Verlängerung der U8 : Wenn die Bahn kommt, fehlt der Bus

U8 bis ins Märkische Viertel zu verlängern? Das hält ein Planer für falsch. Er sagt, die Anbindung würde für die meisten Bewohner faktisch schlechter.

In den vergangenen Jahren wurde das Märkische Viertel grundsaniert.
In den vergangenen Jahren wurde das Märkische Viertel grundsaniert.Foto: Thilo Rückeis

Eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel würde viel Geld kosten – und für viele Bewohner des Hochhausviertels die Anbindung verschlechtern. Dies sagte ein Verkehrsplaner dem Tagesspiegel. Denn an dem Tag, an dem eine U-Bahn eröffnet würde, würde der Busverkehr eingeschränkt.

Seit 25 Jahren endet die U8 am Rande des Märkischen Viertels am S-Bahnhof Wittenau. Fast alle Bewohner müssen hier in den Bus steigen, dieses Netz gilt aber als ausgezeichnet. Es gibt Direktverbindungen in dichtem Takt zu allen wichtigen Nah- und Mittelzielen.

Das Viertel ist sehr weitläufig. Zwei U-Bahnhöfe könnten nur einem kleinen Teil der 50.000 Bewohner einen attraktiven Schnellbahnanschluss bieten. Denn in der Reinickendorfer Trabantenstadt liegen viele Hochhausriegel an den Rändern, nämlich am Dannenwalder Weg oder am Senftenberger Ring.

Dazwischen liegen große Gebiete mit Einfamilienhausbebauung, Kleingärten und Gewerbegebiete. „Diese periphere Anordnung der Wohnschwerpunkte schließt selbst eine relativ grobe Erschließung durch eine Schnellbahn zwangsläufig aus“, sagte der Planer, der europaweit Erfahrung mit der Anbindung von Großsiedlungen hat.

In der Gropiusstadt war das besser gelöst: Hier liegen die Wohnblöcke rund um die U-Bahnhöfe der U7.

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Ältere Pläne sahen noch vor, die Gleise nach dem Märkischen Zentrum zum Senftenberger Ring weiterzuführen. Dies ist schon gestrichen worden, schließlich ist seitdem die Mauer gefallen. Mit einer Endstation am Senftenberger Ring, also gen Westen, wäre eine spätere Anbindung von Pankow, also gen Osten, für alle Zeiten unmöglich. Im aktuellen Flächennutzungsplan ist die Trasse nur frei gehalten bis zum Märkischen Zentrum.

Senat prüft Verlängerung der U7 nach Staaken

Im April 2016 hatten der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der damalige Verkehrssenator Andreas Geisel (beide SPD) eine Verlängerung der Linie angekündigt – mit dieser Einschränkung: Das Geld dafür muss da sein. Ein halbes Jahr später stoppte die neue rot-rot-grüne Koalition alle U-Bahn-Projekte. Der Koalitionsvertrag war wiederum ein gutes Jahr später Makulatur: Auf Druck der SPD wurde die grüne Verkehrsverwaltung beauftragt, „Machbarkeitsstudien“ für drei Verlängerungen zu erstellen.

Für die U6 aufs Gelände des heutigen Flughafens Tegel, für die U7 zum Flughafen Schönefeld/BER – und eben für die U8. Nun soll noch eine vierte Studie für das andere Ende der U7 hinzukommen, sagte der Sprecher der Verkehrsverwaltung, Jan Thomsen. Auch diese Verlängerungsidee in die Großsiedlung Heerstraße Nord im Spandauer Westen (Ortsteil Staaken) ist Jahrzehnte alt.

Thomsen sagte, dass die ersten drei Studien im ersten Halbjahr 2020 fertig sein sollen. Die anschließende politische Diskussion werde sicher spannend, sagte der Sprecher. Der Brief liegt seit letzter Woche dem Rathaus Spandau vor. Bekanntlich lehnen die Grünen neue, teure U-Bahnen ab und setzen auf die Straßenbahn.

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Seit Ende der 60er Jahre hatte die Politik den Menschen im MV eine U-Bahn versprochen. Als vor genau 25 Jahren die U8 bis Wittenau eröffnet wurde, musste der damalige Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) gestehen, dass das Geld alle sei, ein Weiterbau „nicht sinnvoll“. Dabei ist es diese 25 Jahre geblieben. Befürworter einer Verlängerung betonen immer, dass 600 Meter Tunnel ja bereits vorhanden seien, der Bau also günstig sei. Die CDU hatte 2016 die niedrige Summe von 85 Millionen genannt. Begründung: „Der Tunnel liegt seit Jahren da.“ Der Planer betonte hingegen, dass am Ende des neuen Tunnels ja eine Kehranlage gebaut werden müsse für die Züge. Ein Verzicht würde den Betrieb störanfällig machen.

Der Bau der U8 von der Osloer Straße in Richtung Märkisches Viertel war aus damaliger West-Berliner Sicht verständlich: Die S-Bahn, die schon immer am Rand des Viertels vorbeifuhr, wurde schließlich von der DDR-Reichsbahn betrieben – aber nur bis Januar 1984. Aber auch danach, bis zum Mauerfall, setzte der Senat auf die U-Bahn. Der Fahrgastverband Igeb kritisierte Ende 1989, dass der Senat einen zusätzlichen S-Bahnhof Schorfheidestraße südlich von Wittenau „verhindert“ habe. Dieser Haltepunkt hätte dicht an den Blöcken am Dannenwalder Weg gelegen. Von dieser Station war zuletzt nie mehr die Rede.

Dafür bekommt das Viertel schon in einigen Jahren eine zusätzliche Anbindung. Bekanntlich soll die Heidekrautbahn reaktiviert werden, zunächst bis Wilhelmsruh. Nach Gesundbrunnen werden die Züge aber frühestens 2028 rollen.

Und zum Schluss ein Tipp aus dem Reinickendorf-Newsletter vom Tagesspiegel: Am 12. Oktober wird nun am U-Bahnhof Olympiastadion einen Ausstellung eröffnet zum Thema. Titel: „Eröffnung U 8 zwischen Paracelsus-Bad und Wittenau“.

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