Sie tranken Tee mit Hitler

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Royale Hochzeit : Die Frau, die den Briten ihren König stahl
Sie hatte Stil. Die Duchess zählte zu den bestgekleideten Frauen der Welt und trug gern Dior & Co.
Sie hatte Stil. Die Duchess zählte zu den bestgekleideten Frauen der Welt und trug gern Dior & Co.Foto: imago/Unites Archives International

Noch in England hatte er in der Politik mitmischen wollen. Den Machthabern, sowohl in der Regierung wie in der Kirche, passte das nicht. Sie waren es, die Edward zum Rücktritt drängten. Einige Historiker glauben, dass Wallis Simpson nicht wirklich der Grund dafür war, sondern nur der willkommene Vorwand. Eigentlich könnten die Briten ihr dankbar sein. Gut möglich nämlich, dass Edward, wäre er King geblieben, sich auf Hitlers Seite geschlagen hätte.

1937 fuhren der Herzog und die Herzogin, glühende Antikommunisten mit antisemitischen und rassistischen Neigungen, die Nazis besuchen. Wie Staatsgäste wurden sie empfangen, das Volk jubelte ihnen zu, mit Hitler tranken sie Tee. Wie weit die Pläne des deutschen Diktators gediehen waren, Edward im Falle eines deutschen Sieges wieder als König zu inthronisieren, als seinen treuen Statthalter, gehört zu den vielen Ungewissheiten der Geschichte. Dass er es gern so gesehen hätte, steht fest. Der Herzog und die Herzogin galten für die Alliierten als unzuverlässig, wenn nicht gefährlich. Was sie wussten, erzählten sie weiter. Also schickten die Briten das Paar in die Ferne: 1940 wurde Edward zum Gouverneur der Bahamas ernannt.

Es war sein letzter offizieller Posten. Ein Pöstchen. Was blieb, war die Sehnsucht nach mehr. Dafür waren die Franzosen nett zu den beiden. Der Staat stellte ihnen eine Villa im Bois de Boulogne zur Verfügung, vor den Toren der Stadt hatten die Windsors noch eine Mühle. Ihre Nachbarn dort: Oswald Mosley, der ehemalige Faschistenführer Großbritanniens, und seine Frau Diana, die eine Biografie über Wallis schrieb. Auch diese beiden lebten in Frankreich quasi im Exil.

Beide achteten krankhaft auf ihre Figur

Nach außen hin ging das Leben fröhlich weiter. In den 50er, 60er Jahren waren der Duke und die Duchess beliebte Mitglieder des Jetsets, wurden wie Royals empfangen, in den USA zum Beispiel von Präsident Eisenhower. Ein fotogenes, elegantes Paar. Wenn Wallis etwas hatte, dann war es Stil. Für ein Kostümfest konnte sie sich schon mal als Tüte Zahnpasta verkleiden, ansonsten trug sie Dior & Co. Und beide arbeiteten hart an ihren androgynen Körpern. So gern sie Gesellschaften gaben – sie waren als großzügige Gastgeber für ihr gutes Essen bekannt –, achteten sie geradezu krankhaft auf ihre schlanke Figur. Der Herzog betrieb seit jeher exzessiv Sport.

Kinder hatten sie keine. Dafür Möpse. Kaum ein Foto des herzoglichen Paares, auf dem die Hunde nicht zu sehen sind, gern im Rudel an der Leine oder auf dem Schoß. Plötzlich wurden Möpse modern. In den 50er, 60er Jahren waren Edward und Wallis Trendsetter.

Die königliche Familie kam zu ihrer Trauerfeier

Und dann starb der Duke, 1972, an Kehlkopfkrebs. Zu seiner Beerdigung in England kamen Zehntausende. Wallis wurde körperlich schwach und dement. Sie siechte jahrelang vor sich hin, hinter verschlossenen Türen. Ihre Anwältin schirmte sie so energisch ab, dass es fast nach einer Gefangenschaft aussah. Die Juristin übernahm auch den Nachlass, spendete dem Institut Pasteur Millionen, obwohl Wallis nie als Wohltäterin bekannt gewesen war.

Erst als die Duchess tot war, kam die königliche Familie: zu ihrer Trauerfeier. Die ziemlich traurig gewesen sein muss. Auf Wunsch der Herzogin gab es keine Ansprache, kein Wort über ihr Leben, nicht mal ihr Name wurde erwähnt. Begraben wurde W. neben E. auf dem Friedhof von Schloss Windsor. Dort, wo am kommenden Wochenende Hochzeit gefeiert wird. Unwahrscheinlich, dass die Gäste über die beiden reden werden. In der Familie wird man nicht gern erinnert an sie.

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