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Mögliche Manipulation von Doping-Daten : Russland erhält drei Wochen, um auf Vorwürfe zu antworten

Die Welt-Anti-Doping-Agentur gibt Russland Zeit für die Aufklärung. Deren Schicksal entscheidet sich nicht vor der Leichtathletik-WM in Doha.

Bekanntes Bild. Doch: Russland könnte von Olympia in Tokio ausgeschlossen werden.
Bekanntes Bild. Doch: Russland könnte von Olympia in Tokio ausgeschlossen werden.Foto: Hannibal Hans/dpa

Die Welt-Anti-Doping-Agentur setzt Russland unter Druck: Innerhalb von drei Wochen müssen die Verantwortlichen in dem Land auf die jüngsten Vorwürfe zu Manipulationen im Moskauer Dopinglabor antworten. „Die Wada hat die russische Seite dazu aufgefordert, in dieser Zeit Erklärungen zu den angeblichen Unregelmäßigkeiten im Moskauer Labor abzugeben“, sagte der Chef des Aufsichtsgremiums der russischen Anti-Doping-Behörde Rusada, Alexej Iwljew, am Montag der Agentur Interfax.

„Sollte sich bewahrheiten, dass gefälschte Daten aus dem Moskauer Labor an die WADA übermittelt wurden, dann hat der russische Sport jegliches entgegengebrachte Vertrauen verspielt“, sagte Andrea Gotzmann, die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping- Agentur, der dpa.

Der Rusada und dem russischen Sportministerium seien Kopien der Berichte der Wada und von unabhängigen Experten zur Verfügung gestellt worden, teilte die Wada-Exekutive nach ihrer Sitzung in Tokio mit. In den Dokumenten seien „die fraglichen Widersprüche aufgeführt. Sie erhielten drei Wochen Zeit, um ihre Kommentare abzugeben, zusammen mit Antworten auf eine Liste mit spezifischen Fragen“, heißt es in dem Statement. Allerdings hat es laut Wada auch „gute Fortschritte“ bei der Analyse der Moskauer Labordaten gegeben: „Bislang wurden bereits 47 Fälle identifiziert und Beweispakete an die zuständigen internationalen Sportverbände übermittelt.“

Wenn sich der Fälschungsvorwurf erhärten sollte, droht der Rusada eine erneute Suspendierung. Nach einer dreijährigen Sperre hatte die Wada den Bann am 20. September 2018 aufgehoben - mit der Auflage, dass Russland die Doping-Daten und -Proben aus den Jahren 2012 bis 2015 an die Wada übergibt. Dies ist aber erst nach einigem Zögern geschehen. Der russische Sportminister Pawel Kolobkow betonte, ausländische wie russische Experten würden in dem Fall zusammenarbeiten. „Wie werden weiterhin alles machen, um jede Unterstützung von unserer Seite zu garantieren“, sagte er.

Bei der WM (27. September bis 6. Oktober) dürfen auf jeden Fall aber 29 Leichtathleten aus Russland unter neutraler Fahne an den Start gehen. Diese Regelung gilt seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro auch für andere internationale Wettkämpfe wie WM und EM. Iwljew betonte, es sei noch zu früh, um über mögliche Folgen für die Teilnahme russischer Athleten an den Olympischen Spielen 2020 zu spekulieren. Auch der Kreml reagierte zurückhaltend. „Die Wada hat eine Reihe von Fragen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Jetzt müssen wir einfach warten.“

Druck auf IOC-Präsident Thomas Bach

Auch das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF beriet am Montag in Doha/Katar über die seit November 2015 bestehende Suspendierung des russischen Verbandes. Dass die Sperre vier Tage vor Beginn der Weltmeisterschaften in Doha aufgehoben wird, ist zu bezweifeln. Die jetzt getroffene Entscheidung der WADA wird sicher Einfluss auf das Urteil der IAAF-Exekutive haben.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte sich in dem vor sechs Tagen veröffentlichten Jahresbericht 2018 noch für die Krisenstrategie im Umgang mit Russland gelobt. „Wir können mit Stolz sagen, dass es ein Jahr war, in dem eine lange Sackgasse in Bezug auf die russische Dopingkrise durchbrochen wurde“, schreiben Wada-Präsident Craig Reedie und sein Generaldirektor Olivier Niggli im Vorwort des Reports.

Das russische Fachblatt „Sport-Express“ kommentierte am Wochenende mögliche Gefahren neuer Enthüllungen. Zu einem Ausschluss von den Olympischen Spielen in Japan dürfte es nicht kommen, meinte die Zeitung. „Das IOC will wohl kaum neue größere Auseinandersetzungen“, kommentierte der leitende Redakteur Oleg Schamonajew.

Trotzdem werde es Druck auf IOC-Präsident Thomas Bach geben. „Das Jahr bis Tokio wird nervenaufreibend“, meinte er. „Vor allem könnte es einen neuen Schlag gegen unseren Ruf geben.“ Wenn es neue Vorwürfe gebe, erschwere das die Verhandlungen mit internationalen Sportfunktionären.

Im Kern gehe es hier aber um eine Angelegenheit zwischen Russland und der Wada. Die Russen setzen demnach darauf, dass es bei der Wada nun einen Führungswechsel gibt – Reedie wird Ende des Jahres von dem Polen Witold Banka abgelöst - und dort keiner Interesse an einem neuen Konflikt mit Russland habe. Neue Strafen könne es lediglich noch gegen einzelne Sportler, aber nicht mehr gegen das ganze Land geben, meinte Schamonajew. Dass es „hysterische Angriffe“ gegen Russland geben würde vor Olympia, sei zu erwarten gewesen.

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