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Brände in Europa : Schweden bemüht sich um weitere internationale Hilfe

In Griechenland steigt die Zahl der Toten weiter, insgesamt entspannt sich die Lage aber. In Schweden herrscht weiter Alarmstufe rot.

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Ein Löschhubschrauber versucht in Mittelschweden, einen Brand zu bekämpfen.
Ein Löschhubschrauber versucht in Mittelschweden, einen Brand zu bekämpfen.Foto: Jonathan Nackstrand/AFP

Während das Ausmaß der Brandkatastrophe in Griechenland mit inzwischen 83 Toten immer deutlicher wird, die Lage sich aber insgesamt entspannt, kämpfen die Rettungskräfte in Schweden darum, dass sich die Situation nicht weiter verschlimmert. Wie Premier Stefan Löfven mitteilte, habe die Regierung dem Zivilschutz MSP die Möglichkeit gegeben, um Hilfe von der Nato und von Staaten, die in der sogenannten Partnerschaft für Frieden organisiert sind, zu bitten. Darunter ist beispielsweise auch Russland. Hintergrund sei auch, dass die internationalen Resourcen wegen der in ganz Europa wütenden Brände umverteilt werden müssten. So werden zwei italienische Löschflugzeuge abgezogen; sie sollen in Griechenland helfen.

Deutsche Feuerwehren helfen in Schweden

Es sind bereits zahlreiche Einsatzkräfte aus dem Ausland in Schweden, darunter auch deutsche Feuerwehrleute. Seit Montag ist ein niedersächsisches Team mit 53 freiwilligen Feuerwehrleuten und elf Fahrzeugen in Schweden. Ein Bayreuther Hilfeleistungskontingent der Feuerwehren aus Stadt und Landkreis Bayreuth steht mit 60 Freiwilligen und 25 Fahrzeugen bereit. Der Kreisfeuerwehrverband spricht von einem Einsatzumfang, "den es so noch nicht gegeben hat". Sieben Tage Einsatzzeit sind veranschlagt, hinzu kommt die Anfahrt von fast zwei Tagen - eine Strecke beträgt 1.800 Kilometer.

Die Zahl der Brände schwankt bei anhaltender Hitze und Trockenheit täglich: Einige Feuer können gelöscht werden, andernorts brechen neue Wald- und Wiesenbrände aus. Am Donnerstagnachmittag gab der Zivilschutz die Zahl der Feuer mit 27 an. Löfven sagte: "Die Gefahr neuer Feuer ist groß, es ist nach wie vor eine extrem gefährlichen Lage." Auch der MSB teilte mit, die Situation könne jederzeit eskalieren.

Die griechische Flagge weht über der Akropolis auf Halbmast.
Die griechische Flagge weht über der Akropolis auf Halbmast.Foto: Theodora Tongas/AP/dpa

Löfven forderte seine Landsleute auf, sich unbedingt an die Anweisungen der Behörden zu halten und besonders das überall geltende Verbot von offenen Feuern zu befolgen. In einigen Regionen darf auch nicht mehr auf Privatgrundstücken gegrillt werden. Etwas Hoffnung macht den Schweden, dass für Teile des Landes am Wochenende erstmals wieder länger anhaltender Regen vorhergesagt ist. Nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes SMHI ist Ausbreitung und Intensität des Regen aber noch unsicher.

Erwogen wird, mit eingelagertem Schnee Feuer zu stoppen

Wegen der Lage im Land greifen die Einsatzkräfte zu ungewöhnlichen Mitteln und Ideen. Am Mittwoch warfen zwei Militärflugzeuge eine Bombe über einem der Feuer ab. Die Explosion verdränge den Sauerstoff und die Druckwelle sorge dafür, dass die Flammen im Umkreis von 100 Metern ausgingen, sagte ein Sprecher des MSB. Weitere Abwürfe seien geplant. Zudem wird erwogen, auf großen Halden im hohen Norden gelagerten Schnee vom Winter auf Lkw an die Ränder der großen Brände zu bringen, um damit die Flammen zu stoppen, wie die Zeitung "Dagens Nyheter" berichtete. Eigentlich wird dieser Schnee dazu benutzt, in den Wintersportgebieten einen früheren Saisonstart zu ermöglichen.

Nachdem in Griechenland die Zahl der Toten bei den Bränden im Osten Athens auf 82 gestiegen ist, werden noch immer rund 30 Personen vermisst. Die Feuerwehr teilte mit, Brände, die bewohnte Gebiete bedrohen könnten, seien unter Kontrolle oder gelöscht. Allerdings sind Hunderte Häuser zerstört oder schwer beschädigt worden.

Griechischer Bürgermeister: Gerissene Stromkabel lösten Brände aus

Die Feuerwehr machte bisher keine Angaben zur Brandursache. Der Bürgermeister von Penteli glaubt, dass gerissene Stromkabel in seinem Ort die Brände verursacht haben, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. "Ich habe eine abgerissene Leitung gesehen. Da hat alles angefangen", sagte Bürgermeister Dimitris Stergiou demnach im griechischen TV. Aus den gerissenen Kabeln hätten Funken gesprüht.

Die griechische Regierung vermutet kriminelles Fehlverhalten hinter den katastrophalen Waldbränden nahe Athen. Es gebe "ernsthafte Hinweise" darauf, dass das besonders zerstörerische Feuer am Küstenort Mati auf "kriminelle Handlungen" zurückgehe, sagte der stellvertretende Minister für Katastrophenschutz, Nikos Toskas, am Donnerstagabend vor Journalisten. Der Minister verwies auf Zeugenaussagen, auf die er aber nicht näher eingehen könne. Die Beweismaterialien seien der Justiz übergeben worden, die in der Sache ermittelt.

Die Brände waren am Montag nahe Athen ausgebrochen

Toskas sagte weiter, dass die Ausbreitung des Feuers in Mati durch "extreme Wetterbedingungen" begünstigt worden sei, die auf den Klimawandel zurückzuführen seien. Der Minister räumte ein, dass es "erhebliche Verluste" gegeben habe. Er habe Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Rücktritt angeboten - "aus Gewissensgründen, nicht wegen Fehlern", sagte Toskas. Der Ministerpräsident habe den Rücktritt aber nicht angenommen und entgegnet, dass "nun die Stunde des Kampfs" sei.

Die Brände waren am Montag vor allem in bei Touristen beliebten Küstenorten rund um Athen ausgebrochen. Bei der Katastrophe wurden so viele Menschen getötet wurden wie bei keinem anderen Feuer in Europa im 21. Jahrhundert.

Unklar war weiterhin, wie die Waldbrände dermaßen viel Schaden anrichten konnten. Die Zeitung "Kathimerini" berichtete von einem offenbar chaotischen Treffen von Behörden und Feuerwehr zur Vorbeugung derartiger Brände. (mit AFP, dpa)

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