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Pilotprojekt auf der Havel? : Berlin soll elektrische Wassertaxis bekommen

Die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat die Idee mit aus dem Urlaub gebracht – schon will Spandau Pilotbezirk werden: Gibt es bald Wassertaxis in Berlin?

Wassertaxis könnte es bald auch in Spandau geben.
Wassertaxis könnte es bald auch in Spandau geben.Foto: Manfred Thomas

Nicht für Flugtaxis, sondern für Wassertaxis setzt sich die CDU-Fraktion in Spandau ein. Ihr Antrag "elektrische Wassertaxis für Spandau" wurde von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Donnerstag ohne Aussprache beschlossen.

Damit wird nun das Bezirksamt beauftragt, "sich beim Senat von Berlin dafür einzusetzen, dass bei der durch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) angekündigten Förderung elektrischer Wassertaxis" Spandau Pilotbezirk wird. "Mit seinen zahlreichen Wasserflächen bietet sich Spandau an für die Einführung von Wassertaxis", so die CDU. Nicht nur im Spandauer Süden könnten sie den landgebundenen Verkehr entlasten.

Über die Idee hatten wir zuvor im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau berichtet - hier der Link. Das Wort 'Taxi' führt etwas in die Irre; eher geht es um schwimmende Busse.

Vor einem Jahr hatte Gewobag-Chefin Snezana Michaelis im Tagesspiegel-Interview mit dem Spandau-Newsletter gesagt: "Ich habe in Konstanz studiert. Die Stadt nutzt das Wasser vor der Tür ganz selbstverständlich. Ich bin mit der Fähre quasi zum Hörsaal gefahren. Warum sollte Spandau nicht die breite Havel nutzen und Wassertaxis zur Altstadt anbieten? Es ist nie falsch, Visionen zu haben."

Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) zeigte sich von der Idee jetzt auch angetan: "Es wäre auf jeden Fall eine Bereicherung für den Bezirk", sagte er dem Tagesspiegel. Er sei gespannt, ob sich ein solches Projekt realisieren lasse. Einen Antrag für Wassertaxis habe es im Jahr 2008 schon einmal gegeben.

Auch im letzten Jahr wurde bereits über die Einführung in Berlin diskutiert. Der Kapitän Gerhard Heß und sein Unternehmen SpreeCab wollten 2004 Wassertaxis umsetzen, scheiterten jedoch. Unter anderem, weil die meisten Anlegestellen in Berlin in privater Hand sind.

In Potsdam gibt es bereits zwei Wassertaxis, die jedoch eher wie Linienbusse auf dem Wasser funktionieren: es werden feste Stationen nach einem Fahrplan bedient. So ähnlich soll es auch in Spandau werden.

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Senatorin Pop hatte die Wassertaxis für Berlin zuletzt im Tagesspiegel-Checkpoint am 27. Juni ins Spiel gebracht, "selbstverständlich" mit Elektrobetrieb. Sie wird gefragt, ob sie im Urlaub etwas gesehen habe, was Berlin auch gut gebrauchen könnte. Pop antwortet: "Berlin ist eine Stadt mit viel Wasser, wie viele andere Metropolen weltweit auch. Dort werden auch die Wasserwege für den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Warum führen wir nicht auch in Berlin Wassertaxis ein?" Spandau prescht nun vor und will Pilotbezirk werden. Auch wenn die Pressestelle der Senatsverwaltung für Wirtschaft dem Tagesspiegel gegenüber sagte, Pop habe niemals eine Förderung von Wassertaxis angekündigt, wie es die CDU-Fraktion Spandau in dem Antrag behaupte.

Thorsten Schatz, Pressesprecher der CDU-Fraktion, sagte auf Nachfrage: "Wir haben die Aussagen der Wirtschaftssenatorin so verstanden, dass sie die Einführung von elektrischen Wassertaxen im Land Berlin nicht nur begrüßen, sondern auch vorantreiben will. Wir bedauern, dass dem offenbar nicht so ist." Dennoch wolle die CDU an der Idee und dem Antrag festhalten, da insbesondere "die Menschen in den Außenbezirken schon heute pragmatische Lösungen brauchen, um ohne das eigene Auto schnell von A nach B zu kommen."

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