Liebe auf den ersten Blick war es nicht

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Royale Hochzeit : Die Frau, die den Briten ihren König stahl
Edward und Wallis Simpson machten 1936 Urlaub in Kroatien.
Edward und Wallis Simpson machten 1936 Urlaub in Kroatien.Foto: picture alliance / dpa

Wallis, die in London lebte, war mit ihrem Ehemann angereist. Es war schon der zweite. Die 34-Jährige stammte aus Baltimore, aus einer durchaus angesehenen Familie. Nur war der Vater ein paar Monate nach ihrer Geburt an Tuberkulose gestorben und sie fortan auf die Gunst eines reichen Onkels und ihrer neuen Stiefväter angewiesen. Die finanzielle Schmach, ja, Not saß tief. Gearbeitet hat sie allerdings nie. Um unabhängig zu werden, heiratete sie früh, einen Alkoholiker, wie sich bald herausstellte, der zu gewalttätigen Ausbrüchen neigte. Er soll Wallis auch in Hongkong ins Bordell geschleppt haben, wo sie besagte Sexzaubertricks gelernt haben soll. Ehemann Nummer 2, der Geschäftsmann Mr. Simpson, war erheblich netter. Zwischen 1 und 2 ging sie mit Freunden auf Reisen.

Den ganzen Tag vor dem Country-House-Wochenende hatte Wallis „mit Haaren und Nägeln etc.“ verbracht, wie sie ihrer Tante schrieb. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, man flirtete, kam sich bald näher, sah sich immer häufiger, Mr. Simpson war oft dabei.

Die Hochzeit war eine traurige Angelegenheit

Für Edward war es mehr als Liebe, er vergötterte die schlagfertige, dominante Amerikanerin, klammerte sich regelrecht an sie. Wallis dagegen genoss das High-Society-Leben mit dem Prinzen, war aber nicht scharf darauf, ihn zu heiraten, ja, flehte ihn an, von diesem Plan und der Abdankung zu lassen. Ihr gefielen der Status Quo und der nette, unauffällige Mr. Simpson, an dem sie auch nach der Trennung noch hing, und der bald, um die Seifenoper komplett zu machen, Wallis’ älteste Freundin heiratete.

Die Hochzeit von „W.E.“, auf einem französischen Schloss im Juni 1937, war weit entfernt von dem rauschenden Fest, das am kommenden Wochenende auf Schloss Windsor gefeiert wird. Eine eher traurige Angelegenheit in kleinem Kreis. Kein einziges Mitglied der Königsfamilie war angereist. Am Morgen danach packte Wallis der Katzenjammer. Zumindest erzählte das der amerikanische Schriftsteller Gore Vidal, bekannt für seine böse Zunge; Wallis habe ihm ihr Leid geklagt: „Ich wachte auf, und da stand David mit seinem unschuldigen Lächeln und sagte: ,Und jetzt, was machen wir jetzt?’ Mein Herz sank. Hier war jemand, für den jeder Tag, sein ganzes Leben lang organisiert worden war, und nun war ich diejenige, die die Rolle der gesamten britischen Regierung übernehmen musste, indem ich versuchte, mir was für ihn zu tun auszudenken.“ Sie war gefangen – „Behind Closed Doors“, „Hinter verschlossenen Türen“, hat Hugo Vickers seine Biografie genannt. Die Ehe als trauriges Gefängnis.

Er wollte Frieden mit den Deutschen

Bruder Bertie, jetzt George VI., hatte für Edward den Titel des Duke of Windsor geschaffen. Wallis wurde Duchess, aber ohne die Ehre, wie ihr Mann, Königliche Hoheit zu sein. Ob diese Demütigung eine Idee des Königs gewesen war oder ihm eingeflüstert wurde, ist ungewiss. Klar ist nur, dass der scheue Stotterer nie hatte König werden wollen. Als er mit nur 56 Jahren starb und die junge Elizabeth auf den Thron steigen musste, lastete die Familie es Edward an, dem Fahnenflüchtigen, der seine Privatinteressen über die Pflicht gestellt hatte.

Dass seiner Frau nicht der nötige Respekt gezeugt wurde, konnte Edward nicht verwinden. So wenig wie die Tatsache, dass ihm die Aufgaben verwehrt blieben, die ihm, wie er fand, zustanden. Er hätte gern was Sinnvolles getan.

Edward hatte nämlich politische Interessen, eine Agenda: um jeden Preis einen zweiten Weltkrieg zu verhindern. Der Erste war das für ihn prägendste Erlebnis gewesen. Er wollte Frieden mit den Deutschen, denen er sich tief verbunden fühlte. Waren die britischen Royals nicht im Grunde alle Germanen? Edward sprach fließend Deutsch, während er auf Französisch nur radebrechen konnte, obwohl er die meiste Zeit nach seiner Abdankung in und um Paris lebte.

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