Manches Krankenhaus hat mehr Geld als die WHO gegen Seuchen

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Kampf den Epidemien : Die nächste Seuche kommt bestimmt

In der Vergangenheit führte fast jedes WHO-Versagen dazu, dass unabhängige Initiativen einzelne Aufgaben übernahmen. Das wäre in diesem Fall ein Fehler, betonen unabhängige Gutachter in ihrem Ebola-Zwischenbericht. Vielmehr sollte die Organisation gestärkt und reformiert werden. Aufgaben und Budget der WHO klaffen weit auseinander. „Manches Krankenhaus hat mehr Geld“, sagt Gostin. Drei Viertel des Budgets seien freiwillige Beiträge mit festgelegtem Verwendungszweck. „Keine Organisation kann erfolgreich sein, wenn sie unterfinanziert ist.“

Geld für den Notfall

Statt zu warten, bis eine Epidemie außer Kontrolle ist und dann um Geld zu bitten, soll es künftig einen Notfallfonds mit 100 Millionen US-Dollar geben. Ein Ausbruch solle damit rasch beendet werden. Die Beiträge seien freiwillig, sagt Ian Smith, der Büroleiter der WHO-Generalsekretärin. Allerdings gab es bereits nach der letzten Grippepandemie ähnliche Vorschläge – erfolglos.

Global Health Emergency Workforce

Als die Not in Westafrika am größten war und „Ärzte ohne Grenzen“ an ihre Grenzen stießen, kam nur langsam Verstärkung. Nun will die WHO eine „Global Health Emergency Workforce“ aufbauen, die im Seuchenfall mobilisiert werden kann. Dazu werden nicht nur Ärzte, Pfleger und Labormitarbeiter gehören, sondern auch Logistiker, medizinische Anthropologen und Soziologen, sagt Smith. Eine Kern- und Reservemannschaft soll es innerhalb der WHO geben. Sie werden ergänzt durch bestehende Netzwerke, durch von den Mitgliedsstaaten entsendete Helfer, durch Nichtregierungsorganisationen wie das Rote Kreuz und Partner innerhalb der Vereinten Nationen.

Vor allem sollen die Mitgliedsstaaten eigene Helfer identifizieren. Sie kennen die Gegebenheiten vor Ort, sprechen die lokale Sprache und verstehen die jeweilige Kultur. „Für alle müssen wir einen Schirm bilden, sodass sie gut zusammenarbeiten können“, sagt Smith. Die Zivilgesellschaft müsse ebenfalls besser in die Seuchenbekämpfung einbezogen werden, ergänzt Gostin. „Diese Stimmen werden zu selten gehört. Aber wir brauchen sie!“ Das gilt vor allem, wenn den Regierungen Misstrauen entgegenschlägt.

Bestehende Regeln anpassen

Nachdem das Sars-Virus der Welt einen Schrecken versetzt hatte, einigten sich die WHO-Mitgliedsstaaten darauf, dass jedes Land den Infektionsschutz stärken und eine Basis-Infrastruktur schaffen sollte, um Epidemien zu erkennen. 80 Prozent erfüllen die in den „International Health Regulations“ festgesetzten Standards nach eigenen Angaben noch nicht. In den meisten armen Ländern gibt es keine Seuchenüberwachung – dabei springen gerade dort Viren vom Tier auf den Menschen über. In Guinea konnte sich Ebola monatelang unerkannt verbreiten.

Auch der Rest der Welt hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Die WHO-Empfehlungen, Handel und Reiseverkehr nicht unnötig zu beschränken, wurden weitgehend ignoriert. Das schwächte die betroffenen Länder und erschwerte die Bekämpfung der Epidemie. „Wir brauchen Mechanismen, um den Empfehlungen mehr Gewicht zu verleihen“, sagt Gostin.

Um Helfer und Geld rechtzeitig einzusetzen, seien außerdem Warnstufen für den internationalen Gesundheitsnotfall (PHEIC) nötig. Bisher wird er entweder ausgerufen – oder nicht. Die Ebola-Epidemie wurde erst im August 2014 als ein solcher Notfall eingestuft.

Gesundheitssysteme stärken

Der beste Schutz gegen Epidemien sind gute Gesundheitssysteme, schreibt Gates. Sie seien nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern tragen zur globalen Sicherheit bei. Im Senegal, wo die medizinische Grundversorgung besser ist als in den drei am schwersten betroffen Staaten Westafrikas, konnte sich Ebola nicht ausbreiten. Auch Nigeria entkam der Katastrophe. Ärzte und andere Helfer, die sonst die Polio-Ausrottung vorantreiben, bildeten sofort ein Notfallzentrum. Sie isolierten die Kranken und überwachten die Kontaktpersonen. Entgegen aller Befürchtungen infizierten sich nur 21 Menschen. „Wir müssen einen Weg finden, die Stärkung der Gesundheitssysteme zu finanzieren“, sagt Gostin. Eventuell sei ein weiterer Fonds nötig.

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