Zuckerersatz : Süßstoffe sind schädlich, zumindest für Ratten

Süßstoffe gelten als gesunde Alternative zum Zucker. Doch in Tierversuchen machen auch Aspartam und Co. keine gute Figur.

Womöglich sind Süßstoffe keine Alternative für Zucker, die ohne Folgen für den Körper bliebe.
Womöglich sind Süßstoffe keine Alternative für Zucker, die ohne Folgen für den Körper bliebe.Foto: Jens Kalaene/dpa

US-Forscher haben in Tierversuchen neue Hinweise darauf erhalten, warum kalorienfreie Süßstoffe nicht zwingend schlank machen und sogar schädlich sein können. Bei Ratten und in Zellversuchen fanden sie heraus, dass sich nach dem Genuss bestimmter Süßstoffe der Stoffwechsel ungünstig verändert und ebenfalls die Auskleidung der Blutgefäße. Allerdings untersuchten Brian Hoffmann vom Medical College of Wisconsin und seine Kollegen nur Aspartam und Acesulfam.

Die Forscher präsentierten ihre Ergebnisse am Sonntag auf der Fachkonferenz "Experimental Biology" in San Diego. "Obwohl wir diese kalorienfreien Süßstoffe jeden Tag verwenden, haben Fettleibigkeit und Diabetes drastisch zugenommen", beschreibt Hoffmann die Situation in den USA.

In einem Teil der Studie fütterten die Forscher eine Gruppe Ratten mit Zucker, eine andere mit Süßstoffen. Nach drei Wochen sahen sie im Blut der zwei Gruppen Unterschiede bei bestimmten Typen von Fetten und Aminosäuren. Das seien Hinweise darauf, dass die Tiere Fette unterschiedlich verarbeiteten. Auch sammelte sich im Blut Acesulfam an. Der Stoff habe eine schädigende Wirkung auf Blutgefäßzellen, worauf bislang allerdings nur Laborversuche hinweisen.

Der Körper habe die Fähigkeit, Zucker im moderaten Ausmaß zu verarbeiten, folgert Hoffmann. "Wenn diese Maschine jedoch auf lange Zeit überbelastet wird, bricht sie zusammen." Wer stattdessen auf Kalorien-freie Süßstoffe setze, müsse wiederum Veränderungen im Fett- und Energiestoffwechsel in Kauf nehmen.

Viele Fragen offen

Der Mediziner Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam betont jedoch, dass die Tierstudie noch viele Fragen offen lasse - und ihre Ergebnisse keineswegs direkt auf Menschen zu übertragen seien. Auch dass nur zwei Süßstoffe getestet wurden, schränke die Aussagekraft ein. So seien Sucralose, Stevia, Saccharin ebenfalls weit gebräuchlich "und unterscheiden sich von den zwei untersuchten Substanzen in vielerlei Hinsicht".

Hinweise, dass Süßstoffe nicht automatisch beim Abnehmen helfen oder sogar schädlich sein können, hätten bereits andere Studien erbracht. Die neue Arbeit erweitere dieses immer noch nicht vollständige Bild. "Einheitlich ist der bisherige Wissensstand nicht", sagt Kabisch.

Neben Stoffwechselmechanismen könnte auch das Essverhalten bewirken, dass man trotz Zuckerverzicht zunimmt: "Was man an Kalorien mit Süßstoffen spart, legt man - bewusst oder unbewusst - mit anderen Nahrungsmitteln wieder zu." Gegenwärtig könnten Süßstoffe weiterhin verwendet werden, die Empfehlungen zur jeweiligen täglichen Höchstdosis sollten aber beachtet werden.

Offiziell werden Süßstoffe zum Abnehmen nicht empfohlen

Bisher warnen auch die Forscher in den USA nicht vor moderaten Süßstoffkonsum. Es gibt aber auch keine offizielle Empfehlung, sie zum Abnehmen oder zum Zuckersparen auf Dauer einzusetzen. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ergänzt: "Statt Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen, rät die DGE die Ernährung grundsätzlich auf 'weniger süß' umzustellen."

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Nach Angaben der Europäischen Lebensmittelbehörde (Efsa) werden die Auswirkungen von Aspartam seit mehr als 30 Jahren in Versuchen mit Tieren und Menschen untersucht. Aspartam und seine Abbauprodukte seien demnach in den derzeitig aufgenommenen Mengen für den menschlichen Verzehr unbedenklich. Auch Acesulfam ist seit Jahren in der EU zugelassen. (dpa)

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