Rundgang durch den BER : Daldrup: „Sehen Sie, eine Tür, die funktioniert!“

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup führt durch das BER-Hauptterminal. Die Botschaft: Alles im Griff, Abflug Oktober 2020. Aber wo sind die Arbeiter?

Beste Laune. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup präsentierte die Baustelle in Schönefeld am Mittwoch mit einem Schuss Ironie.
Beste Laune. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup präsentierte die Baustelle in Schönefeld am Mittwoch mit einem Schuss Ironie.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Die Reise ins Innere des BER beginnt am Südpier, einem der Seitenflügel des künftigen Berliner Airports. Und der Tourguide, es ist Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, präsentiert sich in bester Laune, mit BER-Ironie, die zu dieser Baustelle gehört: „Sehen Sie, eine Tür, und sie funktioniert!“ Die Flughafengesellschaft hat am Mittwoch zu einem Rundgang durch den Hauptstadtflughafen geladen, nach langer, langer Pause. Das letzte Mal war das im Oktober 2016, noch unter dem damaligen Chef Karsten Mühlenfeld. Auch damals hatte der Rundgang genau hier im Südpier begonnen. Auch damals schon hatten alle stolz vorgeführt, dass hier alles funktionierte, Laufbänder, Türen.

Wenn den Journalisten zum zweiten Mal ein lange fertiges BER-Gebäude gezeigt wird, von der Bauaufsicht abgenommen, an die Betriebsabteilung übergeben, wenn Lütke Daldrup stolz die VIP-Lounge zeigt, von der Kantine erzählt, „die nächsten Monat eröffnet“, dann muss das Gründe haben. Und das sind natürlich die verbreiteten Zweifel in der Politik und Bevölkerung, ob es mit dem BER noch etwas wird, ob die Technikprobleme überhaupt noch in den Griff bekommen werden können.

Ein Mann, der bislang nie im Rampenlicht stand

Und das Südpier soll der Beweis sein: 320 Meter lang, neun Fluggastbrücken, ausgelegt für die Abfertigung von sechs Millionen Passagieren, mit allem drum und dran an Technik wie im Großen Hauptterminal. Am besten kann das ein Mann erklären, der bislang nie im Rampenlicht stand, der an diesem Tage erstmals dabei ist. Er heißt Peter Herrmann, ist seit einem halben Jahr der Chef der BER-Baustelle, der Oberbauleiter für das Fluggastterminal, dort Nachfolger von Technikchef Jörg Marks, direkt Lütke Daldrup unterstellt. Er hat nach dem Nordpier auch das Südpier hinkriegt, soll es nun im Hauptterminal schaffen. „Alles, was es im Fluggastterminal gibt, gibt es hier auch“, erklärt Herrmann. 2012 sei auch das Südpier nicht abnahmefähig gewesen, auch hier habe es Mängel an Sprinkleranlage, Brandmeldeanlage und der Sicherheitsstromversorgung gegeben. „Von der Anlagesystematik ist es ein kleines Fluggastterminal.“ Was haben Sie dafür im Südpier gelernt? „Alles!“

Und weil man im Südpier alle Prozesse durchlaufen hat, erklärt BER-Chef Lütke Daldrup, sei man sich so sicher, dass das auch beim Fluggastterminal gelingt und der Eröffungstermin im Oktober 2020 sicher stehe.

Nun ja, auch im Hauptterminal sieht beim Rundgang eigentlich alles so aus wie im Oktober 2016. Die Deckenklappen sind geöffnet. Man sieht neu verlegte Leitungen, rote Sprinklerrohre, aber keine – das ist anders – lose herumbaumelnde Kabel mehr. Dafür putzt ein Arbeiter – man sieht kaum welche – in stoischer Ruhe den Stab aus den Rillen einer Lüftungsklappe. Warum sieht man auf der Baustelle keine Arbeiter? „Weil wir mit den Arbeiten weitgehend fertig sind“, antwortet Lütke Daldrup. Man sei ja nicht mehr in der Phase des Bauens, „sondern des Prüfens und der Mängelbeseitigung“.

„Der Flughafen hat eine lichte, transparente Anmutung“

Und tatsächlich gibt der BER-Chef für das Problem der Türen und Sprinkler, mit denen 2017 die Absage des BER-Starts 2017 begründet worden war, nun Entwarnung. Die Türen seien fertig und der Umbau der Sprinkleranlage werde „im April, Mai 2018“ abgeschlossen sein. Dafür bestätigt Lütke Daldrup eine Meldung dieser Zeitung, dass Siemens mit der Programmierung für die Entrauchungsanlage jetzt in Teilen noch mal von vorn beginne, damit diese auch sicher funktioniere. Die Software werde Ende des Jahres fertig sein, die Bauarbeiten insgesamt im ersten Quartal 2019. Man habe genügend Reserven. Er wiederholt es mehrfach, die Eröffnung im Oktober 2020 sei nicht gefährdet.

Zwischendurch gerät der eher als trockener Typ bekannte BER-Chef beim Blick aus dem Terminal auf das Rollfeld schon mal ins Schwärmen. „Der Flughafen hat eine lichte, transparente Anmutung“, sagt Lütke Daldrup. „Wir haben es hier, Gott sei Dank, mit einer zeitlosen Architektur zu tun.“

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