Frühling in Berliner Wäldern : Live-Musik trotz Coronavirus

Ein kleiner Ausflug in Berlins größten Konzertsaal: In Stereo bis Dolby Surround, live im Park oder Garten – aber bitte nur Abseits der anderen Menschen.

Rotkehlchen gehören zu den besonders begabten Sängern im Vogelreich.
Rotkehlchen gehören zu den besonders begabten Sängern im Vogelreich.Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Veranstaltungsstätten sind geschlossen, aber Berlins größte Konzertarena bleibt geöffnet – und veranstaltet ein Programm wie sonst im ganzen Jahr nicht. Fast alle Vögel sind schon da; viele feiern Hochzeit, die im Gegensatz zur standesamtlichen weiter vor Publikum stattfinden kann.

Da ist Musike draußen, je nach Standort und Bewuchs in Stereo bis Dolby Surround, live im Park oder Garten Ihres Vertrauens - nur bitte abseits der anderen Menschen.

Schon vor Beginn der Morgendämmerung perlt der kristallklare Gesang der Rotkehlchen aus dem Gebüsch. Etwas weniger melodisch, aber ebenso klar und laut folgen die Zaunkönige, die wegen ihres frühen Saisonstarts auch Schneekönige genannt wurden. Auch die Amselmänner mit ihrem fast unbegrenzten Repertoire sind Frühaufsteher.

Die Spatzen beginnen ihr mäßig originelles Tschiep-Tschiep-Tschiep später am Morgen, aber sind dann umso ausdauernder. Das gilt ebenso für die Meisen, deren Tüwitt-Tüwitt oft schon im Winter zu hören war, soweit eben Winter war.

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Praktischerweise ist auch das Futter schon wach: Der milde Winter hat den Boden nicht eingefroren und Insekten vorzeitig geweckt. Selbst die Bienen sind schon unterwegs, um sich an Krokussen, Mandelblütennektar und den ebenfalls vorfristig erklungenen Osterglocken zu sättigen.

Kraniche und Gänse sind schon durch

Zwei Etagen weiter oben sind die Wildgänse und auch viele Kraniche schon durchgezogen, sofern sie nicht ohnehin hier überwintert haben. Der Himmel war in dieser unheimlichen Woche so blau wie seit Monaten nicht mehr.

Erst jetzt, da die Atlantiktiefs ihre Europatournee beendet haben, fällt so richtig auf, wie lang die Tage schon sind und wie sehr die Sonne wärmt. Kein Wunder: Sie steht so hoch wie Mitte September beim Finale des Altweibersommers.

Weidenkätzchen sind verlässliche Frühlingsboten - und wichtiges Futter für Bienen.
Weidenkätzchen sind verlässliche Frühlingsboten - und wichtiges Futter für Bienen.Foto: Stefan Jacobs

Der plötzliche Licht- und Wärmeschub vergrößert den Aktionsradius der von Amts wegen zur Vereinsamung aufgeforderten Menschen exponentiell. Und nach einem unterkühlten Wochenende soll es wieder wärmer werden. Und danach kann wettertechnisch auch nicht mehr so viel schiefgehen; den Frühling in seinem Lauf hält weder Corona noch Virus auf.

Wer die Einsamkeit der Wälder in diesen Zeiten den teils noch bedenklich gut besuchten Parks vorzieht, kann beim Uferwandern den Vitamin-D-Vorrat auffüllen: Vormittags liegen die Westufer in der Sonne, nachmittags die Ostufer. Wohl denen, die eines per Rad oder Auto erreichen können. Und jenen, die neue Wege fernab des Trubels suchen, seien die Ausflugstipps „Auf Försters Wegen“ ans Herz gelegt, die es in Buchform gibt und online. Dort finden sich Anregungen zur Einsamkeit in ihrer schönsten Form. Fürs musikalische Rahmenprogramm ist gesorgt.

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