Finnisches Design : Stolz auf Handwerk

Das finnische Unternehmen Nikari wurde vor genau 50 Jahren gegründet und schreibt seitdem Designgeschichte. Ganz am Anfang stand damals ein Auftrag von Alvaro Aalto - heute entwerfen internationale Gestalter edle Möbel für die Traditionstischlerei.

Die "April Tables" von Alfredo Häberli.
Die "April Tables" von Alfredo Häberli.Foto: Nikari/ Studio Chikako Harada

Finnen verstehen etwas von Holz, schließlich haben sie ja reichlich davon, vor allem im Norden. Einer von ihnen ist Kari Virtanen, der 1948 in der westfinnischen Region Osterbotten geboren wurde und rasch das Handwerk des Möbelschreiners erlernte. Schon 1967 eröffnete er sein eigenes Studio Nikari und schaltete in der Lokalzeitung eine Anzeige: „Bereit, um bei allen Möbelschreinerprojekten mitzuarbeiten.“ Einer der ersten, der darauf reagierte, war der finnische Designer und Professor Kaj Franck, der neben Alvar Aaalto als einer der Pioniere des finnischen Nachkriegsdesigns gilt. Franck war ein Freund klarer geometrischer Formen und Dank seiner Fürsprache wurde Virtanen auch mit den anderen Größen des finnischen Designs bekannt, vor allem mit Alvar Aalto.

Als der den Auftrag für die neue Kirche von Seinäjoki bekommen hatte und dringend einen kompetenten Möbelschreiner für die Holzarbeiten brauchte, war Virtanen der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Aalto und Virtanen verstanden sich, fanden eine gemeinsame Sprache und der junge Möbelschreiner lernte von dem großen Designer und Architekten.

Tischgespräche: "Skandinavia Editable" von Claesson Koivisto Rune Architects.
Tischgespräche: "Skandinavia Editable" von Claesson Koivisto Rune Architects.Foto: Nikari/ Studio Chikako Harada

Nun feiert Nikari in diesem Jahr, im hundertsten Jahr der finnischen Unabhängigkeit, seinen 50. Geburtstag. Im Mittelpunkt steht dabei die zierliche Bank „Konstruktio Bench“ aus Vierkanthölzern. Sie ruht auf vier Beinen, die Sitzfläche scheint nur aufzuliegen und die Rückenlehne ist eine eckige Konstruktion, die der Linie der Sitzplatte folgt. Entscheidend war für Kari Virtanen die Entwicklung einer modernen stabilen Holzverbindung, die dieser auf den ersten Blick fragilen Konstruktion Stabilität verleiht und bei der Herstellung möglichst wenig Probleme aufwirft.

Das Holz wird in der Region geschlagen und gelagert

Die erste Idee zu diesem Möbel hatte Virtanen auf einer Reise nach Japan, wo die Kunst der Holzverarbeitung ganz Groß geschrieben wird. Mit am Entwurf beteiligt war die Textildesignerin Johanna Gullichsen, die ein möglichst flaches, aber bequemes Sitzpolster für die Bank entwerfen sollte. Dazu benutzte sie Baumwolle, Kokosfasern und Wolle. Das Muster ist dezent. Als kleiner Hingucker hat sie zwei Stoffriemen gefertigt, die wie per Gürtel das Polster auf der Bank fixieren – das gibt ihr eine etwas rustikale Anmutung. Ihre gewebten Stoffe zeichnen sich vor allem durch die eleganten geometrischen Dessins aus.

Stuhl und Sessel vereint: "December Chair" von Jasper Morrison und Wataru Kumano.
Stuhl und Sessel vereint: "December Chair" von Jasper Morrison und Wataru Kumano.Foto: Nikari/ Studio Chikako Harada

Ein weiteres besonderes Objekt aus der Nikari-Kollektion ist der „Skandinavia Editable“ von Claesson Koivisto Rune Architects aus dem Jahr 2015. Der Tisch ist aus massivem Holz gefertigt. Eine lange Planke liegt hochkantig eingelassen in zwei Seitenwände, die als Füße fungieren – darauf liegt die bis zu sechs Meter lange Platte. Er ist auch in „nur“ vier Meter Länge lieferbar. Er kann auch 80 beziehungsweise 130 Zentimeter breit sein. Bei den Dimensionen hängt viel von der Qualität des Holzes ab. Klimatisch muss das Holz Temperaturen zwischen minus 20 Grad und plus 20 Grad aushalten.

Zum Erfolg des Unternehmens trägt sein Material-Management bei. Das Holz wird in der Region geschlagen, gesägt, getrocknet und gelagert. So ist im Laufe der Jahre ein einzigartiges Lager entstanden, das in Finnland seinesgleichen sucht. In den letzten Jahren hat Nikari die Zusammenarbeit mit internationalen Designern gesucht. So haben Jasper Morrison und Wataru Kumano den „December Chair“ entworfen. Schlicht und edel wirkt dieses Zwischending aus Stuhl und Sessel, mit runden Beinen und einer Stoffbespannung.

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