"Herman Gröhe ist ein sehr teurer Minister"

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AOK-Chef Martin Litsch im Interview : „Die Zusatzbeiträge werden weiter steigen“

Die Arzneihersteller klagen darüber, dass der Druck auf die Medikamentenpreise Innovationen behindert.

Die Pharmaindustrie täte gut daran anzuerkennen, dass der Standort Deutschland für sie außerordentlich attraktiv ist. Hier haben sie eine großzügige Lizenz, Geld zu verdienen, gerade wenn ihre Produkte auch wirklich helfen. Gleichzeitig sind bei uns alle versichert, und wir haben einen Konsens darüber, dass auch Innovationen allen zugute kommen – unabhängig vom Preis. Ich finde das auch gut so.

Tatsächlich? Einzelne Patienten verursachen mittlerweile Millionenkosten, etwa durch gentechnisch maßgeschneiderte Medikamente. Wann und wo ist die Grenze dessen erreicht, was die Solidargemeinschaft leisten kann?

Ich bin ein Feind von Rationierungen – weder für mich persönlich noch für diese Gesellschaft. Und wenn man in diesem Zusammenhang ethische Fragen der Verteilungsgerechtigkeit diskutiert, darf das nicht von den Kassen kommen, es muss ärztlich motiviert sein. Zum Beispiel wäre dann darüber zu reden, ob die neuen Medikamente die Lebensqualität der Behandelten wirklich verbessern.

Im ersten Jahr können die Hersteller für neue Arzneien verlangen, was sie wollen. Kann das so bleiben?

Nein. Wir würden uns wünschen, dass der nach zwölf Monaten verhandelte Erstattungspreis für neue Arzneimittel rückwirkend gilt ab dem ersten Tag der Markteinführung. Und auch bei nachgewiesenem Zusatznutzen wollen wir die höheren Preise nicht pauschal bezahlen, sondern nur für Anwendungen, bei denen die Patienten tatsächlich profitieren. Der Arzt muss dann darauf achten, dass die neuen Mittel nur dort eingesetzt werden. Das sind keine Streuartikel! Was uns außerdem wichtig ist: Preismoratorium und Herstellerrabatt, die 2017 auslaufen, müssen unbedingt verlängert werden. Allein durch die Aufhebung des Preismoratoriums haben wir schlagartig drei Milliarden Euro mehr im Jahr zu zahlen.

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