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FDP-Chef Rösler im Interview : "Die Menschen erwarten Ehrlichkeit"

In der FDP findet die Initiative einer Mitgliederbefragung um den Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler, der den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM ablehnt, großen Zuspruch. Sorgt Sie das?

Warum sollte es? Die Zukunft Europas ist eine der wichtigsten Fragen der Gegenwart. In einer liberalen Partei diktieren wir den Menschen nicht, was sie zu denken oder nicht zu denken haben.

Eine Mehrheit der FDP-Mitglieder gegen den Rettungsschirm wäre das Ende der Koalition. Nehmen Sie das in Kauf?

Wir werden unseren Parteitag Mitte November zu einer intensiven Europa-Debatte nutzen und im Vorfeld bundesweit Regionalkonferenzen durchführen. Ich stehe für ein Europa der Stabilität, der Wahrheit und der wirtschaftlichen Vernunft, nicht für eine Schuldenunion. Der dauerhafte Rettungsschirm ESM muss diesen Kriterien folgen und auch Verfahren enthalten, die Schuldensünder klar in die Grenzen weisen. Dafür arbeite ich als Wirtschaftsminister in der Regierung. Und dafür werde ich auch als Parteivorsitzender kämpfen.

Herr Rösler, an diesem Sonntag wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Die in den Umfragen weit abgeschlagene FDP in Berlin ruft nun die Berliner zur Volksabstimmung über den Euro auf und stellt fest: „Wir wollen nicht, dass die Berliner die Zeche für die Schulden anderer zahlen.“ Stehen Sie hinter Ihrem Landesverband und diesem Satz?

Die FDP steht für ein Europa der Solidarität durch Solidität. Es gilt das Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Wir tun alles für einen stabilen Euro heute und morgen. Da scheuen wir keinen Wettbewerb.

Das Gespräch führten Antje Sirleschtov und Robert Birnbaum.

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