ZDFneo-Serie "La Zona" : Nicht immer Nordic Noir

Die Angst vor dem Atom-Gau: ZDFneo holt mit „La Zona“ die erste spanische Serie ins Programm.

Kommissar Hector Uría (Eduard Fernández) hat den Atom-GAU überlebt.
Kommissar Hector Uría (Eduard Fernández) hat den Atom-GAU überlebt. Jetzt sucht er einen Kannibalen.Foto: Movistar/ZDF

„Warst du in letzter Zeit in der Zone?“ Diese Frage verfolgt Hector Uría (Eduard Fernández). Der Kommissar aus Spaniens Norden ist ein Held, zumindest anfangs umgab ihn dieser Nimbus. Vor drei Jahren, als es in einem Kernkraftwerk zum GAU kam, holte er in vorderster Front Menschen aus der Strahlungszone. Er war nicht der Einzige, der sich selbstlos den Strahlen stellte. Der Unterschied ist: Die anderen sind danach qualvoll verreckt, er überlebte – was ihn in der Polizei zunehmend zu einem Außenseiter macht. Und seine aktuellen Ermittlungen erschwert. In der abgesperrten Zone wurde in einer von Schmugglern genutzten Lagerhalle eine an den Füßen aufgehängte Leiche gefunden. Wölfe haben sich daran bereits gütlich getan, bei der Autopsie werden aber auch menschliche Bissspuren entdeckt. Horror trifft Thriller, der über den Krimi hinausgeht.

Die Angst vor einem Atomunfall und vor radioaktiver Verstrahlung wird 33 Jahre nach der Reaktorschmelze von Tschernobyl derzeit gleich mehrfach in Serien thematisiert. Auf Sky erinnert „Chernobyl“ aktuell daran, wie dicht Europa 1986 am Rande des Abgrunds stand. Im Juni startet auf Netflix der zweite Teil der Grimme-Preis-gekrönten deutschen Serie „Dark“. Auch hier spielen die Gefahren der Kernkraft eine gewichtige Rolle. Und nun zeigt die achtteilige Serie „La Zona – Do not cross“ auf ZDFneo, dass die Angst vor der Kernenergie in Spanien genauso existiert wie in Deutschland.

Den Ausstieg beschlossen

In Spanien hat die Atomkraft zwar nicht die gleiche Bedeutung wie im Nachbarland Frankreich, gleichwohl sind dort laut Wikipedia noch immer sieben Akws am Netz. Der älteste Reaktor ging 1983 in Betrieb, aber selbst das jüngste Kernkraftwerk läuft inzwischen seit über 30 Jahren. Ebenso wie Deutschland hat Spanien beschlossen, sich von der Kernkraft zu verabschieden. 2020 ist der angepeilte Termin, bis zur kompletten Abwicklung könne es allerdings etwas länger dauern – aber laut spanischer Regierung "nicht über 2040 hinaus“.

„La Zona“ ist aber auch in anderer Hinsicht spannend. Für ZDFneo ist es die erste Zusammenarbeit mit einem südeuropäischen Kooperationspartner. Dabei könnte sich Spanien durchaus als Gegenpol zu den skandinavischen TV-Partnern und dem Nordic Noir entwickeln. Dass die Spanier sich auf besondere Serien verstehen, hat insbesondere „Das Haus des Geldes“ (Netflix) gezeigt. Aber auch die von Sky lizensierte Serie „Die Pest“ oder „Élite“ über den Culture Clash an einer spanischen Renommierschule haben Ausrufezeichen gesetzt.

„La Zona“ schöpft die Spannung dabei aus verschiedenen Quellen. Was hat es mit Hectors unerklärlicher Gesundheit auf sich? Welches Spiel treibt sein offenbar korrupter Polizei-Partner Martín Garrido (Álvaro Cervantes) mit den Schmugglern? Diese Fragen stellen sich auf der Krimiebene. Gibt es tatsächlich Kannibalen in der abgesperrten Zone? Und haben die Jäger, die gegen die Überpopulation von Wölfen und anderen Tieren eingesetzt werden, tatsächlich den Auftrag zur Menschenjagd? Mit diesen Fragen weitet sich der Serien-Horizont. Fest steht: In „La Zona“ sterben die Menschen nicht nur an den Folgen der Radioaktivität, sondern auch durch Menschenhand.

Von Spanien nach Fukushima

Hinterfragt wird zugleich die Rolle des Staates. Drei Jahre nach dem Akw-Unfall wird ein Teil der verlassenen Zone, in der die Radioaktivität deutlich zurückgegangen ist, wieder besiedelt. Doch ist es wirklich verantwortbar, Menschen dort leben zu lassen, wenn ihnen verboten werden muss, Lebensmittel anzubauen. Gerade bei dieser Frage landet man schnell bei Japan und dem Umgang mit der Kernschmelze von Fukushima im Jahr 2011. Kurt Sagatz

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„La Zona – Do not cross“, ZDFneo, ab Samstag, 22 Uhr, in Doppelfolgen. Ab Samstag alle Folgen in der Mediathek.

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