Festnahme des Interpolchefs : Warum sitzt Meng Hongwei im Gefängnis?

China hat den Interpolchef Meng Hongwei festgenommen. Eine Entscheidung, die von höchster Stelle in Peking getroffen worden sein dürfte.

Grace Meng, die Frau des in China festgenommenen Interpolchefs.
Grace Meng, die Frau des in China festgenommenen Interpolchefs.Foto: Jeff Pachoud/AFP

Grace Meng will bei der Pressekonferenz in Lyon ihr Gesicht nicht zeigen. Die Frau des in China verhafteten Chefs der internationalen Polizeibehörde Interpol sitzt mit dem Rücken zu den Journalisten, weil sie um ihre eigene Sicherheit und die ihrer beiden Kinder fürchtet.

Die letzte Textnachricht ihres Mannes Meng Hongwei trägt auch nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei – es war ein Messer-Emoji. „Ich denke, das Messer bedeutet, dass er in Gefahr ist“, sagt Grace Meng. Seit dem 25. September hat sie nichts mehr von ihrem Mann gehört, der in seine Heimat China gereist war. Inzwischen ist aber klar: Die chinesischen Behörden haben den Interpolchef festgenommen.

Das Polizeiministerium in Peking erklärte am Montag, dass gegen Meng Hongwei wegen Korruption ermittelt werde. Er habe „Bestechungsgelder“ angenommen und werde verdächtigt, „gegen das Gesetz verstoßen zu haben“. Genauer werden diese Vorwürfe nicht ausgeführt. Der Sprecher des Außenministeriums Lu Kang wollte am Montag nicht sagen, ob Mengs Vergehen in seine Zeit als Interpolchef falle.

Die Festnahme zeigt den umfassenden Machtanspruch der alleinherrschenden Kommunistischen Partei über seine Funktionäre. Die Entscheidung, ihn festzunehmen, müsse an einer der höchsten Stellen in der chinesischen Regierung getroffen worden sein, glaubt Steve Tsang, Direktor des SOAS China-Instituts in London. „Chinas Außenpolitik muss zuallererst den Interessen der Kommunistischen Partei dienen“, erklärt Tsang in der „South China Morning Post“. Der internationale Imageschaden, den das Land wegen der Festnahme erleide, sei zweitrangig, wenn ein Parteiführer einen wichtigen Grund habe, Meng zu stürzen.

Die staatlich kontrollierte Zeitung „Global Times“ bezeichnet Meng in einem Tweet lediglich als „Vizepolizeiminister von China“ – und unterstreicht damit die Zuständigkeit des autoritären Regimes auf ihr Personal.

Hintergrund könnte ein innerparteilicher Machtkampf sein

Der Regierung in Peking dürfte es deshalb auch gut passen, dass am Sonntag in Lyon ein Schreiben Mengs eingetroffen ist, in dem dieser seinen Rücktritt als Interpolchef erklärt. Es ist unklar, wie dieses Schreiben zustande gekommen ist.

In anderen Fällen kennt die chinesische Polizei durchaus Methoden, um Gefangene gefügig zu machen. So hat die Menschenrechtsgruppe „Safeguard Defenders“ 45 Fälle seit 2013 untersucht, in denen Inhaftierte im chinesischen Staatsfernsehen öffentliche Geständnisse gemacht hatten. Dem Bericht zufolge sind diese Geständnisse unter anderem durch Misshandlungen, Drohungen, Folter oder die Aussicht auf Hafterleichterungen zustande gekommen.

Hintergrund von Mengs Festnahme könnte ein innerparteilicher Machtkampf sein. Möglicherweise stand er dem gestürzten ehemaligen Sicherheitschef Zhou Yongkang zu nahe, dem bisher prominentesten Opfer der Antikorruptionskampagne von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Mengs Frau versucht diesen Verdacht zu zerstreuen, Zhou habe ihren Mann „überhaupt nicht gemocht“, sagt sie. Zugleich fordert sie Gerechtigkeit und Fairness für ihren Mann – was dieser freilich während seines Aufstiegs in der Polizei nicht jedem zugebilligt haben dürfte. „Es ist verwunderlich, dass manche Menschen denken, Meng könnte irgendwie ein unschuldiges Opfer sein“, schreibt China-Experte Bill Bishop auf Twitter, „auf diese Weise wird man nicht Vizepolizeichef von China.“

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