Hochhäuser am Alexanderplatz : „Es geht um ästhetische Fassadenfragen“

Der Architekturwettbewerb für zwei Türme neben dem Hotel Park Inn geht in die Finalrunde. Die endgültige Entscheidung soll im Oktober fallen.

Im Flachbau am Sockel des neuen Hochhauses am Alexanderplatz soll eine öffentlich zugängliche Dachterrasse entstehen.
Im Flachbau am Sockel des neuen Hochhauses am Alexanderplatz soll eine öffentlich zugängliche Dachterrasse entstehen.Grafik: Sauerbruch Hutton

Um die Berliner „Hochhauskrone“ am Alexanderplatz wird seit den neunziger Jahren gerungen. Inzwischen zeichnen sich nach Tagesspiegel–Informationen erste Konturen ab.

Wie berichtet, hatte Bauherrin Covivio (vormals Immeo/Foncière des Régions) Mitte Juli mitgeteilt, dass neben dem Hotel Park Inn nach dem Berliner Masterplan zwei Türme entwickelt werden können, die neben den 73 000 Quadratmetern des Hotels 140 000 Quadratmeter neue Fläche beinhalten können. Das Unternehmen hatte das Areal 2016 erworben und einen Architekturwettbewerb gestartet, „um ein Hochhaus von 70 000 Quadratmeter zu entwickeln“.

Aus diesem Wettbewerb gingen die Architekturbüros Diener & Diener Architekten (Basel) und Sauerbruch Hutton (Berlin) mit jeweils einem zweiten Preis ausgezeichnet hervor. Beide wurden gebeten, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Damit die Richtung stimmt, erhielten beide Büros Ende dieser Woche ein Briefing. Dies bestätigte eine Sprecherin von Covicio auf Anfrage dieser Zeitung. Mit einer finalen Entscheidung sei nunmehr im Oktober zu rechnen.

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Architekt Matthias Sauerbruch sagte auf Anfrage: „Zwischen den Zeilen geht es in erster Linie um ästhetische Fragen. Es geht um Materialien und um die Fassadengliederung.“ Offenbar habe es in der Jury keine ausreichende Mehrheit für eine Richtung gegeben. Die Höhen seien auf maximal 130 Meter beschränkt. Für die Bauten, die noch in der Planung, aber noch nicht genehmigt sind, wird nach Angaben Sauerbruchs ein sehr hoher Anteil Wohnungen gefordert. „Das ist für dieses Gebäude – D3 – auch der Fall.“ Nicht im Hochhaus, aber im Flachbau werden massiv größtenteils Wohnungen geplant.

Behrens-Bauten geben die Richtung vor

Covivio stellt sich ein „Hybrid-Projekt“ vor, das eine gemischte Nutzung von Büroräumen, Einzelhandel, 16 300 Quadratmeter Fläche Wohnen, Coworking-Räume, einen Inhouse-Club mit Dachterrasse, Restaurants und Cafés vorsieht. Bei der gewünschten Überarbeitung gehe es auch um das Thema des Alexanderplatzes selber, sagte Sauerbruch: „Wenn Sie den Platz rundherum betrachten, da gibt es die von Peter Behrens entworfenen Bauten, diese Torbauten. Die waren das große Vorbild für den Masterplan von Hans Kollhoff. Dementsprechend ist die ganze Architektur angelehnt an das, was wir als Vormoderne bezeichnen – steinerne Lochfenster usw.“ Ein wichtiger Aspekt der Behrens-Bauten sei auch, dass sie eine zweigeschossige Ladenzone hätten und oben darüber dann Büros. „Das Erdgeschoss hat vor allem Schaufenster und das erste Geschoss hat so eine Art von Auskragung“, sagte der Berliner Architekt: „Wenn Sie um den Platz herumgehen, werden Sie sehen, dass dieses Motiv in der einen oder anderen Form immer wieder aufgegriffen wird. Es erscheint im heutigen Kaufhof, es erscheint sogar an dem Sockelbau von dem Park Inn, dem ehemaligen Hotel Stadt Berlin. Es erscheint auch an dem Saturn-Kaufhaus.“

Zu den Behrens-Bauten zählen das Alexander- und das Berolinahaus. Sie wurden in ihren ursprünglichen Formen Anfang der fünfziger Jahre wiederhergestellt. Von der ursprünglichen Bebauung vor dem Krieg ist vom Alexanderplatz sonst nichts erhalten geblieben. Insofern sind beide Gebäude wichtige Bezugsgrößen.

Das Dach des Flachbaus soll begrünt sein

„Unser Projekt hat die Besonderheit, dass es nicht zwei Laden-Geschosse hat, sondern es gibt hier drei Laden-Geschosse“, erläutert Sauerbruch: „Und dann sind noch mindestens vier Geschosse Wohnen oben drüber.“ Die Frage sei nun, wie mit diesem „Versprung“ – von zweigeschossiger zu dreigeschossiger Ladenzone – umgegangen wird, „eine klassische ästhetische Fassadenfrage“.

Zum Thema Park könne er sagen, dass der Bauherr sehr großen Wert darauf lege, dass das Dach des Flachbaus keine große Technikanlage beheimaten wird, sondern dass ein begrüntes Dach daraus wird. „Auf dieser Etage soll so eine Art von Club entstehen für die Büro- und auch für Wohnbenutzer des Hauses“, sagte Sauerbruch. Diese Dachterrasse werde auch öffentlich zugänglich sein. „Und über ein Penthouse spekulieren wir noch“, sagte der Architekt: „im Augenblick“.