Paralympics in Pyeongchang : Schaffelhuber vs Forster - das wird ein Rennen

Vor vier Jahren holte Anna Schaffelhuber fünf Goldmedaillen bei den Winterspielen in Sotschi. In Südkorea kommt die größte Konkurrentin mit Anna-Lena Forster nun aus den eigenen Reihen.

Die Vielseitigste. Anna Schaffelhuber gilt in Pyeongchang als die große Favoritin.
Die Vielseitigste. Anna Schaffelhuber gilt in Pyeongchang als die große Favoritin.Foto: Ralf Kuckuck/DBS-Akademie

Vor vier Jahren in Sotschi räumte Anna Schaffelhuber alles ab – fünf Starts, fünf Goldmedaillen, in jeder Alpin-Disziplin eine. Die querschnittgelähmte Monoskifahrerin wurde in Russland zum Gesicht der Winterspiele. Das Internationale Paralympische Komitee zeichnete sie nach ihrem Triumph als weltbeste Sportlerin aus. Bei den diesjährigen Wettkämpfen, die ab Samstag im Jeongseon Alpine Centre ausgetragen werden, will die 25-Jährige erneut angreifen.

Anna-Lene Forster aus Team D kann ihr besonders gefährlich werden

Doch ausgerechnet aus dem deutschen Ski-Alpin-Team kann ihr dabei eine besonders gefährlich werden: Anna-Lena Forster – damals in Sotschi mit ihren 18 Jahren noch das Nesthäkchen im Team. Dass sie bei ihrer Paralympics-Premiere vor vier Jahren dennoch zwei Silber- und eine Bronzemedaille gewann, hätte die Monoskifahrerin vom BRSV Radolfzell vorher nie erwartet. Inzwischen hat sich Forster einen festen Platz in der Weltspitze erarbeitet. Die Goldmedaille, zumindest im Slalom, ist ihr klar formuliertes Ziel. Dafür muss sie aber erst ihr ehemaliges Idol Anna Schaffelhuber bezwingen.

Vor vier Jahren hieß es noch: Dabei sein ist alles

Vor vier Jahren war Forster mit ihrer „Dabei sein ist alles“-Mentalität keine wirkliche Konkurrenz für die Favoritin und hinter Schaffelhuber die klare deutsche Nummer zwei. „Anna war anfangs mein Vorbild. Ich musste mich erst einmal herankämpfen, es hat mir enorm viel gebracht, dass wir zusammen trainiert haben und den gesamten Winter gemeinsam unterwegs waren“, sagte Forster zuletzt in einem Gespräch mit dem Deutschen Behindertensportbund. Es sei aber auch nicht immer einfach gewesen, nur im Schatten zu stehen und stets die zweite Geige zu spielen. Und schließlich sei es so: „Am Hang kämpft jeder für sich.“ Und das Idol wurde auf der Piste zum Gegner.

Von Bronze zu Gold? Anna-Lena Forster (r.) will mehr.
Von Bronze zu Gold? Anna-Lena Forster (r.) will mehr.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Forster und Schaffelhuber treten in der Klasse „sitzend“ an

Also hieß es für Forster: So hart trainieren wie nie. Mit der bisherigen Saison ist die Psychologie-Studentin trotz schwieriger Wetterbedingungen mit zu viel Schnee und schlechter Sicht sehr zufrieden. Bei den Paralympics gibt es im Ski Alpin für Frauen und Männer Wettkämpfe in fünf Disziplinen: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombi. Forster und Schaffelhuber treten in der Klasse „sitzend“ an. Weitere sind „sehbehindert“ und „stehend“. Slalom ist Forsters Paradedisziplin, hier feierte sie zuletzt zwei Weltcup-Siege. Der Slalom-Kurs erfordert kurze, schnelle Wendungen. Auch im Riesenslalom, der zweiten technischen Disziplin, verbesserte sich Forster. In den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G konnte sie Schaffelhuber bislang nicht einholen, Zeitrückstände aber verkürzen.

Im Slalom hat Forster die besten Chancen

Ob Anna Schaffelhuber trotzdem eine Wiederholung ihres Fünfer-Sieges gelingen kann? Sie weiß selbst, wie schwer das wird. Nach einem durchwachsenen Start in die Saison hat die Regensburgerin bei den letzten Wettkämpfen vor den Paralympics in Kanada in vier Rennen drei Weltcup-Siege eingefahren. Doch es sei schwieriger, sich an der Spitze zu halten, als an die Spitze zu kommen, hatte Schaffelhuber einmal gesagt. Trotzdem wird sie es fünf Mal versuchen, ganz vorne zu fahren.

Während Anna-Lena Forster ihr im Slalom gefährlich wird, ist die Österreicherin Claudia Lösch in den Speed-Disziplinen die wohl größte Konkurrentin. In Kanada schickte sie Schaffelhuber bereits auf einen der hinteren Plätze. Bei der Disziplin Super-Kombination, in der sich die Wertung aus Super-G- und Slalom-Läufen zusammensetzt, wäre es allerdings eine Überraschung, wenn jemand an Schaffelhuber vorbeizieht. Nur wer vielseitig ist, schafft es hier aufs Treppchen – und Schaffelhuber gilt als die vielseitigste Fahrerin im Weltcup. Aber eins ist sicher: Als klare Favoritin ist man auch die Gejagte. Zum Beispiel von der Japanerin Momoka Muraoka, die es auf eine Medaille in Südkorea abgesehen hat.

Die Pisten in Pyeongchang sind Anna-Lena Forster und Anna Schaffelhuber schon gut bekannt. Bei der Generalprobe vor rund einem Jahr holte das deutsche Ski-Alpin-Team fünf Mal Gold und jeweils vier Mal Silber und Bronze beim Gesamtweltcup. Schaffelhuber holte viermal Gold – im Slalom aber musste sie Forster weichen und sich mit Rang drei zufrieden geben. Es könnte eine kleine Vorschau gewesen sein, wie es ab diesem Wochenende wieder in Pyeongchang laufen wird.

Während der Paralympics wird der Tagesspiegel hier live bloggen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben