DGB-Demo: "Der öffentliche Dienst pfeift auf dem letzten Loch"

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Live-Blog aus Berlin zum Nachlesen : Das war der 1. Mai in Kreuzberg
Livia Gerster
DGB-Demonstration in Berlin. Die Demonstranten zogen vom Hackeschen Markt zum Brandenburger Tor.
DGB-Demonstration in Berlin. Die Demonstranten zogen vom Hackeschen Markt zum Brandenburger Tor.Foto: dpa

12:50 Uhr: Die DGB-Kundgebung am Brandenburger Tor steht unter dem Motto: "Gute Arbeit. Soziales Europa". Der stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach, blickte vor allem auf die Hauptstadt und zieht eine durchwachsene Zwischenbilanz zur rot-schwarzen Koalition. "Der öffentliche Dienst pfeift in Berlin auf dem letzten Loch", ruft er dem Demonstranten zu. Er fordert eine Angleichung an den Bundesdurchschnitt. Außerdem habe der Senat das Thema Wohnen verpennt. Einzig das Thema Ausbildung gehe der Senat ordentlich an. Irene Schulz wiederum, Mitglied im IG-Metall-Vorstand erinnerte an die harten Kämpfe um den Mindestlohn und die Rente mit 63. Beides sei jetzt auf dem Weg, "aber wir lehnen jede Ausnahme ab", sagt sie. Der DGB veranstaltete in ganz Deutschland am Tag der Arbeit Kundgebungen.

Die Standbesitzer treffen die letzten Vorbereitungen für das MyFest in Kreuzberg.
Die Standbesitzer treffen die letzten Vorbereitungen für das MyFest in Kreuzberg.Foto: Mohamed Amjahid

12:17 Uhr: Am Oranienplatz wird es laut. Allerdings nicht, weil es lautstarken Protest gibt, sondern auf der Rockbühne geht es los mit lauter Musik. Am Infostand der Flüchtlinge gab es auch Musik. "Stand Up For Your Rights" von Bob Marley schallte es da. Doch zuviel Musik beißt sich, deshalb wurden die Betreiber des Infostandes von den Organisatoren gebeten, ihre Musik auszumachen, was diese nun auch machen.

12:02 Uhr: Für den heutigen 1. Mai erwartet die Polizei keine größeren Randale. 1987 war das ganz anders. Da eskalierte ein Straßenfest am 1. Mai in Kreuzberg. Läden standen in Flammen und wurden geplündert. Die Polizei war völlig überfordert. Es waren die ersten schweren Mai-Krawalle in Berlin - weitere sollten folgen. Einen Rückblick auf die Zeit damals und was daraus wurde können Sie hier in einem Text auf unserem Kreuzberg-Blog nachlesen.

Geschichte der Mai-Krawalle
Am 1. Mai 1987 erlebte West-Berlin die schwersten Ausschreitungen der Nachkriegszeit. In aufgeheizter Stimmung begannen Autonome in Kreuzberg, zu randalieren und zu plündern. Wie später bekannt wurde, zündete ein Pyromane den Bolle-Supermarkt am Görlitzer Bahnhof an. Die Polizei verlor über Stunden die Gewalt über SO 36. Ein Rückblick in Bildern.Weitere Bilder anzeigen
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30.04.2014 22:54Am 1. Mai 1987 erlebte West-Berlin die schwersten Ausschreitungen der Nachkriegszeit. In aufgeheizter Stimmung begannen Autonome...

11:31 Uhr: Der Demonstrationszug der Gewerkschaft ist vom Hackeschen Markt zum Brandenburger Tor gezogen. Vorne ist die Gewerkschaftsjugend unterwegs mit einem Partywagen und Techno. Sie wollen weg von Fahnen und Trompeten und alle mitnehmen, sagt David Fischer. Dahinter reihen sich SPD, Grüne und Linke ein, vor allem mit ihren Jugendorganisation. Und ein Juso ist etwas ernüchtert. "Es fehlt diesmal das große Thema", sagt er. Denn die SPD habe mit Unterstützung der Gewerkschaften den Mindestlohn und die Rente mit 63 auf die Bahn gebracht. Sprich: Wogegen oder wofür demonstrieren sie also? Die Vertreter der Chartité, die auch mitlaufen wissen das: Sie fordern mehr Personal für die Krankenhäuser. Auch die BVG, die BSR und sogar die Gewerkschaft der Polizei ist dabei. Rote Nelken werden verteilt. Am Ende laufen die Kommunisten, wo vor allem viele internationale Parteien aus Griechenland, Venezuela und vor allem der Türkei dabei sind. Dort wird unter anderem gegen das Spardiktat der Trojka demonstriert. Ganz am Ende sind die Anarchisten unterwegs und fordern ein Ende der Lohnarbeit. Die zentrale Kundgebung findet jetzt am Brandenburger Tor statt.

Zumindest am 30. April war bestes Wetter im Mauerpark. Die Stimmung war ausgelassen.
Zumindest am 30. April war bestes Wetter im Mauerpark. Die Stimmung war ausgelassen.Foto: dpa

11:05 Uhr: Eine Gruppe von 25 amerikanischen Studenten macht eine Kiez-Tour durch Kreuzberg mit Stopp am Oranienplatz. Dort erklärt ihnen ein Begleiter der Gruppe die Situation der Flüchtlinge. "Komisch, dass die in Deutschland nicht arbeiten dürfen", sagt einer. Aber sie sind sehr begeistert von der Atmosphäre in Kreuzberg und wollen am Nachmittag zurückkehren auf das MyFest. Weniger anständig verhalten sich fünf stark betrunkene Männer im besten Alter am Oranienplatz. Minutenlang grölen sie über den Platz "Ich bin deutscher Arier", brüllt einer. "Schwuchtel", ein anderer. Ein Dritter ruft permanent "Ficken". Die Polizei beobachtet das, greift aber nicht ein. Nach einigen Minuten herrscht wieder Ruhe: Sie sitzen auf einer Bank und trinken weiter.

Walpurgisnacht und Tanz in den Mai
"Allet oder nüscht" - in Wedding gehen am Abend der Walpurgisnacht 2.000 Menschen auf die Straße. Sie werden von einem Aufgebot der Polizei begleitet.Weitere Bilder anzeigen
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30.04.2014 21:33"Allet oder nüscht" - in Wedding gehen am Abend der Walpurgisnacht 2.000 Menschen auf die Straße. Sie werden von einem Aufgebot...

10:52 Uhr: Die Walpurgisnacht verlief recht ruhig in Berlin. Nur im Viktoriapark in Kreuzberg war es ungemütlich. An verschiedenen Stellen wurden Lagerfeuer entzündet, die von der Polizei gelöscht wurden. Gegen 22.50 Uhr kippte die Stimmung; Flaschen flogen in Richtung Polizei. Die Polizeibeamten setzten Pfefferspray gegen die Flaschenwerfer ein, nach Angaben eines Polizeisprechers gab es 15 vorläufige Festnahmen. Mehrere Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Polizeibeamte und gefährlicher Körperverletzung wurden eingeleitet. Die Verdächtigen sind aber mittlerweile alle wieder auf freiem Fuß. Was sonst los war in der Nacht zum 1. Mai in Berlin und Hamburg erfahren Sie hier.

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