• Bundesnetzagentur-Chef Homann: "Jeder kann durch Wechsel des Stromanbieters den Wettbewerb befördern"

Golfplätze müssen beim Strom nicht entlastet werden

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Bundesnetzagentur-Chef Homann : "Jeder kann durch Wechsel des Stromanbieters den Wettbewerb befördern"


EEG-Umlage und Netzentgelte werden steigen. Wie teuer wird Strom zur Jahreswende?

Ich kann Ihnen keine exakte Zahl nennen. Aber es stehen Milliardeninvestitionen in die Netze an, die finanziert werden müssen. Deshalb werden die Netzentgelte sicherlich steigen. Dasselbe gilt für die EEG-Umlage. Sie deckt die Differenz zwischen dem Börsenpreis und dem Preis, den die Ökostromproduzenten für ihren Strom garantiert bekommen. Je niedriger der Preis an der Börse ist, desto höher wird die EEG-Umlage.
Ist es gerecht, dass diese Umlage fast nur von Verbrauchern und kleinen Firmen gezahlt wird und es für energieintensive Konzerne viele Ausnahmen gibt?

Das ist eine populistische Diskussion. Wir haben intern ausgerechnet, dass die Kosten nur minimal gesenkt würden, wenn man alle umstrittenen Ausnahmen - Golfplätze, Kühlhäuser oder etwa den Friedrichstadtpalast -abschafft. Energieintensive Unternehmen wie Aluminiumproduzenten zu entlasten, ist und bleibt richtig. Diese stehen international wie global in einem harten Wettbewerb und sind für Deutschland ein hohes Gut.

Foto: Thilo Rückeis


Warum braucht ein Golfplatz Entlastung? Eine Anlage in Berlin konkurriert ja nicht mit einer in Spanien oder Griechenland.

Nein, aber wer konstant große Mengen abnimmt oder das zu einer Zeit tut, zu der sonst wenig Strom verbraucht wird, leistet einen Beitrag zur Stabilität des Stromsystems. Gleichwohl macht es Sinn, die Ausnahmen auf solche Betriebe zu konzentrieren, die international im Wettbewerb stehen. Dazu gehört ein Golfplatz ebenso wenig wie der Friedrichstadtpalast.
Steht es so schlecht um die Stabilität der Netze? Sind Blackouts programmiert, wenn der Winter zu kalt oder der Sommer zu heiß wird?

Die Situation ist angespannter als vor zwei, drei Jahren. Kapazitäten fallen weg, Wind und Sonne sind nicht so planbar wie herkömmliche Energieträger. Das heißt dann eben auch, Reserven vorzuhalten oder am Markt zu beschaffen, um das Risiko eines Blackouts zu minimieren. Bisher gelingt dies ganz gut.
Es gibt immer weniger Reserven. Die Stromerzeuger schalten konventionelle Kraftwerke ab, weil sie sich nicht mehr lohnen.

Derzeit haben wir mit der Mehrzahl der konventionellen Kraftwerke, die über die Presse oder in Schreiben an uns zur Abschaltung angekündigt werden, kein Problem. Das ist der in einer Marktwirtschaft natürliche Abbau von Überkapazitäten. Nur in Süddeutschland nehmen die Netzbetreiber als Winterreserve alles unter Vertrag, was verfügbar ist. Das wird nicht nur für die nächsten zwei, drei Winter, sondern noch länger nötig sein, solange bis der Netzausbau so weit vorangeschritten ist, bis der Strom ohne Einschränkungen vom Produzenten zum Verbraucher transportiert werden kann. Sorgen machen weniger die Abschaltungen als die Investitionszurückhaltung. Es wird nicht mehr investiert, und die Branche trägt mit diversen Begründungen vor, dass dies auch so bleiben werde. Da Kraftwerksinvestitionen einen sehr langen Vorlauf haben, müssen wir schon heute dringend darüber nachdenken, wie ein funktionsfähiger Strommarkt der Zukunft gestaltet sein kann.
Und wie sieht der Strommarkt der Zukunft aus?

Wie andere Beteiligte, ist auch die Bundesnetzagentur intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Kurzfristig ist kein Modell in Sicht, das alle Probleme löst. Aber eines ist klar: Am Beginn dieser Debatte steht die EEG-Reform. Ohne eine Neuordnung in diesem Bereich geht gar nichts.
Wie muss eine solche Reform aussehen?

Kernpunkte der Reform sollten sein, dass die EEG-Anlagen stärker an den Markt herangeführt werden. Sie sollten die Erlösmöglichkeiten auf den Strommärkten stärker spüren; neue Anlagen sollten dafür zumindest in der Direktvermarktung betrieben werden. Außerdem sollte darüber nachgedacht werden, die Förderhöhe nicht länger gesetzlich zu bestimmen, sondern in einem Marktprozess, zum Beispiel in einem Ausschreibungsverfahren.
Viele Windräder stehen im Norden, der Strom wird aber im Süden gebraucht.

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