Ehemaliger Brandenburger CDU-Chef : Das wurde aus den Getreuen von Ingo Senftleben

Vor einem Jahr scheiterte Ingo Senftlebens Liste für die Brandenburger Landtagswahl. Was wurde aus den einstigen CDU-Kandidaten?

Ingo Senftleben war Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Brandenburg und scheiterte.
Ingo Senftleben war Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Brandenburg und scheiterte.Foto: Christophe Gateau/dpa

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, da zerbrachen die Träume für Ingo Senftleben. In der Potsdamer Metropolis-Halle hatte sich seine Partei zum Aufstellungsparteitag getroffen: Senftleben sollte Spitzenkandidat der Brandenburger CDU werden.

Zumindest dieser Teil des Plans klappte – doch zuvor hatte der konservative Teil der Partei Senftlebens Landesliste gründlich durcheinandergebracht. Ab dem 15. Juni 2019 war klar: Die Brandenburger CDU steht nicht geschlossen hinter ihrem Spitzenkandidaten. Heute ist die CDU an der Regierung beteiligt. Aber was wurde eigentlich aus den Protagonisten von vor einem Jahr?

Ingo Senftleben hat keine höheren Ämter mehr in Partei oder Fraktion inne – Schicksal eines früheren Spitzenkandidaten. In der dritten Reihe der CDU-Bänke im Landtag sitzt er neben Michael Schierack und Saskia Ludwig, die ebenfalls einst Landesvorsitzende der Brandenburger CDU waren.

Im Landtag konzentriert sich Senftleben auf zwei Dinge: seinen Wahlkreis Ortrand und die Landwirtschafts- und Umweltpolitik, in die er sich bemerkenswert schnell und gründlich eingearbeitet hat. Von einem Wechsel in die Bundes- oder Europapolitik, den andere in seiner Situation vielleicht erwogen hätten, ist derzeit bei Senftleben jedenfalls nicht die Rede.

Saskia Ludwig galt vielen im vergangenen Jahr als Strippenzieherin hinter der Volte gegen Senftleben. Profitiert hat die Potsdamer Abgeordnete von der Affäre nicht. Heute sitzt sie für die CDU zwar als wirtschaftspolitische Sprecherin im entsprechenden Ausschuss, aber in der Koalition wie in der Fraktion ist sie politisch isoliert.

Frank Bommert ist der große Gewinner des vergangenen Jahres

Wozu auch beiträgt, dass die Abgeordnete aus Golm ein Doppelmandat ausübt: Immer wieder muss sie sich entscheiden, ob sie nun an einer Veranstaltung im Bundestag teilnimmt oder doch lieber im Brandenburger Landtag. Und wenn in den nächsten Wochen der CDU-Kreisverband Potsdam seine Kandidaten für den Wahlkreis 61 aufstellt, wird es für die Abgeordnete zum Schwur kommen: Wie sehr steht der heimische Kreisverband noch hinter Ludwig. Wird sie überhaupt noch einmal aufgestellt?

Besser sieht es für Frank Bommert aus: Er ist der große Gewinner des vergangenen Jahres. Wäre es nach Ingo Senftleben gegangen, wäre der Abgeordnete aus Oberhavel auf Listenplatz 25 angetreten: Einer aussichtslosen Position. In der Metropolis-Halle kämpfte er sich auf Position vier der CDU-Landesliste vor.

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Heute ist er mittelstandspolitischer Sprecher und Vorsitzender des wichtigen Wirtschaftsausschusses im Brandenburger Landtag. Die Sitzungen, die dank mancher Abgeordneten, wie etwa Philipp Zeschmann (BVB/Freie Wähler) nicht unbedingt einfach sind, leitet Bommert so souverän, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und mit der Initiative zur Öffnung der Gastronomie in der Coronakrise erwies er ein Gespür für Timing. Würde heute eine Landesliste aufgestellt, wäre ihm ein vorderer Platz wohl ziemlich sicher.

Von Dieter Dombrowski wird noch zu hören sein

Für Dieter Dombrowski schließlich endete in Potsdam die Karriere im Parlament. Der Landtagsvizepräsident verlor damals seinen Listenplatz an den Junge-Union-Kandidaten Julian Brüning – gerade angesichts der starken AfD-Fraktion vermissen wohl viele im Brandenburger Parlament die souveräne Sitzungsleitung, für die Dombrowski stand.

Ansonsten aber ist der CDU-Mann aus dem Havelland im Hintergrund irgendwie immer noch da: Sein Lebensthema, die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, verfolgt er weiter, in der Debatte um den Brandenburger Standort der Stasi-Unterlagen war er ein wichtiger Protagonist. Und in der kommenden Woche wird er von Axel Vogel zum Vorsitzenden des Kulturlandschaftsbeirats berufen – dass man in diesem Amt noch von ihm hören wird, dürfte wohl ebenfalls sicher sein.

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