Osteuropa immer wichtiger für deutsche Wirtschaft : Mehr Handel mit Polen als mit Großbritannien

In der Liste der bedeutendsten Handelspartner Deutschlands steht Polen jetzt an sechster Stelle - vor Großbritannien und noch weit vor Russland.

Der grenzüberschreitende Handel zwischen Deutschland und Polen wächst deutlich.
Der grenzüberschreitende Handel zwischen Deutschland und Polen wächst deutlich.Foto: Patrick Pleul / dpa

Für die deutsche Wirtschaft ist Polen mittlerweile ein wichtigerer Partner als Großbritannien. In den ersten acht Monaten dieses Jahres handelte Deutschland mit dem östlichen Nachbarland Waren im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro. Damit ist Polen der sechstwichtigste Handelspartner Deutschlands, Großbritannien wurde auf den siebten Platz verdrängt.

Die deutschen Exporte nach Polen stiegen zwischen Januar und August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent. Zu den zehn größten Handelspartnern Deutschlands zählt auch die Tschechische Republik, mit der Waren im Wert von fast 71 Milliarden Euro gehandelt wurden. „30 Jahre nach Beginn der Transformation hat die Region Mittelosteuropa für die deutsche Wirtschaft inzwischen eine überragende Bedeutung erlangt“, sagt Oliver Hermes, der neue Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft.

Dagegen erfüllen die Geschäfte mit Russland nach wie vor nicht die Erwartungen der Lobbyorganisation, die mehr als 370 deutsche Unternehmen vertritt, die in Osteuropa, Russland und Zentralasien aktiv sind. Das Handelsvolumen mit Russland lag in den ersten acht Monaten des Jahres bei knapp 39 Milliarden Euro – weniger als die Hälfte des Handelsvolumens mit Polen. Der Wert der Importe ging um mehr als zehn Prozent zurück, was allerdings vor allem an den sinkenden Rohstoffpreisen liegt.

Als positiv für die deutsche Wirtschaft wertet der Ost-Ausschuss den „Entspannungsprozess zwischen der Ukraine und Russland“. Die Organisation, die seit Jahren zu den größten Kritikern der von der Europäischen Union gegen Russland verhängten Sanktionen zählt, fordert nun den schrittweisen Abbau der Strafmaßnahmen, sobald es erkennbare und nachhaltige Schritte im Friedensprozess gibt.

Der neue Vorsitzende Hermes sprach sich außerdem dafür aus, dass die EU nun Russland „konkrete Angebote“ machen solle – als „vertrauensbildende Maßnahmen“. Dazu könnten Gespräche über eine Visa-Liberalisierung gehören oder die Wiederaufnahme des Energiedialogs zwischen der EU und Russland.

Ost-Ausschuss plant neues Treffen mit Putin

Hermes hat im September die Leitung des Ost-Ausschusses übernommen. Der 49-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der Wilo-Gruppe, die Pumpen sowie Pumpensysteme herstellt und ein Fünftel ihres Umsatzes in Osteuropa, Russland und weiteren Staaten der Region erzielt.

In seinem neuen Amt will er die Interessen des Mittelstands vertreten und mit dem Ost-Ausschuss stärker in den Regionen präsent sein, sowohl in Deutschland als auch in den Zielländern.

Allerdings macht Hermes in einem Punkt dort weiter, wo sein Amtsvorgänger Wolfgang Büchele aufgehört hat: Im Dezember reist er mit anderen Wirtschaftsvertretern nach Sotschi, wo die deutsche Delegation vom russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin empfangen wird. Dieses Treffen finde bereits zum dritten Mal statt, heißt es beim Ost-Ausschuss.

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