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Für den elektronischen Ausweis braucht man bisher ein entsprechendes Lesegerät – das soll sich nun ändern.

© dpa/Kai Remmers

Auf dem Smartphone: Digitaler Personalausweis soll dieses Jahr kommen

Geplant ist er schon lange, nun soll er bis Ende des Jahres kommen: der digitale Personalausweis auf dem Smartphone, die sogenannte Smart-eID.

In Skandinavien gibt es sie schon lange, in Estland sowieso: Eine digitale Identität. Mit dieser können sich Bürger:innen online ausweisen, ein Konto eröffnen oder Staatsleistungen beantragen. Jetzt sollen auch die Deutschen einen Personalausweis auf dem Smartphone bekommen, die sogenannte Smart-eID. Ein genaues Datum steht noch nicht, aber bis Ende des Jahres soll es so weit sein, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag zu digitalen Identitäten.

Mit dem klassischen Personalausweis im Kartenformat können sich Bürger:innen schon lange im Netz identifizieren. Der 2010 eingeführte neue Personalausweis wurde dazu mit einem Chip ausgestattet, in dem persönliche Daten wie Name, Alter und Adresse gespeichert sind. Um die Daten auszulesen, musste der Personalausweis aber noch in ein Kartenlesegerät gesteckt werden, das mit dem Computer verbunden ist. Das wollte sich aber kaum jemand zulegen, auch weil es nur eine Handvoll Angebote im Netz gab, für die man sich mit dem Personalausweis identifizieren konnte.

10
Prozent gaben in einer Umfrage des Digitalvereins D21 an, die Onlinefunktion des Ausweises genutzt zu haben

Zwei Nachbesserungen sollten die Nutzungsrate in die Höhe treiben: Der Personalausweis kann inzwischen über die AusweisApp2 mit dem Smartphone ausgelesen werden, man muss sich also kein extra Kartenlesegerät zulegen. Zudem wird die Onlineausweisfunktion seit 2017 automatisch aktiviert, zuvor mussten Bürger:innen das auf dem Bürgeramt aktiv bestätigen.

Der Personalausweis soll auf dem Smartphone abgelegt werden

Die Nutzungsraten bleiben jedoch bis heute eher niedrig: In der Zeit von Januar 2020 bis einschließlich Juni 2023 wurde die Funktion etwa 19,73 Millionen Mal genutzt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Davon entfällt mit 10,8 Millionen der Großteil auf die vergangenen zwölf Monate. In einer Umfrage des Digitalvereines D21 gaben 2022 nur zehn Prozent an, die Onlineausweisfunktion genutzt zu haben.

Mit der Smart-eID soll die Karte nun ganz wegfallen: Statt den Ausweis bei jeder Anmeldung ans Handy zu halten, um die Daten auszulesen, soll der Personalausweis direkt auf dem Smartphone abgelegt werden. Dazu werden die Daten in einem besonders sicheren Chip gespeichert. Das Projekt hat eine lange Geschichte hinter sich: Eigentlich sollte die Anwendung schon im Juni 2021 an den Start gehen – doch das Stichdatum verstrich. Seitdem wird das Startdatum immer weiter nach hinten verschoben. „Ein konkretes Datum kann ich nicht nennen“, sagte Bundes-CIO Markus Richter auf Rückfrage im März.

Die Anwendung wird zunächst nur auf wenigen Geräten laufen

Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass die Smart-eID nur „eine Komfortfunktion“ neben dem elektronischen Personalausweis sei, der weiter gepusht werden soll. Insgesamt sind 89,86 Millionen Euro in die Entwicklung der Komfortfunktion geflossen, heißt es in den Antworten auf die Kleine Anfrage. 

Ein Problem an der Anwendung ist, dass sie zunächst nur auf einer Handvoll Geräten laufen wird. Denn nicht alle Smartphones verfügen über den sicheren Chip, der für die Smart-eID gebraucht wird. Zudem müssen die Handyhersteller erst ihre Zustimmung geben, bevor der Personalausweis dort abgelegt werden kann. Das hat bisher nur Samsung getan.

 Es ist gut, dass die EU hier die Bundesregierung zu Fortschritten zwingt, denn seit Amtsantritt hat die Ampel bei den digitalen Identitäten substanziell wenig erreicht

Markus Reichel, zuständiger Berichterstatter für digitale Identitäten der CDU-Fraktion, über die geplanten EU-Wallets

Das Unternehmen war bereits an dem Forschungsprojekt Optimos 2.0 beteiligt, in dem die Technologie der Smart-eID entwickelt wurde. Konkret handelt es sich nach der Antwort der Bundesregierung dabei um das Samsung Galaxy S20, S21, S22, S23 und das Samsung Galaxy A54. Das älteste Gerät wurde 2020 vorgestellt, das neueste dieses Jahr im Januar. Die Kosten dieser Geräte liegen zwischen 300 und 700 Euro.  

Parallel dazu wird auf EU-Ebene an einer Verordnung gefeilt, um eine digitale Identität einzuführen, die EU-weit genutzt werden kann. Dafür sollen die Mitgliedstaaten sogenannte Wallets zur Verfügung stellen, digitale Brieftaschen, mit denen Bürger:innen sich digital ausweisen und Nachweise wie den Führerschein auf dem Smartphone ablegen können sollen. Laufen die weiteren Verhandlungen zwischen Kommission, Rat und Parlament glatt, könnte die Verordnung schon im Herbst verabschiedet werden.

Markus Reichel, zuständiger Berichterstatter für digitale Identitäten der CDU-Fraktion, drängt hier auf Tempo: „Wir müssen zügig die EU-Wallets voranbringen, damit wir endlich sichere und digitale Identitäten in Deutschland und der EU schaffen“, sagt er. „Es ist gut, dass die EU hier die Bundesregierung zu Fortschritten zwingt, denn seit Amtsantritt hat die Ampel bei den digitalen Identitäten substanziell wenig erreicht, wie wir anhand der Verbreitung des elektronischen Personalausweises oder der Smart-eID sehen.“

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