USA uns Großbritannien: Geoengineering als Ausweg aus der Klimakrise

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Eben weil die Klimaverhandlungen so schleppend verlaufen, und das Thema wegen der globalen Finanz- und Schuldenkrisen in der Bedeutung nach unten gerutscht ist, werden inzwischen viele Möglichkeiten diskutiert, wie auch ohne globale Vereinbarungen schnelle Erfolge erzielt werden können. Ein Beispiel dafür ist die Bekämpfung von Russ als einem Treiber des Klimawandels. Denn zum einen haben aktuelle Studien ergeben, dass der Anteil von Ruß an der Erwärmung deutlich höher ist, als zunächst vermutet. Zum anderen verweilen Rußpartikel nicht ansatzweise so lange in der Atmosphäre wie Kohlendioxid, das dort rund 30 Jahre wirksam bleibt. Ruß verschwindet nach ein paar Wochen, Methan innerhalb weniger Jahre. Es lohnt sich also Kochherde in Entwicklungsländern, in denen Holz, Holzkohle oder  Dung verbrannt wird, durch klimafreundlichere und energieeffizientere Modelle auszutauschen. Und es lohnt sich, Lecks in Gaspipelines oder Gaslagerstätten in den Griff zu bekommen.

Darüber hinaus wird insbesondere in den USA und Großbritannien seit einigen Jahren immer intensiver über technische Lösungen als Ausweg aus der Klimakrise verhandelt. Doch den Beitrag von Geoengineering zur Lösung des Klimaproblems hält Mark Lawrence, Forschungsdirektor des Nachhaltigkeitsinstituts IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) in Potsdam derzeit für "sehr begrenzt". Er schätzt insbesondere Technologien kritisch ein, die versuchen, die Sonneneinstrahlung so zu beeinflussen, dass weniger Sonnenstrahlen auf der Erde ankommen (Solar Radiation Management, SRM).

"Das könnte allenfalls in der weiteren Zukunft die Auswirkungen des Klimawandels zeitlich etwas verschieben, jedoch mit großen Nebenwirkungen“, sagte Lawrence dem Tagesspiegel. Ein höheres Problemlösungspotenzial sieht Lawrence in Technologien, die Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernen sollen. Damit könnten die Folgen des Klimawandels gemildert und langfristig auch Folgeprobleme wie die Versauerung der Ozeane vermindert werden. Allerdings sind diese Technologien noch nicht allzu weit entwickelt und in der aktuellen Situation "helfen sie auch nicht beim Grundproblem, nämlich einem zu hohen Treibhausgasausstoß" der Welt.

Obwohl in der Diskussion über Geoengineering häufig der Einwand auftaucht, es handele sich um Technologien, mit denen Gott gespielt werden könne, haben die meisten Religionsgemeinschaften noch kaum in diese Diskussion eingegriffen. Das überrascht Mark Lawrence. Er hat nach einem Workshop mit Theologen christlicher Kirchen, Vertretern des Judentums, des Daoismus sowie des Buddhismus den Eindruck, "dass sie alle Geoengineering negativ sehen, aber auch noch nicht umfassend informiert sind". Genau da sieht Lawrence eine Aufgabe für das IASS. Denn mit dem Klimawandel haben sich die meisten Religionsgemeinschaften bereits intensiv beschäftigt und kritisieren seine Folgen vor allem für die Armen. "Wir wollen den Dialog mit den Glaubensgemeinschaften fortsetzen. Ein Anfang ist gemacht", sagte er dem Tagesspiegel.


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