Waren die Reaktionen richtig?

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Fall Nadja Drygalla : Rudern und Zurückrudern

Wie viel muss ein Verband über das Privatleben eines Sportlers wissen?

Der Verband sollte das wissen, was über das Privatleben hinaus geht und die Öffentlichkeit betreffen kann. Mehr muss der Verband auch nicht wissen – so sieht es Thomas de Maizière. Der Verteidigungsminister war am Montag im Deutschen Haus in London und sagte zu dem Thema: „Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist? Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Was ist denn dann mit dem Cousin, dem Opa, der Tante?“ Es sei außerdem fraglich, nach welchen Kriterien man die Intensität der Beziehung prüfen solle. Die Grenze im Fall Drygalla „ist glaube ich schon überschritten worden.“

Hat der Olympische Sportbund in London angemessen reagiert?

Der DOSB führte in London ein Gespräch mit der Sportlerin, um sich ein Bild zu verschaffen. Drygalla entschied, dass sie umgehend abreisen werde. Ob der DOSB sie dazu ermuntert hat, ist nicht bekannt. Ihre Begründung: Sie wolle vermeiden, dass die ganze Mannschaft unter der Diskussion leide. Die Sportlerin hatte mit dem Achter das Finale verpasst, sie hatte keinen Wettkampf mehr, einige ihrer Teamkollegen schon.

Ist das Thema außerhalb der deutschen Mannschaft registriert worden?

In Großbritannien sind die Medien besonders sensibel, wenn es um Deutsche und Nazis geht. Vom Thema Drygalla allerdings nahmen insbesondere die Zeitungen in London kaum Notiz. Ein Mitarbeiter der „Times“ erzählt, das Thema sei in der Redaktionskonferenz nur für 90 Sekunden diskutiert worden – und nur unter der Prämisse, ob ein Sportler für die Ansichten eines Lebenspartners zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Welche Konsequenzen könnte der Fall für die Sportlerin haben?

Sollte sich eine Verstrickung Drygallas in die rechtsextreme Szene erweisen, könnte ihre weitere Karriere gefährdet sein. Sollte sie einen Antrag auf Aufnahme in die Sportförderung der Bundeswehr stellen, würde er geprüft, sagte de Maizière. Es wäre also denkbar, dass Drygalla die für einen Amateursportler entscheidende staatliche Förderung versagt bliebe. Ihr Fall soll nun im Bundestags- Sportausschuss diskutiert werden, kündigte Vorsitzende Dagmar Freitag an.

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