"Russland ist ein Wettbewerber – und ein Freund"

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Irans Gas- und Ölreserven : "Wir glauben an ein Ende der Sanktionen"
Birgit Wetzel
Der iranische Ölminister Bijan Zangeneh vor Gesprächen der OPEC. Der Iran stände angesichts des geringen Ölpreises und der politisch motivierten Überproduktion aus Saudi Arabien auch nach einem Wegfall der Sanktionen unter finanziellem Druck.
Der iranische Ölminister Bijan Zangeneh vor Gesprächen der OPEC. Der Iran stände angesichts des geringen Ölpreises und der...Foto: Heinz-Peter Bader/Reuters


Wie soll das geschehen?
Wir möchten betonen, dass wir Firmen suchen, die mit uns kooperieren und investieren. Wir, der Iran, werden die Produkte kaufen. Um den Markt muss sich niemand Sorgen machen. Jeder Investor kann seine Produkte vermarkten und jeder kann sie auf den internationalen Märkten verkaufen. Für Investoren haben wir schon jetzt eine Wirtschaftlichkeitsstudie. Wir haben eine sehr gute Infrastruktur und die Regierung hilft den Investoren insbesondere im Süden des Iran. Wir haben dort viele Millionen Dollar für die Infrastruktur ausgegeben.
Wann wird iranisches Flüssiggas auf den Markt kommen?
Wir haben unsere Preisliste noch nicht fertig. Auf jeden Fall werden wir erst einmal ein Projekt für neun Millionen Tonnen mit einer Firma aus Deutschland fertig stellen. Sobald wir transportieren dürfen und alles fertig ist, kommt das nächste Projekt.
Wohin soll das Gas gehen?
Für den Gasmarkt ist zunächst der Verbrauch im Inland wichtig. Nicht der für den allgemeinen Verbraucher, aber für Schlüsselindustrien, für die Petrochemie, für die Stahlindustrie und einige andere. Für müssen eine Politik machen, bei der sich das Land erholt. Und dann wollen wir Gas an unsere Nachbarn liefern, denn der beste Markt für unser Gas ist bei unseren Nachbarn. Da bekommen wir die besten Preise. Erst danach kommen andere Länder und andere Regionen - und dann Asien. Asien hat einen sehr guten Markt für unser Gas.
Es gab die Nabucco Pipeline, um Gas nach Europa zu bringen, aber dann gab es wohl nicht genug Gas. Was wissen Sie darüber?

Es gab wohl kaum ein Projekt, über das so viel gesprochen wurde wie über Nabucco. Wir haben nichts dagegen, dass Gas aus dem Süden für Nabucco zu liefern. Aber es ist sehr schwierig, es durch die Türkei zu leiten. Die Türkei verlangt hohe Transitgebühren und hat viele andere Vorschriften aufgestellt, von denen sie verlangt, dass wir sie anerkennen. Wir sind bereit das Gas nach Europa zu liefern, aber das Preisniveau in Europa ist sehr niedrig, so dass für uns am Ende kaum noch etwas übrig bleibt. Der Markt in Asien ist besser für uns.
Iran ist nicht nur ein Produzent und Exporteur von Gas, der Iran könnte auch zum Transitland werden. Was halten Sie von der Perspektive?
Im letzten Jahr haben wir von Turkmenistan neun Millionen Kubikmeter Gas gekauft. Im letzten Jahr hatten wir Engpässe. In diesem Jahr haben wir keine, denn in diesem Jahr haben wir neue Projekte. Aber wir haben beschlossen, dass wir aus politischen Gründen auch weiter in Turkmenistan Gas kaufen werden. Dafür erwarten wir natürlich, dass Turkmenistan bei uns Service und Ausrüstungen kauft. Transit – das ist etwas anderes. Wir haben die größten Gasreserven de Welt. Wir wollen unser Gas exportieren. Darum sollten wir sehr vorsichtig sein, dass wir unser Potential nicht zerstören.
Wie sehen Sie das Verhältnis zu Russland?
Iran und Russland sind Wettbewerber auf dem Gasmarkt, natürlich. Aber wir haben gelernt, dass unsere Wettbewerber auch unsere Freunde sind. Der wichtigste Gasmarkt für Russland ist Europa, und für die Zukunft öffnet sich Russland jetzt für China. Denen wird man Flüssiggas liefern. Was Europa anbetrifft – wir haben mit Gazprom diskutiert. Aber der Iran wird nicht schon heute oder morgen auf dem Markt sein.


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