REW und Eon können jetzt einfacher agieren

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Strom soll billiger werden : "Die Stromsteuer hat keine Existenzberechtigung mehr"
Kevin P. Hoffmann


2016 haben wir die Spaltung der größten deutschen Energiekonzerne RWE und Eon erlebt. Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus?
Es ist für die jeweiligen Unternehmen jetzt einfacher, sich ein Profil zu geben und im Markt zu agieren. Das eröffnet auch wieder mehr Flexibilität und Bereitschaft auch für internationale Aktivitäten. Ein Problem war ja, dass die großen Konzerne gezwungen waren, Auslandsgeschäft abzugeben, um Geld für die Bilanz zu generieren. Das ist eigentlich schade, weil wir glauben, dass die Energiewende ja auch Produkte, Dienstleistungen und Know-how generiert, die auch für andere Länder interessant sind, die ihr Energiesystem zunehmend treibhausgasneutraler umbauen wollen.


Glauben Sie wirklich, dass der Emissionshandel klimarelevant wirksam werden kann? Es wird doch noch mindestens zehn Jahre viel zu hohe Überschüsse geben, selbst wenn Zertifikate aus der Reserve gelöscht werden.
Man muss unterscheiden zwischen 2020 und 2030. Noch ist es ja so, dass wir national ambitioniertere Ziele haben als in Europa. Das ändert sich von 2030 an. Deshalb glaube ich, im Lichte der Schwierigkeiten sind wir klug beraten, bis 2020 eher nationale Instrumente zu wählen, um die Klimaziele zu erreichen.


Welche zum Beispiel?
Ich finde, dass die neue Bundesregierung sofort eine Modernisierungsoffensive im Heizungskeller starten könnte. Mit steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten könnte man die Millionen alten Ölkessel, die noch in den Kellern stehen, zum Beispiel durch effiziente Gas-Heizungen ersetzen. Es gibt noch Millionen Gaskessel, die 15 Jahre oder älter sind, die man durch moderne und CO2-sparende Gastechnologien ersetzen könnte. Damit würde man auch nicht den Weg für zukünftige Heiztechnologien und Heizkonzepte mit Blick auf 2050 verstellen. Denn solche Kessel haben eine Lebenszeit von durchschnittlich nur 15 bis 20 Jahren.


Es gibt ja Heizungsmodernisierungsprogramme. Reichen die nicht?
Das Problem der bestehenden Programme der KfW oder der BAFA ist ja nicht, dass denen zu schnell das Geld ausgeht. Als ich unser Einfamilienhaus in Berlin gedämmt habe, habe ich mir die Förderprogramme auch angeschaut. Obwohl ich mich in so einem Regel-Dschungel eigentlich schon zurechtfinden kann, habe ich festgestellt, dass damit so viele Nebenziele erfüllt werden sollen, dass man es am Ende lieber selbst finanziert, weil es sonst zu kompliziert wird.


Wie kann man das anders regeln?
Alle Erfahrung zeigt: Kann der Bürger bei Erfüllung bestimmter Effizienzstandards einen Teil der Investition steuerlich abschreiben, dann ist das für ihn ein relativ einfaches Projekt. Das ist in der letzten und dieser Legislaturperiode gescheitert, weil darüber diskutiert wurde, wer eigentlich die Steuerausfälle der Länder übernimmt. So banal ist die Welt. Die neue Bundesregierung muss hier unbedingt einen neuen Anlauf nehmen.

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