Berlin feiert den Exzellenz-Erfolg : „Wir freuen uns ein Loch in den Bauch“

Jubel bei der Party in der Berliner Urania. Im Finale der Exzellenzstrategie kommen vor allem arrivierte Unis durch. Partybericht - und erste Analyse.

Staatssekretär Krach und Bürgermeister Müller feiern mit den Uni-Chefs Ziegler, Thomsen, Kunst und Einhäupl in der Urania.
Freude im Gebäude. Staatssekretär Krach und Bürgermeister Müller feiern mit den Uni-Chefs Ziegler, Thomsen, Kunst und Einhäupl in...Foto: TU Berlin/PR/Felix Noak

„Sekt oder Selters“ war das Party-Motto der Berliner Unis am Tag der Exzellenz-Entscheidung. Um kurz nach vier war klar: Es gibt Sekt. Als Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Berliner Uni-Verbund als einen der Gewinner des Exzellenz-Wettbewerbs verkündet, bricht im großen Saal der Urania Jubel aus. Per Livestream verfolgten geladene Gäste die Verkündung. Die Uni-Präsidenten, die in der ersten Reihe Platz genommen hatten, stehen auf, umarmen sich und recken ihre Fäuste in die Luft.

„Es fallen uns eine Menge Steine vom Herzen“, sagt Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität. HU-Präsidentin Sabine Kunst jubelt: „Wir freuen uns ein Loch in den Bauch.“ TU-Präsident Christian Thomsen wiederholt auf der Pressekonferenz seine Unterstützung für die Fridays for Future Bewegung: „Wir wollen zu solchen Fragen wissenschaftlich beitragen.“ Charité-Chef Karl Max Einhäupl geht auf Ängste von Uni-Mitgliedern gegenüber der neuen Berlin University Alliance (BUA) ein: „Wir wollen die Konkurrenz nicht abschaffen.“ Es gelte jetzt, eine gemeinsame Identität des Verbundes zu schaffen, gleichzeitig aber müsse man die Identitäten der einzelnen Institutionen wahren.

In Bonn Einstimmigkeit - statt früherer Eklat

Schon am Morgen hatten sich FU, HU, TU, die Charité und auch Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach auf Twitter in ihren Profilbilder mit den gemeinsamen BUA-Farben (Rot, Blau, Grün, Grau) präsentiert. Zu hören ist, dass der Berliner Verbund bei den Gutachtern nie in Frage stand und schon früh als absolut förderungswürdig eingestuft wurde. Die Entscheidung über die Exzellenzunis sei dann beim abschließenden Votum von Gutachtern und Ministern einstimmig gefallen, sagte Martina Brockmeier, die Vorsitzende des Wissenschaftsrats. Das ist durchaus bemerkenswert: Bei früheren Runden kam es dabei zum Eklat.

Die Entscheidung wurde am Freitagnachmittag in Bonn verkündet. Es ging um viel Geld und viel Prestige: Die „Exzellenzstrategie“ ist der wichtigste Förderwettbewerb in der deutschen Wissenschaft. Auffällig ist, dass unter den Sieger-Unis mit Hamburg, Bonn und auch der TU Berlin aus dem Verbund jetzt nur drei „Newcomer“ sind, während alle anderen bereits in mindestens eine der Runden gefördert wurden (siehe nebenstehender Text). Auch FU und HU gehören ja seit 2007 beziehungsweise 2012 zu den Exzellenz-Unis. Die Exzellenz perpetuiert sich also. Von den alten Eliteunis schied jetzt nur Köln aus, Bremen hatte sich gar nicht erst für das Finale qualifizieren können. Nicht durchsetzen konnten sich in der Endausscheidung zudem Bochum, Braunschweig, Kiel, Freiburg, Münster und Stuttgart.

Exzellenzunis in nur sechs Bundesländern

Ebenso werden beim Blick auf die bundesweite Exzellenz-Karte klare Schwerpunkte deutlich. Es gibt nur sechs Bundesländer mit jetzt ausgezeichneten Unis, wobei sich dabei Baden-Württemberg, Bayern, NRW und Berlin mit mehreren Siegerinnen hervortun. Weitere sechs Länder konnten im vergangenen Jahr zumindest ein Exzellenzcluster erringen, große Forschungsvorhaben, die ebenfalls mit Millionen gefördert werden. Der Osten dagegen ist – von Dresden abgesehen – praktisch komplett exzellenzfreie Zone, ebenso das Saarland. Das Ziel des Wettbewerbs, leistungsstarke Forschung in Deutschland auf bestimmte Standorte zu konzentrieren, erfüllt sich damit bereits.

Der Berliner Antrag galt insofern als Wagnis, als hier drei früher konkurrierende und sehr unterschiedliche Hochschulen in der Forschung, in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und teilweise in den Leitungsstrukturen zusammengehen. Aus der „Alliance“ soll keine gemeinsame Berliner Uni entstehen. Den Verbund so zu koordinieren, dass die gewünschten Synergieeffekte tatsächlich wirken, darf jedoch als große Herausforderung gelten (siehe Text unten).

Michael Müller: Große Verantwortung für Berlin

„Es war richtig, auf Kooperation zu setzen“, bekräftigte der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) nach der Entscheidung. „Wir sind jetzt in der Verantwortung, eine überzeugende Idee auch überzeugend umzusetzen.“ Jetzt würde gemeinsam „die nächste Stufe auf unserem Weg zur internationalen Forschungsmetropole“ gezündet.

Auch die Opposition in Berlin gratulierte: „Wir sind stolz auf unsere Unis!“, teilte Kai Wegener, der Landesvorsitzende der Berliner CDU mit. Bei aller Freude auch über die zusätzlichen Fördergelder dürfe das Land Berlin nun aber nicht seine Anstrengungen vernachlässigen, weiter in Forschung und Lehre zu investieren. „Wir bleiben nur dann in der Spitzengruppe, wenn wir optimale Studienbedingungen und attraktive Lehraufträge schaffen.“

Protest vor der Urania und Zuspruch für Ausgeschiedene

Vor der Urania protestierten Studierende und die GEW gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und für besseren Lohn. Die Freude im Saal kann das nicht trüben. Am Ende gibt es noch ein Selfie mit den Präsidenten und dem Publikum. Die Party kann losgehen.

In Bonn wurden unterdessen die acht Finalistinnen ermuntert, die es nicht geschafft haben. „Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb“, sagte Eva Quante-Brandt, die Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskommission von Bund und Ländern. Sie sollten „an dem dranbleiben, was sie bereits entwickelt haben“ und sich für die nächste Entscheidung 2026 wieder bewerben, wenn vier weitere Unis die Exzellenzkrone erringen können.

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