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Tropischer Infektionserreger : Erstmals erkrankt ein Mensch in Deutschland durch Mückenstich am West-Nil-Virus

70-Jähriger aus Sachsen erleidet Hirnentzündung. Das Virus breitet sich durch den Klimawandel aus. Eine Impfung gibt es bislang nicht.

Das West-Nil-Virus unter dem Elektronenmikroskop.
Das West-Nil-Virus unter dem Elektronenmikroskop.Foto: Cynthia Goldsmith/CENTERS FOR DISEASE CONTROL/EPA/dpa

Erstmals ist in Deutschland eine durch Mücken übertragene Infektion und Erkrankung mit dem West-Nil-Virus (WNV) bekannt geworden: Die Person aus Sachsen war an einer Gehirnentzündung erkrankt, wurde im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt und ist inzwischen wieder genesen.

Aus dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 27. September 2019 geht hervor, dass es sich dabei um einen 70-jährigen Mann handelt, der vorher nicht ins Ausland gereist war (hier als PDF). Das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin wies bei ihm eine Infektion mit dem Virus nach.

"Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht", wird Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), in einer gemeinsamen Mitteilung von RKI, Bernhard-Nocht-Institut und Friedrich-Löffler-Institut zitiert. In den kommenden Sommern müsse man jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen. "Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild."

Bisher kein Impfstoff vorhanden

West-Nil-Viren stammen ursprünglich aus Afrika. Die Erreger werden von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen, aber auch Säugetiere (vor allem Pferde) und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden. Vektoren sind vor allem Culex- aber auch Aedes- und Mansonia-Arten, die sowohl an Vögeln als auch an Menschen Blut saugen.

Übertragungen sind auch durch Bluttransfusionen möglich. Infektionen beim Menschen verlaufen zu ca. 80 Prozent ohne Symptome, bei knapp 20 Prozent mit meist milder und unspezifischer Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Die meisten Fälle heilen komplikationslos aus.

Nur bei unter einem Prozent aller Betroffenen – in der Regel bei Älteren mit Vorerkrankungen – kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder seltener zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die tödlich enden kann. In bis zu 50 Prozent der Fälle kann es nach einer Gehirnentzündung auch zu Spätfolgen kommen. Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen lassen sich durch persönlichen Mückenschutz vorbeugen.

Mehr Fälle durch Klimawandel zu erwarten

Durch Zugvögel und Stechmücken ist das West-Nil-Virus in nördlichere Regionen gelangt und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ausbrüche in Süd- und Zentraleuropa sowie Schwarzmeer-Anrainerstaaten. 2018 und 2019 haben Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Bernhard-Nocht-Instituts mehr als 70 an WNV-Infektionen verendete Wild- und Zoo-Vögel in Deutschland festgestellt (Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg), besonders betroffen ist Ostdeutschland.

"In diesem Jahr sind vermehrt auch Pferde betroffen, weshalb die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut Pferdebesitzern in betroffenen Gebieten empfiehlt, ihre Tiere impfen zu lassen", erläutert Martin Groschup, Leiter des Instituts für Neue und Neuartige Tierseuchenerreger am FLI.

Virus verbreitet sich durch Klimawandel nach Norden

Nun wurde auch die erste Infektion und Erkrankung beim Menschen bekannt. Das RKI schreibt, in den nächsten Jahren sei von einer weiteren Verbreitung des Virus in Deutschland auszugehen. Insbesondere in überdurchschnittlich warmen und längeren Sommern infolge des Klimawandels werde es zu weiteren Erkrankungsfällen kommen.

Infektionen mit dem West-Nil-Virus sind meldepflichtig. Seit 2018 empfiehlt das RKI Ärzten in den betroffenen Regionen, Patienten mit Gehirnentzündungen unklarer Herkunft auf West-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei vermehrtem Auftreten von Fiebererkrankungen mit und ohne Hautausschläge müsse das Virus als Auslöser in Betracht gezogen werden. (fsch)

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