Der Ado-Adler-Deal : Dieses Unternehmen will Berlins viertgrößter Vermieter werden

Der Berliner Immobilienmarkt konsolidiert sich weiter: Ado Properties will Adler Real Estate übernehmen. Gemeinsam hätten sie 76.000 Wohnungen im Bestand.

Ado Properties bietet den Adler-Aktionären konkret 0,4164 eigene Aktien für ein Adler-Papier.
Ado Properties bietet den Adler-Aktionären konkret 0,4164 eigene Aktien für ein Adler-Papier.Foto: mauritius images / imageBROKER

Erneut tun sich zwei große Eigentümer von Berliner Immobilien zusammen: Das in Luxemburg registrierte und von israelischen Investoren kontrollierte Unternehmen Ado Properties, das ausschließlich Wohnungen in Berlin besitzt, hat angekündigt, seinen Großaktionär Adler Real Estate übernehmen zu wollen. Die Zentrale von Adler sitzt seit Jahren in Berlin, die Aktien des Unternehmens werden im S-Dax der kleineren Börsenwerte gehandelt. Mit der Übernahme rechne man mit einem Aufstieg in den MDax, teilten beide Unternehmen in der Nacht zu Montag in einer gemeinsamen Pflichtmitteilung mit.

Erst Ende Oktober hatte der ebenfalls in Luxemburg notierte Immobilienkonzern Aroundtown – seit dem Bundesligaaufstieg auch bekannt als Trikotsponsor des 1. FC Union Berlin - seine Übernahmepläne für den großen Berliner Gewerbeimmobilieneigentümer TLG bekanntgegeben. Auch die Aktie der 1991 gegründeten TLG ist bisher im S-Dax gelistet.

Michael Kunert, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die vor allem Interessen Berliner Kleinanleger vertritt, sieht diese Entwicklung mit Sorge – unabhängig von der Frage, ob die beiden Übernahmen für die Aktionäre wirtschaftlich vorteilhaft sein könnte.

„Beide Pläne sind ein Rückschlag für den Börsenstandort Berlin. Denn künftig werden die Hauptversammlungen mutmaßlich in Luxemburg, auf Englisch und nach luxemburgischen Recht stattfinden und nicht mehr hier“, sagte er am Montag. Das sei mehr als eine Formsache. So müssten sich die Unternehmen zum Beispiel nicht mehr an den deutschen Corporate Governance Kodex zur guten Unternehmensführung bekennen. Auch würden andere Regeln für Pflichtangebote und das Herausdrängen kleiner Aktionäre gelten.

Ado Properties bietet den Adler-Aktionären konkret 0,4164 eigene Aktien für ein Adler-Papier, wie aus der Pflichtmitteilung hervorgeht. Ado habe mit Adler-Großaktionären, die über 52,21 Prozent der Papiere verfügten, eine Vereinbarung über die Andienung dieser Aktien getroffen, hieß es weiter. Die neuen Ado-Titel sollen durch eine Kapitalerhöhung geschaffen werden. Bargeld soll also nicht fließen, Aktionäre werden in Aktien der neuen Gesellschaft bezahlt, die den Titel Adler Real Estate Group tragen soll.

Das neue Unternehmen könnte Berlins viertgrößter Vermieter werden

Das neue Unternehmen würde durch die Übernahme zum viertgrößten Vermieter Berlins aufsteigen. Hält Ado – künftig also Adler Real Estate – derzeit noch rund 18.000 Wohneinheiten, wären es mit dem Bestand von Adler 76.000. Nur die LEG Immobilien (130.000), Deutsche Wohnen (163.000) und Vonovia (400.000) haben noch mehr Wohneinheiten in ihren Portfolios. Ado und Adler geben den Wert ihres gemeinsamen Immobilienportfolios mit aktuell 8,6 Milliarden Euro an.

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Damit nicht genug. Die Luxemburger Ado kündigte in derselben Mitteilung auch den Kauf eines Minderheitsanteils (22 Prozent) der Berliner Projektentwicklungsgesellschaft Consus an, die nach eigenen Angaben derzeit Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro in neun deutschen Städten verfügt. Ado zahlt dafür 294 Millionen Euro in bar, also nicht in Aktien – und sichert sich auch das Recht auf eine Übernahme weiterer 51 Prozent an Consus.

„Das ist eine spannende und tiefgreifende Umgestaltung, die letztlich eines der größten börsennotierten Wohnimmobilienunternehmen Europas hervorbringen wird“, ließ sich Ado-Properties Chef Thierry Beaudemoulin in der Mitteilung zitieren. Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen werde über ein hochwertiges Portfolio verfügen, „das sich über die wichtigsten deutschen Städte verteilt, und Zugang zu einer marktführenden Entwicklungsplattform und -pipeline haben“.

Maximilian Rienecker, Vorstandschef von Adler erklärte, die Transaktion schaffe „einen signifikanten Wert für alle Gruppen von Anteilseignern und wird uns in eine starke Ausgangsposition für weiteres Wachstum bringen.“

Ado-Aktionäre sehen Übernahme offenbar kritisch

Die Ado-Aktionäre sehen die Übernahme offenbar kritisch: Das Papier brach am Montag nach Börsenstart um bis zu 14 Prozent ein, während die Adler-Aktie um 3,7 Prozent stieg. Die Aktie von Consus konnte angesichts der offenbar angestrebten Mehrheitsübernahme sogar um 22 Prozent zulegen.

Für Kleinaktionärsschützer Kunert von der SdK ist der Übernahmeplan auch ein Indiz dafür, dass die genannten Immobilienkonzerne den Enteignungspläne und auch dem Mietendeckel des rot-rot-grünen Senats zumindest keine große Rolle einräumen. „Wenn die Angst haben würden, dass der Senat ihnen in Berlin das Geschäft verhageln kann, würden sie diesen Schritt nicht gehen“, sagte Kunert.

Bei Ado ist man sich offenbar bewusst, dass das Unternehmen als großer Spieler noch stärker in den Fokus der Politik geraten dürfte und teilte wohl auch deshalb mit, dass die anhaltende Wohnungsknappheit in Berlin und anderen dicht besiedelten Regionen ein Thema sei, „das Ado ernst nimmt“. Man habe sich zum Ziel gesetzt, den Druck auf dem Wohnungsmarkt durch Beschleunigung des Baus neuer Mietwohnungsbestände zu verringern. Details dazu nannten die Unternehmen allerdings nicht.

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