Schwache WM der Erfolgsverwöhnten : Mia san torlos: Bayerns große WM-Leere

Die WM nagt am Selbstverständnis der Münchner. Erstmals seit 1978 steht beim Finale vermutlich kein Bayern-Spieler in der Startaufstellung.

Ilja Behnisch
Ernüchtert. Seine Bayern haben bei der WM gespielt wie ein Fußballzwerg.
Ernüchtert. Seine Bayern haben bei der WM gespielt wie ein Fußballzwerg.Foto: dpa/Angelika Warm

„Mia san mia“ lautet das Motto des FC Bayern München. Seinen Ursprung hat der Ausspruch zwar in Österreich, wo er schon in der K.u.K.-Zeit von den dortigen Soldaten genutzt wurde. Aber beim deutschen Rekordmeister ist man ja von jeher gewohnt, sich andernorts zu bedienen. Wenn auch zumeist bei den Spielern jener Vereine, die den Bayern zwischendurch immer mal gefährlich zu werden drohen. „Mia san mia“ also als Selbstverständnis eines unumstrittenen Branchenprimus. So prangt es ab der kommenden Saison auf den Sitzschalen der Allianz Arena, der Heimspielstätte der Bayern. So ist es in den Köpfen verankert von denen, die den Verein repräsentieren. Und sie haben ja auch allen Grund für ihr enormes Selbstbewusstsein.

Kein deutscher Klub hat mehr Titel gewonnen, mehr Geld gescheffelt. Kein Klub weltweit hat mehr Mitglieder als die Bayern, 290 000 sind es mit Stand November 2017. Die besten Fußballer des Planeten spielen für Barcelona, Madrid, Manchester oder eben – Bayern München. Nur bei der Weltmeisterschaft lief es für den erfolgsverwöhnten Klub von der Säbener Straße bescheiden bis gar nicht. „Mia san torlos“ müsste es demnach heißen, angesichts der gähnenden Leere, die die von den Bayern entsandten WM-Fahrer bisher zu Buche stehen haben. Dabei konnte sich das Aufgebot durchaus sehen lassen.

Nicht nur deutsche Spieler enttäuschen

Allein in der deutschen Mannschaft. Manuel Neuer, mithin wohl der einzige Torhüter der Welt, dem man derzeit einen Treffer aus dem regulären Spiel heraus zutrauen würde, Jerome Boateng, Mats Hummels, Niklas Süle, Sebastian Rudy, Joshua Kimmich und vor allem Thomas Müller, immerhin WM-Torschützenkönig 2010? Allesamt torlos. Polens Robert Lewandowski, aus bayrischer Sicht mindestens der beste Stürmer der Welt? Torlos. Kolumbiens James Rodriguez, Torschützenkönig der WM 2014 und bis zu Beginn dieser Weltmeisterschaft noch in jedem Endrundenspiel erfolgreich? Torlos. Ebenso wie Spaniens Edeltechniker Thiago und Corentin Tolisso, der mit Frankreich immerhin das Finale erreicht hat. Und es kommt noch schlimmer.

Erstmals seit 1978 wird beim Anpfiff des Endspiels vermutlich kein Spieler des ruhmreichen FC Bayern auf dem Platz stehen. Das sind stolze 40 Jahre oder in Münchner Arithmetik: 23 deutsche Meisterschaften. Bei Rückschlägen und Notlagen wie dieser konnte man früher den Sekundenzeiger danach stellen, bis die Abteilung Attacke in Person von Uli Hoeneß zum Gegenschlag ritt. Doch bisher – Fehlanzeige. Was nur zwei Schlussfolgerungen zulässt.

Entweder sind sie müde geworden im Süden der Republik. Oder aber sie wissen längst, dass sie schon bald den Transfer eines WM-Finalisten verkünden können. Frankreichs Benjamin Pavard zum Beispiel, derzeit noch in Diensten des VfB Stuttgart. Der hat sogar schon getroffen in diesem Turnier. Zwei Fliegen mit einer Klappe wären das also, die man mit seinem Wechsel schlagen könnte. Damit es hinterher wieder heißt: „Mia san mia“? Logo.

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