Hintergrund: Wie abhängig die USA, Europa und China vom Welthandel sind

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USA, China, Europa : Was im Handelskrieg auf dem Spiel steht
China und Europa verkaufen mehr Waren in die USA, als die Amerikaner bei den Handelspartnern loswerden. Das stört Trump.
China und Europa verkaufen mehr Waren in die USA, als die Amerikaner bei den Handelspartnern loswerden. Das stört Trump.Foto: imago

Die USA

Wie kann es sein, dass auf der Fifth Avenue in New York so viele Mercedes fahren, aber in Deutschland kaum Chevrolets unterwegs sind? Das fragt sich Donald Trump. Dahinter steckt ein Vorwurf: Einzig die Deutschen profitieren vom transatlantischen Handel mit Autos. Dabei zeigt die Statistik ein anderes Bild.

Eines der wichtigsten Exportgüter der USA sind: Autos und Autoteile. Allein nach Deutschland verkaufen die Amerikaner jedes Jahr Wagen im Wert von acht Milliarden Euro. Die deutschen Autobauer haben in den letzten Jahrzehnten große Fabriken in den USA gebaut, in denen sie längst nicht nur Autos für den dortigen
Markt bauen.

Grafik: Fabian Bartel; Quelle: Eurostat

Das weltweit größte Werk von BMW etwa steht nicht in Bayern – sondern in South Carolina. Dort fertigt BMW fast die gesamte X-Baureihe. Wer in Deutschland einen X3 kauft, bekommt ein Auto „made in USA“. Deshalb verkaufen die Amerikaner den Deutschen gemessen am Wert mehr Autos als Computer (Apple),
Flugzeuge (Boeing) oder Arzneimittel (Pfizer).

Dass in Deutschland so wenige Chevrolets fahren, hat ebenfalls einen einfachen Grund: General Motors hat die Marke in Europa vor Jahren vom Markt genommen.

Europa

„Die EU ist möglicherweise so schlimm wie China“, sagt Donald Trump. Spätestens seitdem die Europäer ihrerseits Strafzölle auf US-Produkte eingeführt haben, stehen auch sie auf Trumps Liste der Übeltäter. Schon länger kritisiert er, dass die EU-Staaten sehr viel mehr Güter in die USA verkaufen, als sie dort einkaufen. Der sogenannte Handelsüberschuss liegt bei 151 Milliarden Dollar.

Grafik: Fabian Bartel; Quelle: Eurostat

Allerdings ist das nur ein Teil der Rechnung. Denn enthalten sind in dieser Zahl lediglich Waren, die man anfassen kann: Autos, Maschinen, Computer oder
Nahrungsmittel. Außen vor bleiben dagegen digitale Dienstleistungen. Dabei ist die USA gerade darin stark. US-Konzerne wie Facebook, Google oder Amazon machen in Europa Milliardengewinne, die ihre hiesigen Töchterfirmen in die USA überweisen. Dazu kommen noch die US-Banken wie Goldman Sachs oder JPMorgan, die auch für Europäer Gelder anlegen oder Börsengänge einfädeln.

Berücksichtigt man all das, übersteigen die Exporte der Amerikaner nach Europa schnell die Ausfuhren der Europäer in die USA. So wird aus dem Handelsüberschuss
der Europäer ein Defizit von 14 Milliarden Dollar.

China

Rund ein Viertel der weltweit produzierten Waren kommt heute aus China. Für die USA wie für Deutschland ist die Volksrepublik der wichtigste Handelspartner – dabei war sie vor zehn Jahren nicht einmal unter den wichtigsten fünf. Maschinen, Computer, Kleidung, Möbel, all das verkaufen die Chinesen in alle Welt. Allein 70 Prozent des global verkauften Spielzeugs stammt aus der Volksrepublik.

Grafik: Fabian Bartel; Quelle: Eurostat

Allerdings will Staatschef Xi Jinping weg von den Billigprodukten. China soll zum Lieferanten von Hightech werden, von Flugzeugen, Robotern, vernetzten Maschinen
und Elektroautos. Auch deshalb investiert China massiv im Ausland. In Deutschland haben Chinesen sich am Autobauer Daimler beteiligt, die Roboterfirma Kuka gekauft
und sind beim Netzbetreiber 50Hertz eingestiegen.

Parallel investiert China durch das Projekt „Neue Seidenstraße“ in diversen Ländern in die Infrastruktur. Die Chinesen bauen Straßen und Kraftwerke in Pakistan, beteiligen sich an Häfen in Rotterdam, Genua und Porto, verbinden Belgrad und Peking mit einem Schnellzug.
China schafft so Jobs für seine Arbeiter – und baut seinen Einfluss in der Welt weiter aus.

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