Flughafen Schönefeld : Neue Ryanair-Jobs in Berlin – wegen Brexit

Europas größter Billigflieger baut für einen ungeordneten Brexit vor. Ersatzteile werden aus England in die EU geschafft. Der Standort Schönefeld wächst.

Ein Flugzeug von Ryanair ist am 27.10.2015 in Schönefeld.
Ein Flugzeug von Ryanair ist am 27.10.2015 in Schönefeld.Foto: Bernd Settnik/dpa

Aus Sorge vor einem ungeordneten Brexit zieht Europas größter Billigflieger Ryanair Ersatzteile aus dem englischen Zentrallager ab und schafft sie in andere EU-Standorte – auch nach Berlin-Schönefeld. Dort wird die Wartungssparte Ryanair Engineering, eine hundertprozentige Tochter des Unternehmens, ausgebaut – und es entstehen neue Jobs.

Das Unternehmen ist in Deutschland für die Wartung der Flugzeuge von Ryanair zuständig. Wartungschef Karsten Mühlenfeld, einst Geschäftsführer am Flughafen BER, sagte der Nachrichtenagentur dpa zu den Folgen des Brexit für das Unternehmen: „Wir haben Sorge, dass es länger dauert, die Ersatzteile vom Zentrallager in Stansted an den Flughafen zu bekommen, wo wir sie kurzfristig benötigen.“ Das Ein- und Ausführen von Ersatzteilen könnte bei einem ungeordneten Brexit erschwert werden - etwa durch Zollbeschränkungen.  

Belegschaft in Schönefeld wird verdoppelt

Die Wartungstochter mit Sitz in Schönefeld wurde nach eigenen Angaben im Herbst gegründet. Es sollen 100 neue Jobs geschaffen und damit die Belegschaft verdoppelt werden. Ryanair will laut Mühlenfeld in Deutschland langfristig komplett selbst warten. Zuvor hatte die Airline mit externen Anbietern gearbeitet.

Seit Anfang des Jahres werden laut Mühlenfeld Technikteile der irischen Airline auf andere Standorte der EU verlagert. Zu Standardteilen, die bei der Flugzeug-Wartung genutzt werden, gehören demnach Räder, Bremsscheiben und Beleuchtungselemente. Größere Lager - neben dem Zentrallager in England - gebe es an den Standorten Bergamo, Madrid und Dublin. Daneben existierten kleinere Lager, in Deutschland etwa Frankfurt am Main und Schönefeld.

Ryanair ist nicht der erste Konzern, der mit dem Brexit Folgen für die komplexen Prozesse in der Luftfahrt fürchtet. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus drohte im Januar mit der Schließung von Fabriken. „Wenn es einen Brexit ohne Abkommen gibt, müssen wir bei Airbus möglicherweise sehr schädliche Entscheidungen für Großbritannien treffen“, sagte Konzern-Chef Tom Enders. Es gebe auf der Welt Länder, die gerne Tragflächen für Airbus bauen würden.

Im Vereinigten Königreich bündelt Airbus fast den gesamten Tragflächen-Bau - was beim Brexit heikel werden könnte. Zulieferer müssen Teile auf die Insel bringen, danach müssen die fertigen Tragflächen zu Werken in Frankreich, Deutschland, China und den USA. (mit dpa)

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