nachtisch gab es Tiramisu. Den Spielerinnen scheint es zu schmecken. Zumindest lobte Torhüterin Almuth Schult das Essen gegenüber der ARD als „perfekt“.

Auch an Spieltagen ist Flade im Einsatz. Vor dem Anpfiff stellt er noch stärkende Kleinigkeiten wie Trockenobst in die Kabine. Und im Anschluss mixt er für alle Spielerinnen ein Getränk – den „Regenerations-Shake“, wie ihn Flade nennt. Nach dem Spiel gegen die hart einsteigenden Chinesinnen hatten den bestimmt einige aus dem deutschen Team nötig. Und wenn es auf Reisen geht, lässt Flade Bulgursalat und Brote vorbereiten – dunkle Sauerteigbrote natürlich. „Das ist schon ein Unterschied zu belegten Baguettes“, sagt Flade.

DFB-Frauen haben schon Kochkurs hinter sich

Er ist also während des Turniers immer dabei. Doch dem Koch ist wichtig, dass die Spielerinnen nicht nur gesund essen, wenn er die Hoheit über ihre Verpflegung hat. „Es bringt nichts, sich zwei Wochen lang gesund zu ernähren und ansonsten Fast Food zu essen“, sagt Flade. Um den Spielerinnen gewisse Tipps für die richtige Verpflegung zu geben, hat er mit ihnen einen Kochkurs gemacht.

Im Team. Hannes Flade ist der Koch der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.
Im Team. Hannes Flade ist der Koch der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.Foto: Schreiner

Schließlich hat die Ernährung auch Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit. Flade sagt, man könne mit Essen sogar Einfluss auf den Genesungsprozess von verletzten Spielerinnen zu nehmen – wenn auch nur in geringem Maß. Dabei sei aber eine enge Absprache mit den Ärzten notwendig. Auch Flade hatte keine Chance, die angeschlagene deutsche Spielmacherin Dzsenifer Marozsan fit für das Spiel gegen Spanien zu machen. Sonst wäre nach einem Tor der „Cooking-Jubel“ angebracht, den der Basketballer James Harden und Bayern-Spieler Serge Gnabry geprägt haben.

Zurück zur französischen Küche: Nirgendwo in Deutschland gibt es so leckere Croissants und andere süße Teilchen wie in Frankreich. Doch davon kriegen die Spielerinnen nicht viel mit. „Croissants gibt es nur mal punktuell“, sagt Flade. Er sucht gezielt nach Zeitfenstern, wo solche Highlights in den Speiseplan eingebaut werden können. „Vielleicht gibt es nach dem dritten Gruppenspiel ein Goodie“, verrät der Koch. Denn danach hätte das deutsche Team fünf Tage Pause bis zum Achtelfinale – wenn das Weiterkommen gelingt. 

Ganz autonom stellt Flade die Essenspläne übrigens nicht zusammen. Bei manchen Dingen spricht er sich mit der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ab. Aus seiner Erfahrung weiß Flade, dass einige Trainerinnen nämlich nach den Spielen Pommes oder anderes Fast Food für ihre Spielerinnen wünschen – zur Belohnung. Voss-Tecklenburg möchte das bislang nicht. Doch gegen ein paar Croissants am Morgen nach einer erfolgreich abgeschlossenen WM-Gruppenphase wird wohl auch die Bundestrainerin nichts einzuwenden haben.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!