• Reaktion auf Fan-Krawalle im Eishockey: „Hooliganismus gegenüber haben wir null Toleranz“

Reaktion auf Fan-Krawalle im Eishockey : „Hooliganismus gegenüber haben wir null Toleranz“

Im Eishockey gab es zuletzt wiederholt Ausschreitungen von Fans. Auch Eisbären-Anhänger waren beteiligt. Dazu hat der Klub nun eine Erklärung abgegeben.

Eisbären-Fans stehen normalerweise für gute Stimmung und nicht für Randale.
Eisbären-Fans stehen normalerweise für gute Stimmung und nicht für Randale.Foto: dpa

Als die Fans die Halle verließen, stand die Polizei Spalier. Beinahe im Gänsemarsch mussten die Anhänger der Gäste ihren Weg zum Bahnhof in Angriff nehmen, aufmerksam beobachtet von den in voller Montur angerückten Beamten. Eishockey-Derbys zwischen Eisbären (anfangs noch als EHC Dynamo) und Preussen (später Capitals) galten in Berlin in den 1990er-Jahren eine Zeitlang als Risiko-Spiele, die zwar meistens friedlich verliefen, bei denen die Polizei aber sicherheitshalber Präsenz zeigte.

Gerade wenn die Dynamo-Fans in großer Zahl nach Charlottenburg pilgerten und dort in der Deutschlandhalle oder in der Jafféstraße für Stimmung sorgten, herrschte erhöhte Alarmbereitschaft. Umgekehrt trauten sich oft nur wenige Anhänger der Preussen nach Hohenschönhausen in den Wellblechpalast, erst recht seit es in der Saison 1990/91 nach handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Spielern auf dem Eis auch auf den Rängen ordentlich knallte. Fans hatten seinerzeit Feuerwerkskörper gezündet. 

Bei Eisbären-Spielen in der Arena am Ostbahnhof geht es auf den Rängen eher familiär zu

All das ist lange her, Berliner Derbys gibt es schon seit 2002 in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht mehr. Und wer heutzutage in die Arena am Ostbahnhof fährt, um dort ein Spiel der Eisbären zu verfolgen, wird Mühe haben, überhaupt einen Polizisten zu Gesicht zu bekommen. Der Sport mag hart sein, aber er gilt als absolut familientauglich. Angst vor Ausschreitungen muss normalerweise niemand haben.

Vor kurzem allerdings, genauer gesagt beim Heimspiel am 17. November gegen die Iserlohn Roosters waren statt der üblichen sechs Beamten plötzlich 60 im Einsatz. Mannschaftswagen fuhren vor, vereinzelt wurden Personalien aufgenommen. Das Aufgebot der Polizei wirkte fast ein bisschen surreal, der Grund wollte sich nicht ohne Weiteres erschließen. Passiert war weder vor, während oder nach dem Spiel etwas. 

Rund zehn Tage später veröffentlichte nun der Verein eine ausführliche Erklärung zu den Hintergründen des Einsatzes auf seiner Internetseite. Der nämlich hatte eine Vorgeschichte. Beim Gastspiel der Eisbären Wochen zuvor in Iserlohn sei es zwischen einigen Berliner Anhängern und gewaltbereiten Iserlohnern zu Auseinandersetzungen gekommen. Als „trauriges Kapitel“ bezeichnet der Klub die Aktion in seinem Statement. Sechs bundesweite Stadionverbote seien danach gegen EHC-Fans verhängt worden. Doch damit nicht genug. Die Eisbären erwähnen zwei weitere Vorfälle, bei denen Berliner für Ärger gesorgt hätten. Bei einem Spiel in Crimmitschau und später sogar beim Duell der zweiten Eisbären-Mannschaft gegen Dresden im Wellblechpalast. 

Eishockey-Fans sind überwiegend friedlich, die Polizei ist nur selten gefordert

„Die Eisbären Berlin distanzieren sich klar und deutlich von dieser Art der 'Fankultur'. Hooliganismus gegenüber haben wir null Toleranz“, heißt es in der Erklärung des Vereins. Der Klub will mit seiner ausführlichen Stellungnahme unmissverständlich klar machen, dass es Grenzen gibt, die eingehalten werden müssen. Dabei ist auch den Verantwortlichen klar, dass unter den Problemfans häufig gar keine echten Anhänger der Mannschaft vertreten sind. Wo der Adrenalinpegel hoch ist, sinkt auch die Schwelle zur Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen, die ansonsten völlig vernünftig sein mögen. Gerade in der Ultraszene, die es auch im Eishockey gibt. 

Zu sehen war das auch schon an anderen DEL-Standorten. Zuletzt sorgen Anhänger der Schwenninger Wild Wings mit Becherwürfen in Nürnberg dafür, dass die Ice Tigers ein generelles Verbot für Getränkebecher im Gästeblock verhängten. Deutlich dramatischer ging es 2017 in Straubing zu, als ein vermummter Mob von Fans des ERC Ingolstadt durch die Innenstadt zog und Streit mit Anhängern des Heimteams suchte. In der Folge wurden 51 Stadionverbote ausgesprochen, das machte im vergangenen Jahr rund zwei Drittel aller gleichgelagerten Strafen in der Liga aus.

In der DEL 2 kam es erst am Dienstagabend zu schweren Krawallen. Fans des EV Landshut wollten den Gästeblock des EV Ravensburg stürmen. Die Anhänger sollen vermummt gewesen sein. Die Polizei wurde im Vorfeld gewarnt und setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Aus beiden Lagern sollen etwa 40 Personen beteiligt gewesen sein. Ein Polizeisprecher sagte laut „Landshuter Wochenblatt“: „Die hatten kein Interesse an Eishockey, sondern nur an Gewalt.“ Und in der Champions Hockey-League wurden jüngst beim Duell der Augsburger Panther gegen den Schweizer Vertreter EHC Biel sogar vier Einsatzkräfte von Gästeanhängern angegriffen und verletzt.

Das ist eine neue Entwicklung, die so gar nichts mit den eher moderaten Zahlen der Vergangenheit zu tun haben. Eishockeyfans gelten als überwiegend friedlich. Nach Meinung der Eisbären hat die Diskussion auch noch eine andere Seite. Beim jüngsten Einsatz im Zuge des Iserlohn-Spiels sei die Polizei etwas zu martialisch aufgetreten, kritisierte der Verein in seinem Statement: „Die Eisbären Berlin haben bereits während dieser Maßnahme erklärt, dass sie mit der Art und Weise der Durchführung in keiner Form einverstanden sind. Folgende Auswertungsgespräche mit den zuständigen Behörden werden dazu dienen, diesem Unverständnis erneut Ausdruck zu verleihen.“ 

Für das Spiel am Freitag bei den Krefeld Pinguinen (19.30 Uhr/Magentasport) erwarten die Verantwortlichen der Berliner eine ganze normale Auswärtsfahrt. Einige hundert Eisbären-Fans werden dann wieder dabei sein, besondere Vorkommnisse befürchtet niemand, zumal die Anhänger beider Lager in der Vergangenheit ohnehin ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegten.

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