Apphängig : Unternehmen müssen noch Alternativen zu Apps anbieten

Nicht jeder hat ein Smartphone oder möchte App-Stores nutzen. Wer das nicht tut, wird aber inzwischen ausgegrenzt. Ein Kommentar.

Ohne Smartphone-Apps kann man bestimmte Dienste inzwischen nicht mehr nutzen.
Ohne Smartphone-Apps kann man bestimmte Dienste inzwischen nicht mehr nutzen.Foto: Jens Kalaene/dpa

Ein Leben ohne Smartphone-Apps ist möglich, aber umständlich. Die Fahrdienste Berlkönig oder Uber, die DHL-Packstation und der Lebensmittelrettungsanbieter „too good to go“ - alles Anwendungen, die man ohne Apps gar nicht nutzen kann.

Auch Tannummern fürs Online-Banking werden über Apps vergeben. Wer das nicht möchte, dem bleibt oft nur noch die Option, kostenpflichtig einen Tan-Generator zu kaufen. Den komfortablen Check-in in ICEs kann man nur mit der Bahn-App machen. Dann gibt es noch das Schlagwort „Gesundheits-Apps“, von denen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schon lange schwärmt. Ab 2021 soll es auch die elektronische Patientenakte geben, vermutlich als App.

Smartphone-Apps werden immer mehr in den Alltag integriert. Sie sind praktisch, gratis und vereinfachen Vieles. Mit wenigen Klicks können wir nachschauen, wann die nächste Bahn fährt oder wie viel Geld wir auf dem Konto haben.

Apps können noch dazu Beiträge leisten, die vorher nie möglich waren. Sie können tracken, wie viele Schritte wir am Tag gehen, wie gut wir schlafen oder uns über Videoanruf mit der Familie in den USA verbinden. Ihre Nutzung sollte freiwillig erfolgen. Diese Freiwilligkeit ist in Gefahr.

Manche Unternehmen bieten inzwischen keine Alternativen zur App mehr an. Man kommt an ihre Dienste nicht ran. Das führt schon zur Ausgrenzung der Personen, die kein Smartphone nutzen können. Das können manche ältere Menschen sein, Menschen mit Behinderung oder Menschen, die sich kein Smartphone leisten können oder keines haben wollen.

Es führt auch zur Ausgrenzung der Personen, die sich bewusst dafür entscheiden, kein Smartphone oder zumindest keine Apps zu benutzen. Viele relevante Applikationen, wie zum Beispiel die der deutschen Bahn oder der Sparkasse, werden ausschließlich auf unsicheren Websiten oder in den App-Stores angeboten.

Viele Daten sind nicht sicher

Für die Nutzung der App-Stores braucht man bei Androidhandys ein Googlekonto, was sich wiederum automatisch mit weiteren Googleanwendungen verknüpft. Bilder, die mit dem Handy aufgenommen werden, werden direkt bei Google gespeichert. Oft so, dass es Nutzer gar nicht mitbekommen.

Für datensparsame NutzerInnen ist daher die Nutzung von App-Stores ein No-Go. Dabei gibt es, als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts, das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. Diejenigen, die sensibler mit ihren Daten umgehen möchten, sollten nicht durch äußere Umstände zur Verwendung von Apps gezwungen werden, sondern noch selbst über ihre Daten entscheiden dürfen.

Dazu kommt noch, dass viele Daten nicht sicher sind. Skandale wie von Cambridge Analytica zeigen, wie unsicher Daten in Deutschland und auch weltweit sind. Bürgerinnen und Bürger sollten die freie Entscheidung darüber haben, welche Daten sie an Unternehmen abgeben möchten und welche nicht. Sie sollten die Möglichkeit haben, ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung durchzusetzen. Dafür müssen die Unternehmen auch Alternativen zu den Apps anbieten.

Dieser Text wurde am 26.2.2020 korrigiert.

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