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Jörn Kubicki stirbt nach Coronavirus-Infektion : Große Anteilnahme am Tod von Klaus Wowereits Partner

Der Lebensgefährte von Klaus Wowereit ist tot. Jörn Kubicki starb an Herzversagen – als Folge des Lungenleidens COPD und einer Covid-19-Erkrankung.

Bei der Berlinale 2019 nahmen Jörn Kubicki und Klaus Wowereit an der Verleihung des Teddy-Awards teil.
Bei der Berlinale 2019 nahmen Jörn Kubicki und Klaus Wowereit an der Verleihung des Teddy-Awards teil.Foto: Gerald Matzka/dpa

Der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, trauert um seinen Partner. Jörn Kubicki starb am Sonnabend im Alter von 54 Jahren an Herzversagen.

Er hatte seit Jahren an der schweren Lungenkrankheit COPD gelitten und sich nach Tagesspiegel-Informationen nun mit dem Coronavirus angesteckt. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Kubicki und Wowereit waren seit 1993 ein Paar. Sie kamen zusammen, als Wowereit noch Kulturstadtrat von Tempelhof war. Nach dem Einzug seines Lebensgefährten ins Abgeordnetenhaus im Jahr 1995 begleitete der Neurologe Kubicki den Aufstieg Wowereits in der Berliner Politik zunächst im Stillen.

Bundesweit bekannt wurde ihre Beziehung durch einen SPD-Parteitag im Juni 2001, als Wowereit bei seiner Nominierung für das Amt des Regierenden Bürgermeisters seine Homosexualität öffentlich machte. Damals galt das für einen Spitzenpolitiker noch als riskant. Umso mehr wurde Wowereits Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ weithin als befreiend empfunden. Es war das erste aktive Outing eines Spitzenpolitikers und blieb bis heute eine seiner berühmtesten Äußerungen. „In meinem Redemanuskript stand dieses Zitat nicht, aber geplant hatte ich so einen Satz natürlich trotzdem“, sagte er später dem Tagesspiegel.

Seither traten Kubicki und Wowereit bei vielen Veranstaltungen gemeinsam auf, ohne dass der Mann an der Seite des Regierenden sich in die Öffentlichkeit gedrängt hätte. Auch nach Wowereits Rücktritt im Jahr 2014 waren sie immer wieder in der Berliner Gesellschaft zu sehen.

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Wowereit war nicht der einzige Politiker, dem Kubicki verbunden war. Sein Cousin zweiten Grades war der Freidemokrat und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki.

„Jörn war gradlinig und aufrichtig“

Die Todesnachricht löste große Bestürzung aus. Zahlreiche Weggefährten bekundeten ihr Mitgefühl. „Traurige Nachricht, Jörn war gradlinig und aufrichtig“, twitterte die Grünen-Politikerin Renate Künast, die bei der Berlin-Wahl 2011 versucht hatte, Wowereit des Amt des Regierenden Bürgermeistes streitig zu machen.

„Lieber Klaus, von Herzen mein aufrichtiges Beileid. Das ist bitter“, schrieb ihr Parteifreund Volker Beck bei Twitter. Anteil nahm auch die Magnus-Hirschfeld-Stiftung, die sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen einsetzt.

„In Gedanken bei dir, lieber Klaus Wowereit!“, twitterte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, die SPD-Politikern Katarina Barley. Auch aus der Berliner Landespolitik trafen zahlreiche Beileidsbekundungen ein, darunter vom SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber, dem FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus Sebastian Czaja, und der Landesvorsitzenden der Grünen, Nina Stahr.

„Lieber Klaus Wowereit, in diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei Dir“, schrieb Berlins CDU-Chef Kai Wegner. „Ich hätte Euch noch so viel gemeinsame Zeit gewünscht. Es tut mir leid, dass Euch das nicht mehr vergönnt war.“

Welche Bedeutung Wowereits legendärer Satz und das offene Zusammenleben des Paars für Lesben und Schwule hatten, zeigte die Stellungnahme der Queer-Arbeitsgemeinschaft der Berliner SPD zum Tod Kubickis. „Klaus und Jörn waren in Zeiten, in denen unsere Liebe noch wenig Respekt erfuhr, gerade für sehr viele Menschen, vor allem aber für unsere queere Community, ein Symbol der Hoffnung“, schrieb die Arbeitsgemeinschaft bei Twitter. „Ihr Mut hat uns den Weg zur Gleichstellung geebnet. Wir als SPDqueer Berlin, wir Berliner*innen, werden Ihnen das nie vergessen und verneigen uns in Dankbarkeit.“ (Tsp)

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