Stabhochsprung-Star beim Istaf in Berlin : Armand Duplantis ist der Überflieger

Im vergangenen Jahr triumphierte Duplantis bei der EM in Berlin und überquerte gleich zweimal die sechs Meter. Das will er beim Istaf wieder schaffen.

Der Schwede Armand Duplantis gilt mit seinen erst 19 Jahren schon als weltbester Stabhochspringer.
Der Schwede Armand Duplantis gilt mit seinen erst 19 Jahren schon als weltbester Stabhochspringer.Foto: AFP

Wolf-Dieter Poschmann, ein Faktotum in der deutschen Sportmoderation, kündigt ihn an: „Einen Mann, einen Burschen kann man auch sagen.“ Poschmann meint damit Armand Duplantis. Der wiederum gibt bei der Pressekonferenz am Freitag in Berlin seinen Sitznachbarinnen artig die Hand und strahlt bis über beide Ohren. Es könnte daran liegen, dass er in Erinnerungen schwelgt. Im Berliner Olympiastadion, wo am Sonntag das Leichtathletik-Meeting Istaf stattfindet (Beginn der Schulstaffeln ab 13.10 Uhr), hat Duplantis mit dem EM-Sieg 2019 seinen größten Erfolg gefeiert.

Es könnte aber auch daran liegen, dass die jungen deutschen Leichtathletinnen Gina Lückenkemper und Malaika Mihambo neben ihm sitzen. Aber was heißt schon jung. Armand Duplantis, von allen nur Mondo genannt, ist der Jüngste bei der Pressekonferenz, er ist gerade einmal 19 Jahre alt. Er ist nicht besonders groß, etwas schmalbrüstig und der Bursche hat gewiss das Antlitz des Spitzbübischen. Auf den ersten Blick wirkt er fehl am Platz neben den Größen der deutschen Leichtathletik. Doch dieser Blick täuscht.

Es gibt derzeit keinen anderen Sportler in der olympischen Kernsportart, der in diesem Alter solche Leistungen vollbringt. Duplantis ist vermutlich jetzt schon der beste Stabhochspringer der Welt. Im vergangenen Jahr übersprang er bei seinem EM-Triumph in Berlin die magische Sechs-Meter-Marke gleich zwei Mal. „Dieser Abend wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben“, sagt er dem Tagesspiegel.

Das trifft wohl auch für seine Kontrahenten wie den Weltrekordhalter Renauld Lavillenie zu. Ein Poster des Franzosen hatte viele Jahre das Kinderzimmer des 13 Jahre jüngeren Duplantis geziert. Nun hatte er an jenem lauen Sommerabend im August sein Idol geschlagen. Der Triumph des Teenagers kam überraschend für die 43.000 Zuschauer. Für Experten wie den deutschen Stabhochsprung-Bundestrainer Andrei Tivontschik war es nur eine Frage der Zeit, wann Duplantis die Spitze angreifen würde. Einfach deshalb, weil Duplantis schon zu Kinder- und Jugendzeiten sämtliche Rekorde übersprang.

„Er ist ein unglaublicher Springer“, sagt Tivontschik. Er glaubt, dass es bei Duplantis „mal über 6,20 Meter gehen kann, wenn er seine jugendliche Verrücktheit nicht verliert“. Anhand der Leistungskurve der vergangenen Jahre ist dies keine gewagte Behauptung. Wenn nichts schiefläuft, wird der Stabhochsprung in wenigen Jahren nicht mehr automatisch mit Sergej Bubka assoziiert. Der Ukrainer hatte in den Achtzigern und Neunzigern von Meeting zu Meeting mehr Höhe auflegen lassen und war einen Weltrekord nach dem anderen gesprungen. „Natürlich kann Duplantis besser werden als Bubka“, sagt Tivontschik. Offenbar sind auch die Sponsoren davon überzeugt. Nachdem der Sprinter Usain Bolt vor zwei Jahren zurückgetreten war, begab sich dessen Sponsor auf die Suche nach neuen Gesichtern. Eines davon ist Armand Duplantis.

Vater Stabhochspringer, Mutter Siebenkämpferin

Er bekam das Talent und die Freude an der speziellen und schwierigen Disziplin in die Wiege gelegt. Duplantis wuchs in Lafayette auf, einer Stadt im US-amerikanischen Bundesstaat Louisiana. Schon als kleines Kind übte er mit einem Besenstiel im Wohnzimmer. Mit sieben Jahren sprang er erste Rekorde. Aber nicht nur Talent und Freude machten ihn zu einem großen Springer. Wie bei vielen außergewöhnlichen Sportlern profitierte Duplantis von der Förderung durch seine Eltern.

Sein Vater Greg war professioneller Stabhochspringer, seine Mutter Helena eine erfolgreiche Siebenkämpferin für Schweden. Wegen der Herkunft seiner Mutter startet Duplantis für Schweden. Die Förderung ging sogar so weit, dass Greg und Helena Duplantis für ihren Sohn eine Hochsprunganlage nur wenige Meter entfernt vom Elternhaus errichten ließen. „Meine Eltern sind alles für mich“, sagt Duplantis. „Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich bin.“ Unter diesen Bedingungen wuchs schnell ein Gigant im Hochsprung heran.

Duplantis springt anders als die Konkurrenten. Er benutzt einen längeren und härteren Stab aus Glasfaser. Sein Vater und Trainer erzählte der „New York Times“ einmal, was der Effekt des harten Stabes ist. Es sei wie mit einer Erbse auf einem Löffel. „Man kann die Erbse umso weiter spicken, je härter der Löffel ist.“ Bundestrainer Tivontschik ist zudem aufgefallen, dass Duplantis im Gegensatz zu allen anderen Athleten den Stab schon einen Meter vor dem Einstiegskasten am Boden schleifen lässt: „Er hat trotzdem keinen Geschwindigkeitsverlust.“

Duplantis verfügt sogar über eine enorme Grundschnelligkeit. Bei einer 4x100-Meter-Staffel ist er mit 10,55 Sekunden gestoppt worden. „Die Geschwindigkeit ist der wichtigste Teil in meinem Sprung. Deswegen ist das Olympiastadion mit der schnellen Bahn ein spezieller Ort für mich“, sagt er. Der eigentliche Trick ist dabei, dass möglichst wenig Geschwindigkeit beim Übergang in den Sprung verloren geht. „Duplantis bekommt das sehr gut hin“, sagt Tivontschik.

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Am Sonntag konkurriert Duplantis nun mit den Sechs-Meter-Springern Sam Kendricks (USA) und Piotr Lisek (Polen) um den Sieg. „Ich will, dass wir Stabhochspringer eine richtig große Show abliefern“, sagt er. Es dürfte also mal wieder hoch hinausgehen im Olympiastadion.

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