Angst vor Hunden

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Wie gefährlich ist Berlin? : Ohne Angst durch die Stadt
Hunde beißen oft aus Unsicherheit. Man kann lernen, wie man sich ihnen richtig nähert.
Hunde beißen oft aus Unsicherheit. Man kann lernen, wie man sich ihnen richtig nähert.Foto Kitty Kleist-Heinrich

Angst vor Hunden: Woher kommt die Angst?

Es gibt naheliegende Erklärungen dafür, fundiert nachgewiesen sind nur wenige. Erwiesenermaßen oft speist sich die Angst aus erlebten oder erlittenen Attacken der Tiere, aus der medialen Berichterstattung darüber und dem Hörensagen – und nicht zuletzt aus einer einfachen Tatsache: Manche Hunde sind augenscheinlich große, kräftige Tiere. Mit Fangzähnen.

Für den Urmenschen und seine Vorgänger könnte ein evolutionärer Vorteil darin bestanden haben, Angst vorm Hunde- Vorgänger Wolf gehabt zu haben. Wer sich von ihm fernhielt, hatte womöglich bessere Überlebenschancen, auch hinsichtlich der eigenen Ernährung. Denn Wölfe konnten Menschen nicht nur gefährlich werden, sie waren auch Nahrungsmittelkonkurrenten. Das verschärfte sich spätestens im Mittelalter – 813 erließ Karl der Große ein Gesetz, jeder Graf habe zwei Wolfsjäger zu ernennen. 999 Jahre später erschien erstmals die Märchensammlung der Brüder Grimm, inklusive „Der Wolf und die sieben Geißlein“ und „Rotkäppchen“.

Ist die Angst begründet?

Hunde beißen. 105 000 waren im Jahr 2016 in Berlin gemeldet, die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz nennt für dasselbe Jahr 614 „Fälle, in denen Menschen verletzt oder angesprungen wurden“. Die Zahl „beruht auf Meldungen, die bei den Bezirksämtern eingegangen sind“.

Was tun gegen die Angst?

Friederike Range sagt: „Wir wissen nicht, wie man sie überwindet.“ Range ist Verhaltens- forscherin in Wien, spezialisiert auf Wölfe und Haushunde, vor zehn Jahren gründete sie ein Wolfsforschungszentrum. Gerade bereitet sie eine Forschungsarbeit zum Thema „Angst vor Hunden“ vor, zu ihrem Erstaunen fand sie kaum Fachliteratur dazu, keine Studie, nur einige oberflächliche Frage- bogen-Untersuchungen. Einzig belegt sei der Umstand, dass Menschen, die als Kind schon Erfahrungen mit Hunden machen konnten und mit Hunden aufwuchsen, später weniger Angst vor den Tieren hätten als andere Menschen. Auch dann, wenn sie selbst einmal attackiert worden sind.

Ob sie selber angstfrei sei? „Nein. Wenn da ein großer Hund ist, bin ich vorsichtig. Es gibt bei uns einige Wölfe im Gehege, zu denen ich eher reingehen würde als zu großen Hunden.“ Denn Wölfe kommunizierten beispielsweise mehr als Hunde. Ein Blick, ein Knurren, ein sich Dem-Menschen-in-den-Weg-stellen, „man kriegt definitiv eine Warnung“, bevor es blutig werden könnte. Rica Lenz und Michael Breest, beide Tierschutzberater beim Berliner Tierschutzverein, empfehlen ängstlichen Menschen zwei Strategien für Alltagsbegegnungen mit Hunden. Die erste: dem Tier keine Beachtung schenken. Es nicht anschauen, nicht davonlaufen – also nichts tun, was wiederum das Interesse des Hundes wecken oder von ihm sogar als Bedrohung empfunden werden könnte. „Sich nicht über ihn beugen zum Beispiel“, sagt Lenz, „nicht von oben streicheln.“ Breest sagt, wer Angst hat, weil er eine unangenehme Erfahrung mit Hunden gemacht hat, könnte auch sein eigenes Verhalten hinterfragen. Was habe ich falsch gemacht, hat sich das Tier möglicherweise bedroht gefühlt? Das dabei Gelernte helfe bei künftigen Begegnungen. Hunde beißen oft aus Angst und Unsicherheit.

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