Fintech „Weltsparen“ : Goldman Sachs investiert 25 Millionen Euro in Berliner Start-up Raisin

Das Fintech sucht seinen 185.000 Kunden weltweit Konten mit guten Zinsen. Die US-Investmentbank soll bei der Expansion nach Amerika helfen.

Die drei Raisin-Gründer Michael Stephan, Tamaz Georgadze und Frank Freund (v.l.).
Die drei Raisin-Gründer Michael Stephan, Tamaz Georgadze und Frank Freund (v.l.).

Es ist gerade einmal fünf Monate her, da durften sich Frank Freund, Tamaz Georgadze und Michael Stephan über eine Finanzierung von 100 Millionen Euro für ihr Start-up Raisin freuen. Nun kommt schon wieder frisches Geld dazu. Die US-Investmentbank Goldman Sachs steigt mit 25 Millionen Euro bei dem Berliner Fintech ein.

Die Beteiligung empfinde er als „eine enorme Bestätigung, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“, sagte Mitgründer Goergadze. 195 Millionen Euro hat Raisin somit insgesamt bisher eingesammelt – und gilt damit als eines des bestfinanzierten Fintechs des Landes.

In Deutschland firmiert das Unternehmen unter der Marke „Weltsparen“. Und es scheint mit seinem Geschäftsmodell einen Nerv getroffen zu haben in Zeiten, da der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei null oder vielleicht bald sogar darunter liegt. Denn das Start-up bietet seinen Kunden die Möglichkeit, ihr Geld weltweit auf Konten anzulegen, die höhere Zinsen abwerfen als das bei der Hausbank der Fall ist. Seit dem Launch Ende 2013 hat das Zinsportal über 14 Milliarden Euro Spareinlagen von über 185.000 Kunden aus ganz Europa vermittelt. Im Schnitt lagen die Zinsen für Raisin-Kunden bei 0,8 Prozent.

Goldman Sachs soll in den USA helfen

Doch 2020 will das Start-up auch in den USA starten. Da kommt der neue Partner aus New York wie gerufen. Deshalb soll das neue Eigenkapital – für das Raisin Anteile im niedrigen einstelligen Bereich abtrat – vor allem bei der Expansion helfen. „Wir wollen noch zwei weitere Märkte in diesem Jahr erschließen und zusätzlich in den USA starten“, sagte Mitgründer Freund im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Gerade in Amerika helfe die Erfahrung von Goldman Sachs.

Ihn habe überzeugt, dass Goldman Sachs mit seiner 150-jährigen Geschichte ein Experte auf dem Anlagenmarkt sei. „Die können uns auf einer partnerschaftlichen Ebene challengen“, sagt er in feinstem Start-up-Sprech. Abseits der Expansion soll das Geld in die Produkte fließen. Neben Festgeld- und Tagesgeldkonten bietet Weltsparen seit rund einem Jahr auch die Möglichkeit mit „Weltinvest“ in Anlageportfolios zu investieren.

„Dieses Programm wollen wir noch sehr viel größer machen und in den Kundenaufbau investieren“, kündigt Freund an. Auch weitere Finanzprodukte seien denkbar. „Wir können uns auch vorstellen, Vorsorgelösungen oder Anlagen über längere Laufzeiten anzubieten“ so Freund. Kreditvergabe oder kurzfristige Finanzierungen schließt er hingegen auch in Zukunft aus.

Raisin plant weitere Übernahmen

Im März dieses Jahres hatte Raisin für Aufsehen gesorgt, als das Unternehmen die MHB-Bank aus Frankfurt übernahm. Üblicherweise kauft eher das Geldinstitut das Start-up, doch in diesem Fall schienen sich die Machtverhältnisse umgekehrt zu haben. Und die Raisin-Gründer scheinen Gefallen an der Akquisition von Unternehmen gefunden zu haben, die für ihr Geschäft sinnvolle Ergänzungen darstellen könnten.

„Konkrete Unternehmen haben wir noch nicht im Fokus“, sagt Freund. „Doch wir sind an Firmen in den Bereichen Kundenwachstum, Produktentwicklung und Talent Aquisition interessiert.“ Hier könnte „das gesteigerte Eigenkapital sehr nützlich sein, um potentielle Akquisitionen besser durchführen zu können“. An der täglichen Arbeit werde der neue prominente Partner aber nichts ändern, ist sich Freund sicher. Auch personell werde sich das Management nicht verändern.

Was passiert, wenn die Zinsen steigen?

Doch hat das Geschäftsmodell auch noch eine Zukunft, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen sollten? Freund ist davon überzeugt. Zunächst einmal rechne er in absehbarer Zukunft nicht damit, schiebt er voran, und erklärt dann seine Meinung. „Viele Sparer in Deutschland haben aufgehört, überhaupt nach einem Konto zu suchen, das ihnen noch gute Zinsen bietet“, meint er. Die flächendeckend niedrigen Zinsen in Deutschland hätten zu einer Resignation der Sparer geführt.

Er ist aber überzeugt, dass diese Trägheit nachlasse, sobald die Zinsen wieder steigen. Das zeige der Blick in Märkte, in denen die Zinsen noch höher lägen. „Wenn die Kunden das Gefühl haben, es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen, nimmt das Interesse zu“, ist er überzeugt. Und davon würde auch Weltsparen profitieren. „Wir glauben auch, dass sich unser Wachstum mit steigenden Zinsen weiter beschleunigen würde, denn dann wird unser Angebot für eine viel breitere Kundenbasis noch attraktiver.“

Zunächst einmal muss Raisin aber das Interesse der US-Amerikaner wecken. Auf deren Konten lagern derzeit rund 12,7 Billionen Dollar.

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