• Rugby-Weltverband in der Kritik: „Trans Frauen sind keine Gefahr für cis Frauen“

Rugby-Weltverband in der Kritik : „Trans Frauen sind keine Gefahr für cis Frauen“

Trans Frauen sollen nach Vorschrift des Weltverbandes vom Rugby ausgeschlossen werden. Dagegen wehren sich Vereine und Verbände – auch in Berlin.

Gestoppt: Im Frauen-Rugby ist nach Willen des Weltverbandes kein Platz mehr für Trans Frauen.
Gestoppt: Im Frauen-Rugby ist nach Willen des Weltverbandes kein Platz mehr für Trans Frauen.Foto: Sylvain Thomas/AFP

Rugby soll ein Sport für alle sein, heißt es auf der Website des Weltverbandes World Rugby. Für trans Frauen in Frauenmannschaften ist das anscheinend nicht mehr aktuell. Auf der Website steht noch: „Inklusion ist ein selbstverständlicher Teil unserer Arbeit und muss es auch bleiben, nicht nur für das Wachstum des Sports, sondern auch um die Werte von Rugby zu erhalten.“ Jede Person solle – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder Religion – die Möglichkeit haben, ein Teil davon zu sein.

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, könnten trans Frauen durch den Weltverband zukünftig vom Rugby ausgeschlossen werden. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken, schreibt die Zeitung unter Berufung auf ein 38-seitiges Dokument der „transgender working group“ des Verbandes.

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Darin steht, dass es ein „20 bis 30 Prozent höheres Risiko“ von Verletzungen gäbe, wenn eine cis Frau, also eine Frau, die sich mit dem ihr bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert, während eines Spiels von einer trans Frau attackiert würde. Laut Verband haben trans Frauen signifikante physische Vorteile gegenüber cis Frauen und seien stärker, schwerer und schneller.

Bisher galten beim Rugby die Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): Trans Frauen dürfen Rugby spielen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ihre Testosteronwerte in den vergangenen zwölf Monaten nachgewiesenermaßen niedrig waren.

Das geplante Verbot steht nun in der öffentlichen Diskussion. In einem Interview mit BBC Sports bezeichnete Nicola Williams, Leiterin der Frauenrechtsgruppe „Fair Play for Women“ die Position von World Rugby als „bahnbrechend“. „World Rugby sollte für den Mut und die Integrität, dieses Thema in Angriff zu nehmen und einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zu verfolgen, gelobt werden“, sagte sie dem britischen Nachrichtensender.

„Eine Ausgrenzung von trans Frauen ist diskriminierend“

Zugleich kritisieren zahlreiche prominente Persönlichkeiten und Organisationen das geplante Verbot. Der Dachverband „International Gay Rugby“ forderte World Rugby dazu auf, die geplante Änderung zu verwerfen, und richtete sich mit den Worten: „Ihr werdet immer willkommen sein, Rugby zu spielen“ an die trans und nicht-binäre Rugby-Community.

Die ehemalige Rugbyspielerin und trans Frau Caroline Layt sagte der Sportzeitung „Outsports“: „Ich habe Rugby mit und gegen cis Frauen gespielt, die viel größer und stärker waren als ich.“ Das Argument der Größe beziehungsweise Stärke werde zwar häufig gegen trans Frauen verwendet, sei allerdings nur eine von mehreren Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Rugbyspielerin zu werden.

Gemeinsame Sache: Bei den Berlin Bruisers wird der Beschluss des Rugby-Weltverbandes kritisch gesehen.
Gemeinsame Sache: Bei den Berlin Bruisers wird der Beschluss des Rugby-Weltverbandes kritisch gesehen.Foto: IPON/Imago

Nun setzen sich auch deutsche Rugbyvereine gegen das geplante Verbot zur Wehr. Die Deutschen Rugby-Frauen (DRF) lehnen den Ausschluss von trans Frauen ab: „Wir wollen inklusiv bleiben und somit den Werten des Rugbyspiels folgen. Rugby lebt davon, Frauen mit verschiedenen Körperstrukturen zu haben, und eine Ausgrenzung von trans Frauen aufgrund der vermuteten größeren Muskelmasse ist nicht inklusiv, sondern diskriminierend.“

Auch Alex Craddock, Präsident des Rugbyvereins Berlin Bruisers, ist gegen ein Verbot. Er sagte: „Als die Berlin Bruisers von dem geplanten Ausschluss von trans Frauen hörten, waren wir geschockt.“ Viele Spielerinnen und Spieler hätten sich gerade wegen der Wertekultur von gegenseitiger Akzeptanz und Vielfalt für den Teamsport entschieden. Außerdem spiegle die Vielfalt der Mitglieder im Verein die ebenso vielfältige Bandbreite an Spielpositionen und Fähigkeiten auf dem Spielfeld wider.

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„Trans Frauen sind keine Gefahr für cis Frauen“, findet Jan Suren Möllers, Mitglied der Berlin Bruisers. „Im Gegenteil: Trans Frauen und Mädchen brauchen in einer Gesellschaft, die Frauenkörper normiert und bewertet, unsere ganze Unterstützung und Ermutigung, stark und sportlich sein zu können.“

Gemeinsam mit mehr als 20 weiteren Rugbyklubs und Rugbymannschaften haben die Bruisers deshalb ein Schreiben an den Deutschen Rugby-Verband (DRV) unterzeichnet, damit dieser sich gegen den Ausschluss von trans Frauen stellt. „Trans Frauen sind im Rugby immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, aber eigentlich war Rugby auf einem guten Weg – dachten wir zumindest“, sagte der Vorstand des Vereins.

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