Rosa Wippen an US-mexikanischer Grenze : Wippenzauber, Wippenqual

Hier schnelle Installation, dort ewiger Streit: Was die in Berlin geplante Einheitswippe mit den Wippen an der US-Grenze zu Mexiko verbindet.

28.07.2019, Mexiko, Ciudad Juarez: Eine Frau spielt mit Mädchen an einer Wippe, die am Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA angebracht ist. Die Wippe wurde von Ronald Rael, einem Professor für Architektur in Kalifornien, entworfen.
28.07.2019, Mexiko, Ciudad Juarez: Eine Frau spielt mit Mädchen an einer Wippe, die am Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA...Foto: Christian Chavez/AP/dpa7dpa-Bildfunk

Was für eine genial einfache Erfindung so eine Wippe ist! In der Mitte ein Ständer, darauf ein Balken mit jeweils einem Sitz am Ende, schon ist der Spaß am allergrößten. Doch gibt es solche und solche Wippen. Nicht nur die auf Spielplätzen, sondern auch die mit hoher symbolischer Aufladung, in Form von Kunstwerken und Denkmälern. Bei manchen von diesen speziellen Wippen ist alles ganz unproblematisch, so wie es sich für eine Wippe gehört, bei anderen im höchsten Maße kompliziert.

Kaum hatte vergangene Woche Donald Trump vom Obersten US-Gerichtshof ein „Go“ für den Bau einer Mauer an der Grenze zwischen Mexiko und den USA erhalten, installierte der amerikanische Architekturprofessor Ronald Rael mit seiner Kollegin Virginia San Fratello drei rosafarbene Wippen am Grenzzaun. Auf denen schaukeln jetzt sozusagen ganz Mexiko auf der einen, die USA auf der anderen Seite. Die Bilder der rosa Wippen sind millionenfach in den sozialen Medien geteilt worden, die Farbe knallt schön. Es braucht eigentlich auch nicht die Erklärung, was Rael und San Fratello mit ihrer Aktion bezwecken: Hier sei der Dreh- und Angelpunkt der Beziehungen zwischen den USA und Mexiko zu sehen, ein Auf auf der einen Seite bedeute stets ein Ab auf der anderen, die Auswirkungen sind beidseitig. Versteht sich, oder?

So soll sie mal aussehen, die Einheitswippe am Humboldt-Forum
So soll sie mal aussehen, die Einheitswippe am Humboldt-ForumFoto: AFP

Aber wie war das nochmal in Berlin, in unserer kleinen, lange Zeit von einer Grenze, einer Mauer durchzogenen Stadt? Mit dem Einheitsdenkmal, der sogenannten Einheitswippe? Seit 2011 geht es um Geld, um Denkmal- und Naturschutzbedenken, darum, ob der Platz am Humboldtforum der richtige sei, um Bauverzögerungen. Natürlich wurde auch darüber debattiert, ob die Wippe ein ideales Einheitsdenkmal ist. Ob sie mit ihrer Beweglichkeit wirklich die friedliche 89er-Revolution und die nachfolgende Einheit symbolisiert. Ob immer ausreichend Menschen darauf herumwippen – 1400 passen darauf –, um historische Pendelbewegungen nachzustellen? Und was musste nicht alles bedacht werden: rutschfeste Materialien, Schutznetze, Stahlverankerungen etc. Immerhin, die Wippe, sie kommt. Nicht jetzt, im November 2019, wie einmal geplant, zum 30-jährigen Mauerfalljubiläum, da kam noch der Bau der Regierungs-U-Bahn dazwischen, sondern 2021. Aber wer weiß.

Ob man sich in Berlin nicht ein Beispiel an der schnellen Wippeninstallation am mexikanisch-amerikanischen Grenzzaun nehmen kann? Es kann so einfach sein: hoch und runter, auf und ab, hin und her...

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