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Die Schulen sollen nun selbst entscheiden, wo sie Stunden des Lehrpersonals sparen.
© Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Lehrermangel in der Hauptstadt: Landeselternausschuss will Personalnot an Berliner Schulen lindern

Die Lücke bei Lehrern erhöht sich auf 1000 volle Kräfte. Berliner Eltern fordern einen „Runden Tisch Lehrkräftemangelverwaltung“.

Von Susanne Vieth-Entus

Berlins Landeselternausschuss will nicht tatenlos zusehen, wenn die Schulen zum kommenden Schuljahr personell noch weiter ausdünnen. Mit zwei Beschlüssen hat er am Wochenende Wege aufgezeigt, wie die Notlage gelindert werden könnte, die aus dem verschärften Mangel an Lehrkräften und weiterem pädagogischem Personal erwächst.

Ausgangspunkt ist die Feststellung der Bildungsverwaltung, dass sich die Lücke bei den Lehrern auf rund 1000 volle Kräfte erhöht – es sind weder Quereinsteiger noch sonstige Kräfte in Sicht, die dieses Fehl ausgleichen könnten.

Die Schulen sollen nun selbst entscheiden, wo sie sparen. Zur – schwierigen – Auswahl stehen die Förder- und Profilstunden sowie die Ermäßigungsstunden, mit denen ältere Kollegen oder Lehrkräfte, die mit Zusatzaufgaben betraut sind, entlastet werden.

Zudem werfen manche Schulleitungen sowie Koalitionspolitiker die Frage auf, ob nicht reguläre Unterrichtsstunden gestrichen werden sollten. Angesichts dieser komplizierten Lage fordert der Landeselternausschuss , dass die Bildungsverwaltung einen „Runden Tisch Lehrkräftemangelverwaltung“ einberuft, um die Frage zu klären, wie mit dem anstehenden Lehrkräftemangel im Zusammenhang mit der eigenverantwortlichen Schule umgegangen werden kann. Alle relevanten Verbände, Gewerkschaften, Interessensvertretungen und Gremien auf Landesebene sollen beteiligt werden.

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Auch die zweite Forderung kreist um den Mangel – und zwar um den Mangel, der entsteht, wenn Erzieher, Unterrichtshelfer oder Sozialarbeiter erkranken. Anders als bei den Lehrkräften haben die Schulen bei diesem übrigen pädagogischen Personal nämlich kein Budget, mit dem sie Vertretungskräfte bezahlen könnten. Zwar weist die Bildungsbehörde gern darauf hin, dass eine Vertretungspauschale bereits in der Personalzumessung enthalten sei. Diese Pauschale ist aber offenbar so klein, dass sie angesichts der hohen Belastungen und Krankenstände nicht reicht.

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Zumal es die Erzieherinnen und Erzieher sind, die aushelfen müssen, wenn Lehrkräfte erkranken: Denn für die Lehrer gibt es zwar ein Vertretungsbudget. Aber es greift nur bei längeren Erkrankungen. Zudem sind viele Vertretungskräfte aufgrund des seit zehn Jahren grassierenden Lehrkräftemangels längst fest in den Schulen eingeplant, stehen also gar nicht mehr spontan zur Verfügung.

Künftig wird die Vertretungslage noch brisanter. Denn die Knappheit an Sonderpädagogen führt dazu, dass sie ab dem Sommer bei der Betreuung von Schülern mit geistiger Behinderung und Autismus teilweise durch so genannte Pädagogische Unterrichtshilfen ersetzt werden. Für sie aber gibt es – ebenso wie für die Erzieher – kein Vertretungsbudget, aus dem die Schulen oder die freien Träger Aushilfen honorieren könnten. Zudem weist der Landeselternausschuss darauf hin, dass der Ersatz erkrankter Erzieher, Helfer und Sozialarbeiter kein „Nice to have“, sondern eine Pflichtaufgabe ist, da „jede Berliner Grundschule eine Ganztagsschule ist“.

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