Insolvente Airline : Air Berlin pocht auf Schadensersatz von Etihad

Die insolvente Air Berlin könnte mehr Schadenersatz von ihrem Großaktionär Etihad verlangen als bisher gedacht. Das hätte auch Folgen für die Gläubiger.

Eine Stewardess von Air Berlin (rechts) steht neben ihrer Kollegin von der Fluggesellschaft Etihad Airways im Dezember 2012 bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Eine Stewardess von Air Berlin (rechts) steht neben ihrer Kollegin von der Fluggesellschaft Etihad Airways im Dezember 2012 bei...Foto: Michael Kappeler/dpa

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte, dass die Gläubiger weiter prüften, die arabische Fluggesellschaft zu verklagen. Am Montag sollte der Gläubigerausschuss dazu tagen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, Flöther rechne mit einer Forderung von einer oder mehreren Milliarden Euro – je nachdem, ob es um die Holding Air Berlin plc geht oder um die operative Einheit Air Berlin Luftverkehrs KG. Der Insolvenzverwalter hatte mehrere Gutachten zu einer möglichen Klage eingeholt und schon im Januar betont, wegen der hohen Kosten werde man nur bei hinreichenden Erfolgschancen tätig werden. Sein Sprecher widersprach am Montag aber der Annahme, die Gläubiger strebten einen Vergleich mit Etihad an.

Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet, nachdem Etihad weitere Finanzspritzen ausgeschlossen hatte. Noch im April jedoch hatte der Großaktionär der angeschlagenen Airline in einem „Letter of Support“ weitere Unterstützung für mindestens 18 Monate zugesagt. Seit 2012 hielt die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate 29,2 Prozent an Air Berlin. Sie versorgte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft immer wieder mit frischem Geld und sicherte sich über die Beteiligung Zugang zum deutschen Markt.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zeigte sich zufrieden, dass der Insolvenzverwalter nicht nur Forderungen in niedriger zweistelliger Millionenhöhe stellt, wie es noch vor Monaten hieß. Wenn Etihad einen angemessenen Beitrag bezahlt, sei zumindest die Rückzahlung des Staatskredits in Höhe von 150 Millionen gesichert. „Vor dem Hintergrund wäre es Abzocke des Staates auf Kosten der Gläubiger, wenn die Staatsbank KfW tatsächlich um die zehn Prozent Zinsen verlangt“, sagt Kunert dem Tagesspiegel.

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