Ich hoffe, dass es bei mir bei den zehn Minuten bleibt

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Vorsorgeuntersuchungen bei Männern : Ich hab’s gecheckt
Tastet die Prostata ab. Der Urologe Frank König von der Praxis Aturo.
Tastet die Prostata ab. Der Urologe Frank König von der Praxis Aturo.Foto: Mike Wolff

Das Screening dauert in der Regel zehn Minuten. „Wenn man nichts findet“, sagt der Hautarzt Thomas Bauer, in dessen Praxis in Wilmersdorf ich mich nun – im wahrsten Sinne des Wortes – oberflächlich begutachten lasse. „Wenn etwas verdächtig erscheint und genauer untersucht werden muss, dann dauert es länger.“ Ich hoffe sehr, dass es bei mir bei den zehn Minuten bleibt.

Der Arzt bittet mich, bis auf die Unterhose meine Kleidung abzulegen. Er breitet ein Blatt Papier auf dem Boden aus, auf dass ich mich barfuß stelle. Von Kopf bis Fuß werde ich nun zunächst etwas grober für den allgemeinen Überblick in Augenschein genommen. Anschließend begutachtet Bauer meine Haut mit einem Dermatoskop, eine Art Speziallupe mit einer starken Lichtquelle, jeden kleinsten Punkt auf der Haut, der ihm mit seiner jahrelangen Erfahrung untersuchungswürdig erscheint. Hautkrebsscreening ist eine Erfahrungssache. „Ein Hautarzt lernt während seines gesamten Berufslebens immer mehr dazu, um Hautkrebs in immer früheren Stadien entdecken zu können.“ Bauer macht das seit 25 Jahren, hat also einen großen Erfahrungsschatz.

Auf dem Kopf, im Mund, auf den Fußsohlen

Selbst unter den Haaren auf dem Kopf, im Mund, vor allem am Zungengrund, und auf den Fußsohlen schaut Bauer genau hin. Finger und Zehenzwischenräume kommen ebenso dran, wie der Schambereich. Und auch die Pobacken spart der Arzt nicht aus. Denn auch da kann der Hautkrebs lauern. Er fahndet sowohl nach schwarzem wie auch nach dem – weniger gefährlichen, weil nicht metastasierenden – weißen Hautkrebs. Und er fragt nach, ob mir selbst Hautveränderungen aufgefallen sind. Na ja, die eine oder andere schon, sage ich. Oder eigentlich frage ich das: Ist das was, Herr Doktor? Dann kommt oft von ihm die ebenso beruhigende wie ernüchternde Auskunft: Kein Krebs, aber eine alterstypische Erscheinung. Alterstypisch ...

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Und natürlich berücksichtigt der Arzt auch frühere Screenings, so man denn bereits bei ihm war, und prüft, ob sich in den vergangenen zwei Jahren auf der Haut etwas verändert hat. Entweder er hat sich beim letzten Mal Notizen in der Patientenakte gemacht oder von verdächtigen Arealen Videoaufnahmen gespeichert, um zwei Jahre später den Stand vergleichen zu können.

Findet Bauer ein krebsverdächtiges Muttermal, eine Warze oder eine auffällige Hautveränderung, schneidet er sie sofort heraus. Und schickt das Gewebe ins Labor, wo der Krebsverdacht unter dem Mikroskop geklärt werden kann. Erst dann ist Sicherheit da. Es ist also möglich, dass ein Patient beunruhigt werden muss. „Es dauert bis zu zwei Wochen, bis das Ergebnis vorliegt.“ Bauer ist vom Hautscreeningprogramm überzeugt. „Es werden immer kleinere Melanome in frühen Stadien entdeckt.“ Ich werde wohl in zwei Jahren wieder meine Haut zum Doktor tragen.

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