Steigender Goldpreis : Ist Gold das richtige Investment für die nächste Krise?

In Zeiten des Brexits, der Handelsstreits und Talfahrten an den Aktienmärkten wirkt Gold wieder wie der sichere Hafen. Doch einige Experten warnen.

Faszinierendes Metall. Wenn es um Gold geht, müssen Anleger einige Risiken einkalkulieren.
Faszinierendes Metall. Wenn es um Gold geht, müssen Anleger einige Risiken einkalkulieren.Foto: dpa

Gold-Anhänger machen sich wieder Hoffnungen. Nachdem der Preis des Edelmetalls im vergangenen Jahr bis auf 1160 Dollar für die Feinunze (31,1 Gramm) gefallen war, geht es seit Mitte November aufwärts. Zeitweise war Gold in den ersten Januar-Tagen wieder deutlich mehr wert, der Preis kletterte auf fast 1330 Dollar. So teuer war Gold seit acht Monaten nicht mehr. Anleger springen wieder auf, kaufen Münzen und kleinere Barren, wie Gold-Händler berichten. Gestützt auch durch die Prognosen von Experten und Banken, die, wie etwa die Bank of America Merrill Lynch, die niederländische ABN Amro oder das Bankhaus Julius Bär glauben, dass der Preis bis auf 1400 Dollar steigen kann.

Grund sind die geopolitischen Unsicherheiten, die nicht gelösten Handelskonflikte, der Brexit, die globale Abschwächung der Konjunktur sowie steigende Zinsen in den USA, die Talfahrt der Aktienmärkte 2018 und die Verunsicherung an der Börse, ablesbar an den anhaltend starken Kursschwankungen. Im Gold sehen vor diesem Hintergrund offenbar etliche Anleger wieder einen sicheren Hafen.

Euphorisch sind die Prognosen im Schnitt allerdings nicht. Jüngste Umfragen unter gut 20 Banken ergeben für das Jahresende ein Gold-Preis je Feinunze von 1284 Dollar. Trotzdem hat die Nachfrage nach dem Edelmetall deutlich angezogen. Schon im November sei die Zahl der verkauften Goldbarren zwischen 250 Gramm und einem Kilogramm deutlich gestiegen, sagt Benjamin Summa, Sprecher des Edelmetall-Händlers Pro Aurum. Bei Goldmünzen seien der Krügerrand, der Maple Leaf und der Wiener Philharmoniker die absoluten Bestseller.

Gold-Nachfrage stieg zuletzt an

Allerdings machten auch einige Anleger Kasse und verkauften angesichts des gestiegenen Preises Münzen und Barren. Beim anderen großen Edelmetallhändler Degussa Goldhandel hat sich das Geschäft auch deutlich belebt. Seit Jahresende habe sich die tägliche Nachfrage auf bis zu 200 Kilogramm Gold verdoppelt, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. Aktuell müssen Käufer für einen Ein-Kilo-Barren rund 36 400 Euro zahlen, bei 500 Gramm sind es 18 200, bei 100 rund 3700 und bei 20 Gramm 750 Euro. Ankaufpreise der Händler liegen jeweils etwas darunter.

Getrieben wird der Goldpreis auch durch die verstärkte Nachfrage nach Gold-Fonds, sogenannte ETF. Dafür hinterlegen die Anbieter physisch Gold. Im Dezember hätten sie, heißt es beim World Gold Council, dem Verband der Gold-Lobby, weltweit 76 Tonnen für rund drei Milliarden Dollar gekauft. Insgesamt sollen allein bei europäischen Gold-ETFs die Bestände 2018 um fast 97 Tonnen gestiegen sein.

Bei der Deutschen Börse etwa sorgte die Nachfrage nach dem Gold-Wertpapier Xetra-Gold 2018 zum Kauf von sieben Tonnen Gold. Jetzt lagern mehr als 181 Tonnen in den Tresoren des Unternehmens. „Insbesondere im vierten Quartal ist die Nachfrage deutlich gestiegen“, berichtet Deutsche Börse-Manager Steffen Orben. Er rechnet mit weiter steigendem Interesse von Vermögensverwaltern und Privatkunden an Xetra Gold.

Die Notenbanken kaufen Gold ein

Schub kommt auch von den Notenbanken. Die chinesische Zentralbank hat allein im Dezember zehn Tonnen Gold gekauft. Russland stockt seine Bestände kontinuierlich auf. Auch die Notenbanken Ungarns, der Türkei und Indiens kaufen. „Die Zentralbanken sind wieder eine wesentliche Stützte der Goldnachfrage und damit auch des Goldpreises“, heißt es bei der Commerzbank.

Verbraucherschützer und kritische Finanzexperten raten aber zur Vorsicht. „Gold ist und bleibt keine wirklich gute Geldanlage“, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztip. Historisch gesehen habe das Edelmetall nur eine halb so hohe Rendite gebracht wie Aktien. Wer etwa 1980 zu damals hohen Preise eine Feinunze gekauft hat, musste 28 Jahre warten bis er zumindest nominal diesen Wert wieder erreicht hatte.

Und wer 2011 eine Feinunze Gold für 1900 Dollar erstanden hat steckt heute noch tief in den roten Zahlen. Betrachtet man den Zeitraum 1975 bis 2017, rechnet Finanztip vor, kam Gold auf eine Rendite von 3,8 Prozent pro Jahr. Bei einem weltweit gestreuten Aktiendepot waren es 8,4 Prozent jährlich.

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