• Wohn- und Mobilitätskosten für Berlin und Brandenburg: Ein neuer Online-Rechner zeigt, ob sich das Pendeln lohnt

Wohn- und Mobilitätskosten für Berlin und Brandenburg : Ein neuer Online-Rechner zeigt, ob sich das Pendeln lohnt

Im Umland wohnen oder doch lieber in der Stadtmitte? Bei der Entscheidung soll der neue Wohn- und Mobilitätskostenrechner der VBB helfen.

Wer aus Berlins Zentrum wegzieht, kann viel Miete sparen – hat aber dann auch höhere Transportkosten.
Wer aus Berlins Zentrum wegzieht, kann viel Miete sparen – hat aber dann auch höhere Transportkosten.Foto: imago/Emmanuele Contini

Lieber in der Innenstadt wohnen, wo die Mieten hoch und dafür die Kosten für die Fahrt zum Arbeitsplatz vergleichsweise gering sind? Oder doch zum Stadtrand, wo das Wohnen in der Regel billiger, die Fahrtkosten dafür aber höher sind? Oder gleich ins mietgünstigere Brandenburg mit den dann langen – und teureren – Wegen in die Stadt? Berlin und Brandenburg wollen bei der Antwort helfen und haben den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beauftragt, einen „Wohn- und Mobilitätskostenrechner (WoMoKo)“ zu entwickeln. Am Mittwoch haben sie ihn vorgestellt. Das Erstellen des Programms hat 150.000 Euro gekostet, die die Länder aufbringen.

Das Modell ist eine Kombination aus verlässlichen Daten und Annahmen. Viele der vorgegebenen Werte können aber individuell angepasst werden. Grundlage der Wohnkosten sind Daten zu den durchschnittlichen Immobilienkaufpreisen und Nettokaltmieten, die ein darauf spezialisiertes Büro ermittelt hat und von ihm eingekauft worden sind.

Auf Durchschnittswerten beruhen auch die Wohnnebenkosten, wobei das Heizen, der Stromverbrauch, die Warmwasseraufbereitung, das Frisch- und Abwasser sowie weitere Faktoren wie Müllabfuhr und Straßenreinigung sowie unter anderem Grundsteuer und Instandhaltung berücksichtigt sind.

Bei den Besitzkosten fürs Auto greift WoMoko auf Kostenangaben des ADAC zurück, die den Anschaffungspreis, Werkstattkosten, Steuern und den Wertverlust enthalten. Zudem fließen Zulassungsdaten des Kraftfahrtbundesamtes in die Rechnung ein. Dabei lässt sich zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen wählen. Vom Kleinwagen bis zum Van. Sogar die Entfernungspauschale ist enthalten.

Eine Entscheidungshilfe im Netz

Leicht sind die Aufwendungen für Fahrten mit Bahnen und Bussen zu ermitteln; die Tarife im VBB stehen fest. Das Modell rechnet die Kosten für ein Jahresabo auf den Monat um. Und hier sieht Staatssekretär Jens-Holger Kirchner von der Senatsverkehrsverwaltung einen Vorteil: „Die Kosten des Nahverkehrs bleiben auch in den nächsten Jahren überschaubar; beim Auto weiß man nicht, wie sie sich entwickeln“, sagte Kirchner.

Nach Ansicht von VBB-Chefin Susanne Henckel zeigt der WoMoKo „grundsätzliche Wirkungszusammenhänge“ und Kostenunterschiede zwischen den verschiedenen Standorten mit hinreichender Genauigkeit auf und erleichtert so die Wahl des Wohnortes – egal, ob für geplante Umzüge von Berlinern oder für Zuziehende.

Eine Entscheidungshilfe gibt es gleich beim Start des Programms: Die erwarteten Zeiten für den Weg vom Wohnsitz zum Arbeitsplatz; zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bahnen und Bussen oder mit dem Auto. Wer wissen will, welches Verkehrsmittel preislich das günstigste ist, muss das Programm zwei Mal durchlaufen; einmal für Fahrten im Nahverkehr und nochmals dann für die Autonutzung. Wo der günstigste Wohnort wäre, kann WoMoKo nicht selbst ermitteln. Auch kombinierte Fahrten, bei denen das Auto und Bahnen oder Busse genutzt werden, ist – noch – nicht möglich.

Das Programm ist auch noch nicht komplett. In Brandenburg reicht es nach Angaben von Staatssekretärin Ines Jesse vom Infrastrukturministerium bisher bis zu den Kommunen „in der zweiten Reihe“ – etwa Rheinsberg im Norden, Frankfurt (Oder) im Osten, Lübben im Süden oder Rathenow im Westen. Das Modell solle aber auf das ganze Land ausgedehnt werden. Und die Daten würden regelmäßig aktualisiert, sagte Henckel.

Ähnliche Berechnungen gibt es bereits in München und Hamburg. Die Hansestadt bietet sogar verschiedene Zeiten bei der Fahrt an, um zum Beispiel im Nahverkehr ein günstigeres 9-Uhr-Ticket nutzen zu können. Zudem geht man dort einen anderen Weg. Nach der Eingabe des Arbeitsplatzes zeigt eine Übersicht des gesamten Hamburger Verkehrsverbundes, wie hoch die Wohn- und Mobilitätskosten jeweils sind. Aber auch ein Rechnen mit exakten Adressen ist möglich. Und es zeigt erwartungsgemäß: Hamburg ist – noch – teurer als Berlin.

Der Rechner im Internet: www.vbb.de/womoko

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