Offener Brief eines Fans an Werder Bremen : „Bitte steigt einfach ab!“

Das 0:5 gegen Mainz 05 ist für die langjährige Werder-Anhängerin ein absoluter Tiefpunkt. Ein offener Brief an die Bremer Mannschaft.

Zum Verstecken. Die Bremer Maximilian Eggestein (links) und Davy Klaassen sind geschockt.
Zum Verstecken. Die Bremer Maximilian Eggestein (links) und Davy Klaassen sind geschockt.Foto: imago images/Nordphoto/Imago

Liebes Team von Werder Bremen,

ein „noch tieferer Tiefpunkt“ war nun das 0:5 gegen Mainz am Dienstag. Bitte steigt einfach ab. Am besten sofort, vor der Weihnachtspause. Dann produziert Ihr keine Reisekosten mehr. Es ist wie in einer sich dahinschleppenden Beziehung, dieses ewige Hoffen, dass es bald besser wird, macht es noch schlimmer.

Das erste Mal, dass ich eine Ahnung davon bekam, dass die goldenen Jahre mit Euch vorbei sein können, war am 20. Mai 2009, Uefa-Cup-Finale gegen Donezk: 1:2 verloren: Unter meinem Werder-Trikot zeichnete sich deutlich ein Bauch ab. Meine Tochter ist jetzt 10 (!).

Nach der Steuer-Identifikationsnummer, war der zweite Brief, den sie kurz nach ihrer Geburt bekam, die Werder-Bremen-Mitgliedschaft. Das Kind kennt Euch nur am Rande des Abstiegs.

Aber statt sich irgendeinem Geldsack-Verein an den Hals zu werfen, binden wir uns jeden Spieltag unsere dämlichen Werder-Schweißbänder um, in der Hoffnung, dass sie Glück bringen. Dann streifen wir sie ab – ebenfalls in der Hoffnung, dass DAS vielleicht Glück bringt.

Unter fadenscheinigen Behauptungen sage ich Termine und Verabredungen ab, damit ich samstags um 15.30 Uhr dank Katrin R. auf Sky Go umständlich auf dem IPad Eure Spiele sehen kann.

Manchmal lüge ich, damit ich irgendwo schneller wegkomme, weil Spieltag ist. Beziehungen sind (auch) Euretwegen auseinandergegangen. Ich versuche Menschen, die den HSV lieben, zu meiden. Um ehrlich zu sein: Ich weiß gar nicht mehr, wie ich dem Kind das alles erklären soll.

In der Hoffnung auf einen Neuanfang,

alles Gute!

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!