Tennis Borussia : Geld ist nicht alles

Dass es Tennis Borussia noch gibt, verdankt der Klub dem Engagement seiner Fans. Ihre Leidenschaft für den Klub ist wertvoller als ein Investor. Ein Kommentar.

Sie zählen: Tebe-Fans im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.
Sie zählen: Tebe-Fans im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.Foto: imago/Sebastian Wells

In Düsseldorf fand dieser Tage der Sportbusinesskongress Spobis statt, bei dem die Branche Sport und Geld prominent vertreten ist und der von Jahr zu Jahr ein bisschen größer wird. Gleich zu Beginn der Veranstaltung hat die Deutsche Fußball-Liga ihren Anspruch formuliert, die Bundesliga zur beliebtesten Sportliga der Welt machen zu wollen. Und Ingo Schiller, der Finanzgeschäftsführer von Hertha BSC, verkündete, dass sein Klub in zwei Jahren 600 Millionen Euro wert sein werde. Es wäre eine Steigerung von 270 Prozent im Vergleich zum Januar 2015, als Hertha gezwungen war, aus finanziellen Gründen Anteile an einen Investor zu veräußern. Wer den Reden und Vorträgen beim Spobis folgt, der wird keinen anderen Eindruck gewinnen können als den, dass dem Fußball eine Ära ewigen Wachstums bevorsteht.

Es war nur zeitlich ein Zufall, dass der Berliner Oberligist Tennis Borussia parallel zum Spobis seine Mitgliederversammlung abgehalten hat. Der frühere Bundesligist, der seine Heimspiele im Mommsenstadion in der Regel vor knapp 500 Zuschauern austrägt, hat mit den Reichen und Superreichen auf den ersten Blick wenig gemein. Auf den zweiten sieht das schon anders aus. Die Ansicht, dass man im Fußball Geld verdienen kann, macht nicht an der Grenze zur Zweiten Liga Halt. Wer es mit seinen Mitteln nicht in die höchste Etage schafft, der versucht es eben ein paar Stockwerke tiefer – in der naiven Hoffnung, anschließend die Stufen nach oben im Laufschritt zu nehmen.

Der Berliner Fußball ist anfällig für überzogene Träume

Der Berliner Fußball ist in dieser Hinsicht besonders anfällig. Die Verheißungen der Metropole scheinen groß, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Aufmerksamkeit hingegen sind begrenzt. Wer zählt die Vereine, die angetreten sind, zur dritten Kraft hinter Hertha und Union aufzusteigen? Wenn es gut gelaufen ist, endeten solche Träume irgendwo im Mittelfeld der viertklassigen Regionalliga. Wenn nicht, dann droht – wie gerade erst bei Viktoria 89 – der sportliche und finanzielle Crash. Ein chinesischer Investor wollte Viktoria ganz groß rausbringen. Von echter Konkurrenz für Hertha war bereits die Rede. Doch wer einmal ein Spiel im beschaulichen Lichterfelde gesehen hat, der wundert sich über die grenzenlose Naivität, mit der sich Viktoria dem fremden Geldgeber an den Hals geworfen hat.

Aber warum sollte man aus dem Schaden anderer klug werden? Beim Berliner AK, der quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielt, will ein Investorenkonsortium groß einsteigen, und Berlin United, ein Kunstprodukt ohne emotionale Basis, strebt ebenfalls hoch hinaus. Genau wie Tennis Borussia. Der Klub hat zwei Insolvenzen hinter sich, weil er sich zweimal in die Abhängigkeit eines einzelnen Geldgebers begeben hat. Eine ähnliche Entwicklung fürchten kritische Mitglieder auch jetzt wieder. Der Hauptsponsor, Jens Redlich, hat sich erst zum Vorsitzenden wählen lassen und nun bei der Mitgliederversammlung die vereinsinterne Opposition komplett ausgeschaltet. Ohne Geld geht es eben nicht, sagen seine Unterstützer. Nicht mal in der Oberliga.

Tennis Borussia hatte eine Geschichte zu erzählen

All die geplatzten Träume im Berliner Fußball haben eins gemeinsam: Sie wurden von mehr oder weniger potenten Geldgebern befeuert. Tennis Borussia aber hatte darüber hinaus eine andere Geschichte zu erzählen. Dass der Verein überhaupt noch besteht, verdankt er seinen Fans, die nach der letzten Insolvenz rührend um dessen Überleben gekämpft haben – weil ihnen der Klub etwas bedeutete. Tennis Borussia, ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung jeglicher Art, hatte Fans, die ihren Klub selbst in der sechsten Liga leidenschaftlich begleitet haben. In einer Zeit, in der im Fußball immer öfter Kapitalgesellschaften gegeneinander spielen, ist TeBe dadurch zumindest noch ein Stück weit klassischer Verein geblieben, ein Verein im Sinne einer ideellen Heimat.

Im halbprofessionellen Berliner Fußball besaß Tennis Borussia damit ein Alleinstellungsmerkmal, oder wie man beim Spobis sagen würde: einen USP. Auch wenn das im Moment seltsam klingen mag: Auf Dauer kann das wertvoller sein als ein reicher Gönner, dem irgendwann das Interesse abhanden kommt oder das Geld ausgeht. Oder beides.

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